Spiel um Positionen: Die Kandidaten – (v.l.) Alexander Radwan, Hannes Gräbner, Karl Bär, Erich Utz und Béatrice Vesterling – erwürfelten sich reihum die Fragen seitens des DGB und des Publikums.
+
Spiel um Positionen: Die Kandidaten – (v.l.) Alexander Radwan, Hannes Gräbner, Karl Bär, Erich Utz und Béatrice Vesterling – erwürfelten sich reihum die Fragen seitens des DGB und des Publikums.

BUNDESTAGSWAHL

Um die Wählergunst würfeln: Fünf Bundestagskandidaten präsentieren sich in Miesbach bei DGB-Diskussion

  • Dieter Dorby
    VonDieter Dorby
    schließen

Miesbach – Am 26. September steht die Bundestagswahl an. Fünf Direktkandidaten aus dem Wahlkreis Miesbach/Bad Tölz-Wolfratshausen ließen sich dafür in Miesbach bei der Diskussion des DGN auf den Zahn fühlen.

Wer ist die richtige Person, um direkt für den Wahlkreis Miesbach/Bad Tölz-Wolfratshausen in den Bundestag in Berlin geschickt zu werden? Eine Frage, die die Wähler je nach ihrer Lebenssituation unterschiedlich beantworten werden. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat es da verhältnismäßig leicht, Schwerpunkte zu setzen. Bei seiner Diskussionsrunde am Mittwochabend im Waitzinger Keller in Miesbach standen viele Punkte auf dem Themenzettel, die die Arbeit der Gewerkschaften ausmachen – allerdings sehr spielerisch serviert.

Unter dem Titel „Echt gerecht“ durften die fünf Kandidaten sich ihre Themengebiete selbst erspielen, indem sie einen großen roten Schaumstoff-Würfel warfen und unter der Moderation von DGB-Jugendsekretärin Simone Stefan ihre Hütchen auf dem Fragenfeld zogen. Zum Beantworten ging es ans Rednerpult, denn die Veranstaltung wurde live im Internet übertragen (Video auf dgb.streamt-live.de).

Fünf Kandidaten

Dort hatten Béatrice Vesterling (FDP, 60 Jahre, Krankenkassenbetriebswirtin aus Holzkirchen), Karl Bär (Grüne, 35, Referent für Agrar- und Handelspolitik und Kreisrat aus Holzkirchen), Hannes Gräbner (SPD, 53, Senior Manager Media Content und Betriebsratsvorsitzender aus Holzkirchen), Alexander Radwan (CSU, 56, Bundestagsabgeordneter aus Rottach-Egern) und Erich Utz (Die Linke, 61, Abgeordnetenmitarbeiter und Jurist aus München) je zwei Minuten Zeit, ihre Positionen zu den insgesamt zwölf vorhandenen Themenfeldern darzustellen. Zudem gab es Vetokarten, um bei Ausführungen zu widersprechen.

Alexander Radwan (CSU)

Den Anfang machte Radwan. Er startete mit einer Sechs und durfte sein blaues Hütchen auf das Feld „Tarifvertrag“ stellen. Dabei zeigte sich früh, dass das Format zwar spontaner und improvisierter funktioniert, aber mit der allgemeinen Fragestellung weniger den einzelnen Kandidaten beleuchten kann. So beließ es Radwan auch dabei, dass der Tarifvertrag „eine sehr positive Errungenschaft“ sei, die man den Gewerkschaften zu verdanken habe. Beim Klimawandel betonte der Rottacher, dass dieser nicht geleugnet werde. „Wir unterscheiden uns aber von den Grünen darin, dass wir Zielvorgaben wollen, ohne dabei die technischen Details vorzuschreiben.“ So seien künftig Batterie und E-Mobilität nur eine von mehreren Möglichkeiten. „Wir wollen offen sein für alle Innovationen.“

Hannes Gräbner (SPD)

Gräbner startete mit einer Publikumsfrage, sprach sich dafür aus, dass die Arbeitnehmer in Sachen Homeoffice selbst bestimmen sollen, was aber auch gesetzlich geregelt werden sollte. Reiche sollten sich zudem mehr an der Finanzierung des Gemeinwesens beteiligen, zumal viele Konzerne die Corona-Krise kaum gespürt hätten.

Karl Bär (Grüne)

Bär begann mit dem Mindestlohn und plädierte dafür, diesen auf zwölf Euro zu erhöhen – „dann haben die Betroffenen gleich mehr Geld in der Tasche“. Zudem sprach er sich für ein Bürgerversicherungssystem aus sowie das Recht auf Wohnen ins Grundgesetz aufzunehmen und dabei so in den Wohnungsbau zu investieren, „dass Kommunen die Hand drauf haben“.

Erich Utz (Die Linke)

Utz präsentierte sich als Verfechter des öffentlichen Personennahverkehrs, forderte gleiche Bildungsmöglichkeiten für alle und sprach sich dafür aus, dass Wohnen ein Grundrecht wird – „Staat und Kommunen müssen einsteigen“. Es könne nicht sein, dass mittlerweile 30 Prozent des Lohns fürs Wohnen draufgehen.

Béatrice Vesterling (FDP)

Vesterling geht davon aus, dass künftig Arbeitsplätze hybrid sein werden – teils in der Firma, teils im Homeoffice. Die Pendlerpauschale werde so weniger gebraucht, jedoch müsse man über eine Homeoffice-Pauschale nachdenken, da sich Kosten wie Strom und Wasser ins Private verlagern.

Der Ablauf war geprägt von kultivierter Zurückhaltung – die Vetokarten hatten kaum Einsätze. Was auch Bär bedauerte: „Ich hätte mir die Diskussion offensiver gewünscht. Gegenrede gab es zumindest beim Wahlrecht ab 16 Jahre. Radwans Verweis darauf, dass vor allem Ältere zum Wählen gehen („16 ist kein Allheilmittel“), konterte Vesterling mit dem Hinweis auf Fridays For Future – die Tragweite des Wählens müssten Schule und Familie vermitteln.

DGB-Kreisvorsitzender Rudi Fertl zeigte sich am Ende zufrieden mit der Diskussionsrunde. Vor allem das Format des Würfelspiels sei gelungen gewesen – „gerne wieder“.

ddy

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare