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Etwa 1100 Kilometer von Miesbach entfernt liegt Marseillan an der Küste des Mittelmeeres.

„Rendezvous, aber noch kein Heiratsantrag“

Trotz Entfernung: Miesbach tritt Partnerschaft mit Marseillan näher

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In Gmund kassierte Marseillan einen Korb. Jetzt schickte die südfranzösische Stadt ein Partnerschaftsgesuch nach Miesbach. Und hier ist man zu einem „Date“ bereit.

Miesbach – Über eine Brieffreundin kam Ingrid Pongratz 1969 zum ersten Mal nach Frankreich. „Damals wurde ich als Deutsche schon noch recht kritisch beäugt“, erzählte die Bürgermeisterin nun im Stadtrat. Als man sich erst mal besser kennengelernt habe, seien aber „alle Dämme gebrochen“, schwärmte Pongratz. Und so habe sie auch heute noch Kontakt zu ihrer französischen Freundin.

Die Bürgermeisterin plauderte nicht aus reiner Erzählfreude heraus von ihren Erlebnissen, sondern leitete damit ihr Plädoyer für eine positive Antwort auf das Partnerschaftsgesuch der französischen Stadt Marseillan ein. Der beliebte Badeort an der Mittelmeerküste mit seinen rund 8000 Einwohnern habe eine Anfrage für eine Städtepartnerschaft ins Miesbacher Rathaus geschickt.

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Obwohl die Kreisstadt offenbar nicht die einzige Kandidatin ist – in Gmund hat Marseillan bereits einen Korb kassiert (wir berichteten) – könne sie sich trotz der rund 1100 Kilometer Entfernung einen „Annäherungsversuch“ gut vorstellen, meinte Pongratz. „Wenn es menschlich passt, können wir das ja forcieren.“ Nutznießer könnten nicht zuletzt die Schüler sein, die so eine attraktive Adresse für einen Austausch hätten.

Erhard Pohl (CSU) wollte die Schmetterlingsgefühle der Rathauschefin nicht so recht teilen. Für ihn klinge das schon nach einem Verlobungsantrag, und das gehe ihm ein bisschen zu schnell. „Gibt es denn eigentlich noch andere Bewerber?“, wollte Pohl wissen. Pongratz nickte. Auch mit Orten in der Nähe von Ancona und Toulouse seien mal lose im Gespräch gewesen. Überhaupt gebe es bei Marseillan keinen Grund zur Bindungsangst. „Das ist nur ein Beschnuppern, ein erstes Date“, versicherte Pongratz schmunzelnd. „So leicht gehe ich nicht her.“

Vor einer Fernbeziehung fürchteten sich hingegen Florian Ruml (FW) und Manfred Burger (Grüne): „Für einen regen Austausch ist die Entfernung einfach zu groß“, fand Ruml. Zumal die Stadt auf Dauer keine Reisen bezuschussen könne. Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FW) störte sich hingegen an den Nebenbuhlern Caudete (Spanien), Malmedy (Belgien) und Castleblayney (Irland), mit denen Marseillan bereits Partnerschaften eingegangen ist. „Damit sind wir nur deren Nummer vier.“

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Alles keine Hinderungsgründe, fand Astrid Güldner (Grüne). „Der ideelle Wert ist wichtiger.“ Gerade in der schwierigen Lage innerhalb der Europäischen Union sei es gut, Bande zu schmieden und ein Netz mit Partnern aus anderen Ländern zu knüpfen. Auch Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) appellierte an seine Ratskollegen, über den Schatten zu springen. „Daraus könnte eine wunderbare, für beide Seiten befruchtende Beziehung werden“, sagte Fertl. Obendrein habe er gehört, dass Marseillan über einen schönen Strand, guten Wein und viele Feste verfüge. Das überzeugte am Ratstisch. Gegen drei Stimmen wurde die Bürgermeisterin ermächtigt, erste Schritte für die Städtepartnerschaft einzuleiten.

Mit Pongratz habe man auch schon die passende Hochzeitsladerin gefunden, schlug Fertl augenzwinkernd vor. „Sie geht nächstes Jahr in Pension, hat damit viel Zeit und spricht super französisch. Das ist der Motor, den wir brauchen.“

sg

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