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Tourismus-Experte der Bundesregierung bestätigt: Landkreis bei Besucherlenkung vorn dabei

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Von: Sebastian Grauvogl

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REO, Ranger, Grüne
Hatten viel zu besprechen: (v.v.l. im Uhrzeigersinn) REO-Geschäftsleiter Thorsten Schär, die Ranger Alexander Römer und Anderl Köpferl, REO-Vorstand Harald Gmeiner, REO-Vorstandsvorsitzender Alexander Schmid, sowie die Grünen-Bundestagsabgeordneten Stefan Schmidt und Karl Bär. © THOMAS PLETTENBERG

Ein Tourismus-Experte der Bundestagsfraktion der Grünen hat den Rangern im Landkreis Miesbach über die Schultern geschaut. Sein Fazit: Ein Projekt, das Schule machen soll.

Landkreis – Eine „Trockenübung“ im Altmühltal war Stefan Schmidt nicht genug. Im Landkreis Miesbach wollte der Leiter der Arbeitsgemeinschaft Tourismus der Grünen-Bundestagsfraktion den Rangern auch draußen in der Natur über die Schulter schauen. Vor allem auf die Reaktionen der Leute sei er gespannt, ließ der 41-Jährige nach seiner Ankunft in Miesbach – selbstredend mit dem Zug – wissen.

Den Besuch organisiert hatte der Holzkirchner Bundestagsabgeordnete Karl Bär. Und auch er hatte schon die Bergschuhe geschnürt, als er zur Begrüßung in die Räume der neuen Regionalentwicklung Oberland (REO) kam. Die beiden Vorstände des Kommunalunternehmens, Alexander Schmid (Vorsitzender) und Harald Gmeiner, sowie REO-Geschäftsleiter Thorsten Schär nahmen sich gern die Zeit, den beiden Politikern einen kurzen Abriss über die Bemühungen in Sachen Besucherlenkung im Landkreis Miesbach zu geben. Und ihnen zu erklären, dass die Erfolge der Ranger ein größeres Budget durchaus rechtfertigen würden.

An 90 Tagen mehr als 70.000 Tagesausflügler

Als tourismuspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag sei es für ihn von großem Interesse, wie es in stark frequentierten Regionen gelingen kann, das Spannungsfeld zwischen Freizeitnutzung und Naturschutz aufzulösen, erklärte Schmidt seine Mission. Dass der Landkreis Miesbach hierfür die richtige Adresse ist, konnte Gmeiner dem Abgeordneten mit Zahlen aus einer Mobilfunkdatenauswertung eindrucksvoll belegen. An 90 Tagen pro Jahr kämen im Schnitt mehr als 70 000 Tagesausflügler in den Landkreis Miesbach. Zum Vergleich: Selbst bei voller Bettenauslastung wären maximal 16 000 Übernachtungsgäste hier.

Um den Ansturm besser zu verteilen, nimmt die REO an einem Pilotprojekt teil, berichtete Schär. Mit Sensoren sollen Echtzeitdaten zu Verkehrsfluss und Parkplatzauslastung erhoben und dann live in Handlungsempfehlungen für die ankommenden Gäste einfließen, berichtete Schär. Diese sollen dann noch vor ihrer Ankunft auf weniger frequentierte Ziele im und in Zukunft auch außerhalb des Landkreises gelotst werden. Selbstverständlich außen vor bleiben sollen dabei geschützte Naturräume, versicherte Schär auf Schmidts Nachfrage hin. Aktuell befinde man sich noch in der Ausschreibung des mit 664 000 Euro budgetierten Projekts, fügte Gmeiner an. Die Umsetzung soll Anfang Oktober beginnen, die ersten Effekte könnten sich dann im Sommer 2023 zeigen.

Ranger-Projekt voller Erfolg

Bereits gut etabliert hat sich laut Schär das vor fünf Jahren im Rahmen des Förderprogramms Modellregion Naturtourismus gestartete Ranger-Projekt. Neben den beiden Rangern des Landkreises, Alexander Römer und Anderl Köpferl, sind auch noch 30 Freiberufler für die REO in den Bergen unterwegs. Letztere dürften allerdings keine Personalien erheben und könnten folglich auch kein Fehlverhalten zur Anzeige bringen, erklärte Schär. Dies wäre aber ohnehin nur in rund fünf Prozent der Fälle notwendig. Die breite Masse der Wanderer, Mountainbiker und Skitourengeher würden mit großer Offenheit auf die Ansprache der Ranger reagieren. Die richtige Kommunikation stehe dabei im Fokus. Als Eisbrecher würden sich kleine Präsente wie Müsliriegel oder Wanderkarten erweisen. „Ohne Draht zu den Menschen hilft einem das beste Fachwissen nicht weiter“, meinte Römer.

Umso bedauerlicher fanden es die beteiligten, dass es für die Kosten von rund 80 000 bis 100 000 Euro pro Jahr keine staatlichen Zuschüsse gebe. „Aus dem normalen Budget ist das auf Dauer nur schwer zu stemmen“, betonte Gmeiner. Von einer sicherlich angebrachten Ausweitung ganz zu schweigen.

Landkreis bei Besucherlenkung ganz vorn dabei

Schmidt und Bär konnten hier keine Hoffnung machen. Solche Projekte lägen nicht in der Zuständigkeit des Bundes. Der tourismuspolitische Sprecher bescheinigte der REO aber immerhin, in Sachen Besucherlenkung ganz vorne mit dabei zu sein. „Das darf gern Schule machen in anderen Regionen“, sagte Schmidt. Nachhaltiges Verhalten in der Natur käme immer mehr in den Köpfen der Menschen an, und das gelte es weiter zu fördern. „Da schlägt mein grünes Herz lauter“, meinte der Bundestagsabgeordnete.

Dann machte er sich mit Bär und den beiden Rangern endlich auf den ersehnten Außeneinsatz. Welches Ziel sie ansteuern wollen, würden sie spontan entscheiden, meinten Römer und Köpferl. „Je nach Andrang.“

sg

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