Auftritt mit Exoten: Beim Circus Voyage gehören Wildtiere untrennbar zum Programm. Tierschützer sehen das kritisch.

PETA attackiert Circus Voyage

Tierschützer wütend über Circus - ist es wirklich so schlimm?

Die Wut von Tierschutzorganisationen wie PETA über die Tierhaltung im Circus erreicht nun auch Miesbach. Was ist dran an den Vorwürfen?

Miesbach – Die Auseinandersetzung wird ziemlich unerbittlich geführt und erreicht nun auch Miesbach. Von Donnerstag bis Sonntag, 7. bis 10. Juni, ist der Circus Voyage an der Oberlandhalle zu Gast, und wie in anderen Städten der Gastspielreise folgte der Ankündigung des Auftritts umgehend der Protest der Tierschützer. Für potenzielle Besucher stellt sich wohl vor allem die Frage, wem man vertraut: den alarmierten Tierschützern oder den Beteuerungen des Zirkus’ nebst staatlichen Kontrollen.

Wie üblich geht es um das Tierwohl. Der Circus Voyage aus Hagen, der heuer sein 20-jähriges Bestehen feiert, setzt neben Artistik umfangreich auf Wildtiere, hält zum Beispiel vier Elefanten, Zebras, Kamele und Alpakas – und als letzter Circus in Deutschland auch Giraffen. Selbst ein Nilpferd können die Besucher in der Arena erleben.

Eine artgerechte Unterbringung solcher Tiere in Zirkussen – so schreibt die Tierschutzorganisation PETA in ihrer Pressemitteilung – „ist systembedingt nicht möglich“. Die Tierrechtler ziehen dabei einen Vorfall in Berlin heran, bei dem die Prüfer der Veterinärbehörden „zahlreiche Tierschutzmissstände“ dokumentiert hätten. „Die schlechten Haltungsbedingungen führen zu gesundheitlichen Problemen und Stereotypien“, so PETA in ihrer Mitteilung, die letztlich gleichlautend an jedem Auftrittsort des Circus Voyage verschickt wird, weiter. Speziell die Standortwechsel seien problematisch.

Lesen Sie mehr: Der Streit zwischen PETA und dem Circus schwelt schon lange

Der Circus selbst fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. „Wir werden an jedem Auftrittsort mindestens einmal vom örtlichen Veterinäramt kontrolliert“, sagt Tournee-Leiter Sascha Grodotzki. Jede einzelne Kontrolle werde zentral erfasst und sei für die örtlichen Veterinäre einsehbar. Wenn es da verstärkt Beanstandungen gäbe, „wären wir längst nicht mehr auf der Straße“, sagt Grodotzki. Beim Vorfall in Berlin sei ein Prüfer gekommen, der offenbar Sympathien für PETA gehegt habe. Beim nächsten Auftritt in einem Bezirk der Hauptstadt mit einem anderem Veterinäramt habe es wiederum keine Beanstandungen geben – wie sonst auch. Vielfach würden, so sagt der in Oberbayern aufgewachsene Tourneeleiter, die Kontrolleure auch Fachkräfte aus Zoos mitbringen. Und natürlich liege dem Zirkus als allererstes das Wohl seiner (Haupt)Darsteller am Herzen. Eine „vorbildliche Tierhaltung“ strebt er an.

Überdies ist auch PETA nicht unumstritten. Die FDP etwa hat jüngst im Bundestags beantragt, der Organisation die Gemeinnützigkeit zu entziehen. Die Tierschützer gehen bei ihren Recherchen mitunter nicht als zimperlich und verstoßen gegen Rechtsvorschriften. Derweil gilt aber auch, dass in der Zirkuswelt im Allgemeinen der Trend zum Verzicht auf Wildtiere geht.

PETA appelliert in seinen Schreiben auch an den Miesbacher Stadtrat. Der soll ein Wildtierverbot zu beschließen. Das hat etwa München getan und habe zum Inhalt, dass bestimmte Tierarten auf kommunalen Flächen nicht gehalten werden dürfen. Nur würde das am Auftritt in Miesbach nichts ändern. Denn das Gelände an der Oberlandhalle gehört nicht der Stadt, sondern dem Zuchtverband, und der baut ebenfalls auf die Kontrolle durch das Veterinärsamt, wie Geschäftsführer Christian Presslaber unserer Zeitung gegenüber erklärt.

Abseits seiner Wildtiere zeigt der Circus Voyage in seinem Jubiläumsprogramm unter anderem eine Wassershow mit Licht- und Feuer-Effekten, Motorrad-Artistik in einer Stahlkugel und eine Magier-Nummer. Und neben diversen Akrobaten gibt es – na klar – auch Clownerie.

Auftrittsdaten

Termine: Donnerstag, 7. Juni: 18 Uhr; Freitag (Familientag mit vergünstigten Preisen) und Samstag, 8. und 9. Juni: 16 und 19 Uhr; Sonntag, 10. Juni: 15 Uhr. Karten: www.eventim.de; ab Donnerstag täglich 11 bis 12 Uhr sowie je 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn an der Circuskasse. Infos: www.circus-voyage.de.

dk

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