Hochbetrieb bis spät in den Abend: Ein Traktor mit Heuballen in der Nähe von Warngau. Das Foto stammt aus dem Jahr 2016. Auch aktuell sind diese Szenen wieder gehäuft zu beobachten.
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Hochbetrieb bis spät in den Abend: Ein Traktor mit Heuballen in der Nähe von Warngau. Das Foto stammt aus dem Jahr 2016. Auch aktuell sind diese Szenen wieder gehäuft zu beobachten.

Überall wird Heu gemacht

Traktorlärm bis spät in die Nacht: Landwirte drücken mit der Grasmahd aufs Gas

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Es dröhnt und scheppert auf den Wiesen im Landkreis: Die Grasmahd ist in vollem Gange - teils bis in die Nacht. Warum es jetzt so eilt, erklären zwei Experten.

Landkreis – Dröhnende Maschinen bis in die Nacht, Scheinwerfer, die die Umgebung taghell werden lassen. Ein Bild, das man üblicherweise mit Großbaustellen in Verbindung bringt, beispielsweise auf der Autobahn. Die Landbevölkerung hat mit derlei Beeinträchtigung der abendlichen Ruhe für gewöhnlich nicht zu kämpfen. Das ist dieser Tage anders. Da nämlich herrscht auf vielen Wiesen im Landkreis Hochbetrieb. Schwere Traktoren drehen ihre Runden, um die erste Heumahd einzubringen. Und das auch am Sonntag und teils bis spät in den Abend. Nicht wenige Anwohner stellen sich da die Frage, wieso das – gerade zu Beginn einer Schönwetterperiode – eigentlich sein muss?

Klaus Schiller, Geschäftsführer des Maschinenrings Aibling-Miesbach-München, kann die Verwunderung durchaus nachvollziehen. „Zurzeit ist wirklich viel los“, bestätigt er die Wahrnehmung vieler Landbewohner. Das liege vor allem am nassen und kühlen Frühjahr, das eine Ernte schlichtweg unmöglich gemacht habe. Die sei aber Ende Mai/Anfang Juni dringend notwendig, da das Gras sonst alt und holzig werde. „Dann frisst es das Vieh nicht mehr so gern“, erklärt Schiller. Die Folge: So gut wie jeder Landwirt mäht.

Landwirte buchen externe Dienstleister - und die sind gut beschäftigt

Diese Gleichzeitigkeit stellt der Chef des Maschinenring auch in seinem Geschäft fest. „Wir können gar nicht so viele Maschinen vermitteln, wie gerade gebraucht werden.“ Weil viele Landwirte aus Rentabilitätsgründen Spezialgeräte wie Häcksler oder Heupressen nicht mehr selbst anschaffen, sei die Nachfrage nach Leihmaschinen oder Lohnunternehmer groß. Und die würden jedes Zeitfenster nutzen, um ihre Kunden rechtzeitig zu bedienen.

Gerade in siedlungsnahen Bereichen versuche man dabei aber, spätabendliche Arbeit zu vermeiden, betont Schiller. Wenn aber mal ein technischer Defekt auftrete oder viel Verkehr auf den Straßen sei, könne der straffe Zeitplan schon mal durcheinander geraten. „Kein Landwirt hat Freude an Nacht- oder Feiertagsarbeit“, sagt Schiller. Umgekehrt könne man das geschnittene Gras nicht einfach ein paar Tage liegen lassen. Dann nämlich sinke die Futterqualität –mit drastischen Konsequenzen für Milch und Fleisch. „Was man jetzt versemmelt, büßt man monatelang.“

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Rolf Oehler, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Holzkirchen, weiß, dass sogar die Tageszeit eine Rolle spielen kann. Mit der Sonneneinstrahlung steige der Zuckergehalt im Gras. Damit sei eine Mahd am späten Nachmittag eigentlich am besten, vor allem in einem so verregneten Jahr wie heuer. Vor allem beim Silieren müsse man die Ernte dann aber noch am selben Tag und vor allem in einem Rutsch einfahren und luftdicht abdecken. „Da kann man nicht einfach nach der Hälfte aufhören und am nächsten Tag weitermachen“, erklärt Oehler. Aus Artenschutzsicht sei eine späte Mahd übrigens sogar positiv. „Wenn es dunkel ist, sind keine Bienen mehr unterwegs.“

Den Eindruck, dass auch im Landkreis Miesbach und selbst auf kleinen Wiesen immer größere Maschinen zum Einsatz kommen, teilt der Geschäftsführer des Maschinenrings durchaus. Dies habe aber den Vorteil, dass die Heuernte binnen ein bis zwei Tagen erledigt sei. Früher hingegen seien die Landwirte oft eine ganze Woche lang damit beschäftigt gewesen. „Und das war auch laut“, gibt Schiller zu bedenken.

Grasmahd: Harte Zeiten für Pollenallergiker

Nicht optisch oder akustisch wahrnehmbar, aber dafür deutlich spürbar, ist der durch die flächendeckende Mahd förmlich explodierende Gräserpollenflug. So mancher Allergiker geht da –wenn überhaupt – nur mit Sonnenbrille und FFP2-Maske in die Natur und lässt die Fenster daheim trotz Frühsommerluft geschlossen. Doch auch hier sollte man versuchen, das Positive zu sehen: „Wenn alle gleichzeitig fertig sind, ist es zumindest schnell vorbei“, sagt Schiller. Und der Maschinenring-Chef weiß, wovon er spricht: „Ich bin selber allergisch.“ sg

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