Hubertushütte, Breitenstein
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Hüttenerlebnis wie aus dem Bilderbuch: Nicht jeden Wanderer zieht es auf den Gipfel.

Überraschende Ergebnisse

Studie: Was die Wander-Touristen wirklich bei uns suchen

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Höher, weiter, spektakulärer: Gefühlt verwandeln sich die Berge langsam im Freizeitparks. Doch was wollen die Wanderer wirklich? Einen aktuelle Studie offenbart Überraschendes.

Landkreis – Der Einfallsreichtum am Berg kennt keine Grenzen. Und gerade im nahen Österreich treibt er mitunter bunte Blüten: Plastikdinos in künstlichen Seen, Stahlseilrutschfahrten von steilen Felsen, Aussichtsplattformen am Gipfel. Der Weg zum viel zitierten Disneyland über der Baumgrenze ist nicht mehr weit, so scheint es. Die Alpenregion Tegernsee-Schliersee (ATS) hat ihn bislang nicht beschritten. Zurecht, wie eine aktuelle Umfrage des Deutschen Wanderinstituts ergibt.

234 Wanderer und Bergsteiger wurden im Sommer und Herbst 2016 rund um Schliersee und Tegernsee befragt. Die Ergebnisse schlüsseln auf, wo sie herkommen, wie sie anreisen und welche Ziele sie ansteuern. Für die Touristiker der ATS eine wertvolle Entscheidungsgrundlage für die zukünftige Entwicklung des Themas Wandern in der Region.

Der Wanderer: 

Wenig überraschend: Die Tagesgäste wohnen fast ausschließlich im Großraum München, die Urlauber in Nordbayern, Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Letztere bleiben im Schnitt vier Nächte und schlafen bevorzugt in Ferienwohnungen. Bemerkenswert ist aus Sicht der ATS die Altersstruktur. Zwar ist die Mehrzahl der Wanderer in der Alpenregion über 50 Jahre alt, aber immerhin auch ein Drittel jünger als 40. Ein deutlich höherer Wert als im deutschlandweiten Vergleich. Meistens sind die Bergfexe zu zweit unterwegs, bei jeder fünften Gruppe ist mindestens ein Kind dabei.

Die Anreise: 

Hier bestätigt sich wiederum das Gefühl vieler staugeplagter Einheimischer: Vier von fünf Wanderern reisen mit dem eigenen Auto an oder marschieren direkt bei ihrer Unterkunft los. Sämtliche Bemühungen, die Ausflügler für Bus, Bahn oder Fahrrad zu begeistern, scheinen damit bislang relativ erfolglos verlaufen zu sein. Besonders krass: Jedes vierte Auto auf den Wanderparkplätzen gehört einem Übernachtungsgast, der eigentlich die RVO-Busse kostenlos nutzen dürfte. Die ATS rechnet deshalb mit einem theoretischen Potenzial von einer Million zusätzlicher Busfahrten pro Jahr.

Die Touren: 

Von wegen extrem: Drei Viertel aller Wanderungen in der Region sind laut Umfrage nicht länger als zehn Kilometer und vier Stunden. Die durchschnittliche Strecke liegt mit 8,2 Kilometern klar unter dem deutschlandweiten Wert von deutlich über zehn Kilometern. Das liegt laut ATS auch daran, dass es in der Region bergiger und damit anspruchsvoller ist. Weil aber jeder zweite Wanderer seine Tour nach einer passenden Einkehrmöglichkeit am Weg auswählt, ziehen die Touristiker ein interessantes Fazit: „Häufig steht die Hütte und nicht der Gipfel im Zentrum des Interesses.“ Dabei wünschen sich die Gäste vor allem ein „naturnahes Angebot ohne Inszenierungen“.

Die Konsequenz: 

Holger Wernet, Produktmanager Wandern bei der ATS, ist dankbar für die Erkenntnisse aus der Umfrage. „Wir werden bei Produktentwicklung und Vermarktung einen stärkeren Fokus auf kürzere Wanderungen legen“, sagt er. Wichtiger als das Gipfelerlebnis seien Naturnähe, Ursprünglichkeit und Gastfreundlichkeit. Mit einem neuen Flyer werde die ATS verstärkt das kostenlose Busfahren mit der Gästekarte bewerben und aufzeigen, wie sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln sogar neue Touren planen lassen. „Nicht zuletzt ist uns auch wieder bestätigt worden, dass der Gast bei uns vor allem die Landschaft und die Natur schätzt und dass das ein Hauptreisemotiv darstellt“, sagt Wernet erfreut. Ein Disneyland in den Bergen wird es mit der ATS also auch in Zukunft nicht geben.

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