Der tiefe Fall des Pegasus: Einstige Galionsfigur des Gymnasiums Miesbach vergammelt im Wald 
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Geschichte im Zeitraffer: Jahrelang haben Schüler daran gebaut. 1996 wurde der Pegasus auf dem Dach des Gymnasiums enthüllt, heute liegt er im Dreck.
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Da wächst er: Lehrer und Schülerin des Gymnasiums Miesbach erschaffen das Prachttier. 
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Geschichtsträchtiger Moment: Miterbauer Florian Pichler enthüllt den Pegasus am 10. Mai 1996 auf dem Vordach des Miesbacher Gymnasiums.
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Herr über das Chaos: Der schwere Gewittersturm am 5. Juli 1996 ließ das Dach des Verwaltungstrakts auf die Straße stürzen. Der Pegasus blieb unversehrt. 
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Misslungener Flugversuch: Die Feuerwehr rettet den Pegasus im März 2013 aus der Schlierach , nachdem ihn Unbekannte von der Brücke geworfen haben.
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Niemand hat ihn kleinbekommen: Stolz hat der Pegasus wieder seinen Ehrenplatz eingenommen.
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All das überstand der Pegasus unbeschadet. Und jetzt liegt er im Dreck. 
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Vergessen, verlassen, verfallen...

Landratsamt: Figur ist „gut verwahrt“ worden - Eine unglaubliche Geschichte

Der tiefe Fall des Pegasus: Einstige Galionsfigur vergammelt im Wald 

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Lange Zeit war der Pegasus des Miesbacher Gymnasiums untergetaucht. Jetzt hat ihn ein Spaziergänger im Wald gefunden. Die unglaubliche Geschichte von Aufstieg und Fall eines heldenhaften Tiers.

Das geflügelte Pferd ist tief gestürzt. Sein einst so schillernder Leib ist matt und grau, in seinen majestätischen Schwingen hat sich braunes Laub verfangen. Rudolf Huber aus Weyarn musste zweimal hinschauen, bis er erkannte, welch symbolträchtiges Fabelwesen er bei einem Spaziergang an der Salzlagerhalle in Thalham zwischen Pflastersteinen und Gullydeckeln entdeckt hatte: den Pegasus des Miesbacher Gymnasiums.

Jahrelang thronte die Aluminium-Figur aus der griechischen Mythologie als Wappentier auf dem Vordach der Schule. Jetzt liegt das sagenhafte Reittier des Helden Bellerophon mit verbogenen Flügeln auf ein paar Betonteilen auf dem Waldboden. „Ein unrühmliches Ende für so ein Kunstwerk“, findet Huber.

Der Fall des Pegasus begann mit dem Start der Modernisierung des Gymnasiums im August 2011. Weil er durch die Neugestaltung der Fassade sein Podest auf dem Vordach einbüßte, landete er zuerst im Park des alten Miesbacher Krankenhauses. Unbekannte entführten ihn im März 2013 und warfen ihn in die nahegelegene Schlierach. „Das war sein erster Flugversuch“, sagt Markus Gamperling, stellvertretender Schulleiter am Gymnasium. Die Feuerwehr rettete die 100 Kilogramm schwere Skulptur aus dem Wasser – und brachte sie zum Bauhof des Landkreises an der Wendelsteinstraße. „Da haben wir sie aus den Augen verloren“, sagt Gamperling.

Die Liegenschaftsverwaltung des Landratsamts brachte den Pegasus schließlich zur Salzlagerhalle nach Thalham. Nach Auskunft eines Mitarbeiters sei er dort auch „gut verwahrt“ worden, sagt Pressesprecher Birger Nemitz. Gemessen an seiner strahlenden Vergangenheit am Gymnasium dennoch ein herber Absturz für das Kind von Poseidon und Medusa.

Geboren wurde der Miesbacher Pegasus im Jahr 1991. Der damalige Abiturientenjahrgang hatte die Idee, dem namenlosen Gymnasium ein „amtliches Emblem“ zu verleihen. Die Wahl der Schüler fiel auf das „fliegende Dichterross Pegasus“, wie im Jahresbericht 1995/96 nachzulesen ist. Der damalige Schulleiter Andreas Scherm war begeistert, und fortan zierte der Pegasus Broschüren, Schüler- und Abiturzeitungen und inoffzielle Schreiben des Gymnasiums. Ja sogar auf ein Schul-T-Shirt schaffte er es.

Kunstlehrer Christoph Müller war das nicht genug. Er wollte dem geflügelten Pferd eine sichtbare Gestalt verleihen, ein Symbol schaffen für freien Geist und Kreativität. Müller rief einen freiwilligen Werkkurs aus, zwölf Schüler machten mit. Zuerst formten sie ein kleines Modell aus Ton und bastelten eine Pappvorlage in Originalgröße. In unzähligen Freistunden schweißten sie dann ein Trägergerüst aus Stahl und nieteten die Alu-Platten für Kopf, Körper und Flügel zusammen. Zwei Jahre später hatte sich die Gruppe auf die beiden Schüler Maria Jacobi und Florian Pichler sowie ihren Kunstlehrer Müller dezimiert – doch der Pegasus wurde fertig. Am 10. Mai 1996 wurde die Figur bei einer Feierstunde auf dem Vordach des Gymnasiums enthüllt.

Es dauerte keine zwei Monate, bis der Pegasus seine göttliche Herkunft erstmals unter Beweis stellte. Ein Gewittersturm am Abend des 5. Juli 1996 deckte das 180 Quadratmeter große Blechdach des Verwaltungstraktes ab. Wie durch ein Wunder segelte es wenige Zentimeter über den Kopf des Pegasus hinweg. Dem stolzen Ross wurde kein Haar gekrümmt. Auch kleineren „Anschlägen“ von Schülern hielt es Stand. So versuchten etwa ein paar Scherzbolde, der geschlechtslosen Figur eine „männlich-potente Identität“ zu verleihen, wie es im Jahresbericht heißt. Die wachsamen Hausmeister kamen ihnen dazwischen.

Seit der Pegasus vom Schulgelände verschwunden ist, scheint er seine guten Gene verbraucht zu haben. Doch es gibt Hoffnung. Laut Landratsamt ist eine Aufbereitung der Skulptur „prinzipiell möglich und machbar“. Das Gymnasium würde sein Ross jedenfalls gerne wieder zurückholen, wie Gamperling betont. Als möglicher Aufstellort käme der Pausenhof infrage, auf dem auch Müllers „Hippokrene-Brunnen“ steht. Das 1998 eingeweihte Wasserspiel erinnert an eine heilige Quelle, die einst durch den Hufschlag von Pegasus entsprungen sein soll.

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