Ausflügler auf einem Schiff auf dem Tegernsee.
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Schifferlfahren mit Abstand: Auch am Tegernsee musste man auf die Corona-Pandemie reagieren. Die Krise sorgt für Umsatzeinbrüche bei allen Anbietern im Tourismus.

ATS beziffert finanzielle Folgen für Gastgeber und lokale Wirtschaft

Tourismus: 104 Millionen Euro Einbußen durch Corona

  • Stephen Hank
    vonStephen Hank
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Die Corona-Krise wird dem Tourismus und der Wirtschaft im Landkreis im laufenden Jahr voraussichtlich Einbußen von rund 104 Millionen Euro bescheren.

Landkreis - „Der Verlust durch Umsatzausfall allein im März und April beläuft sich auf rund 53,1 Millionen Euro“, berichtete Harald Gmeiner, Vorstand des kommunalen Tourismusunternehmens Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS), jetzt im Kreisentwicklungsausschuss. Durch den Lockdown war der Tourismus praktisch zum Erliegen gekommen. Prognosen weisen bis Ende des Jahres einen Umsatzverlust von 71 Millionen Euro bei der Beherbergung und von 33 Millionen Euro beim Tagestourismus aus. Das entspricht einem Rückgang von 21 beziehungsweise 19 Prozentpunkten.

1,23 Millionen Übernachtungen von Januar bis August

Dennoch gibt es eine gute Nachricht. „Im Juli und August haben wir wieder die Vorjahreszahlen erreicht“, sagte Gmeiner. „Ich bin optimistisch, dass das so weitergeht.“ Buchungen erfolgten jetzt deutlich kurzfristiger, und das Tagungsgeschäft habe sich erheblich reduziert. Kompensiert werde das von Gästen, die jetzt verstärkt auch außerhalb der Ferien anreisen. In Summe zählte die ATS von Januar bis August in den acht Gemeinden, die einen Kurbeitrag erheben, rund 1,23 Millionen Übernachtungen. Im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum noch 1,64 Millionen.

ATS-Vorstand Harald Gmeiner

Welche Bedeutung der Tourismus für die Region hat, legte Gmeiner anhand einer Wertschöpfungsstudie dar. So generierten Urlaubsgäste und Tagesausflügler 2019 einen Bruttoumsatz von rund 513 Millionen Euro. Das Gastgewerbe profitierte mit 307,8 Millionen Euro am meisten, gefolgt von Dienstleistungen (112,6) und Einzelhandel (92,6).

Besucherlenkung spielt immer bedeutendere Rolle

Viel Umsatz bedeutet freilich auch viel Verkehr, und so wird die Besucherlenkung in Zukunft einer immer bedeutendere Rolle spielen. Allein die Zahl der Tagesgäste steigerte sich in den vergangenen fünf Jahren um 17 Prozentpunkte. Rund 8,2 Millionen waren es 2019, pro Tag im Durchschnitt also 22 500. An Spitzentagen stieg die Zahl gar auf 70 000 – inklusive der Landkreisbürger, die Erholung an den Seen und in den Bergen suchten. Die Corona-Krise hat zur Entspannung nicht beigetragen, im Gegenteil. „Das Reiseverhalten hat sich geändert“, so Gmeiner. „Und weil viele Menschen wegen der Ansteckungsgefahr den ÖPNV meiden, hat der Individualverkehr zugenommen.“

Teilnahme am Forschungsprojekt Smarte Tourismus Region

Die ATS setzt deshalb in Zukunft auf eine digitale Besucherlenkung. Im Rahmen des Forschungsprojekts Smarte Tourismus Region, das vom Bayerischen Wirtschaftsministerium mit 1,32 Millionen Euro gefördert wird, wollen die Partner im Zeitraum von zweieinhalb Jahren ein Prognosemodell entwickeln, das dabei hilft, eine Verkehrsüberlastung in der Region zu verhindern. „Der Gast soll über die Verkehrslage vor Ort schon informiert sein, wenn er noch die Möglichkeit zum Ausweichen hat“, umriss Gmeiner das Konzept. Ausflügler erfahren auf digitalem Wege oder anhand von digitalisieren Wegweisern also schon auf dem Weg ins Oberland, welche Straßen überlastet oder wo noch freie Parkplätze zu finden sind.

Möglich wird all das nur, wenn die entsprechende digitale Infrastruktur zur Verfügung steht. Daran arbeitet bei der ATS inzwischen eine eigene Projektgruppe. Auf einer Plattform sollen künftig alle Daten rund um den Tourismus zusammengeführt werden – von Verkehrs- und Parkplatzdaten über Veranstaltungen und Angebote von Dienstleistern bis hin zu Wetterdaten und Angaben der Gäste. „Wir müssen Herr der Daten sein“, sagte Gmeiner. „Die Digitalisierung und die Besucherlenkung sind in den nächsten Jahren zwei wesentliche Projekte.“

sh

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