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Viel Verbesserungsbedarf: Mit dem aktuellen Zustand des Marktplatzes sind (v.l.) Christine Schreiner, Petra Hehl, GWM-Vorsitzender Florian Brunner, stellvertretende GWM-Vorsitzende Uschi Liebhardt, Karl-Heinz Geltinger und Harald Rudorf nicht zufrieden.

Umgestalteter Marktplatz in Miesbach

Geschäftsleute wünschen sich mehr Dialog

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Das Ergebnis, zu dem Stadt- und Verkehrsplaner im Rahmen der Evaluation zum neuen Marktplatz gekommen sind, bereitet den Geschäftsleuten Sorge. Sie befürchten Beeinträchtigungen, falls der Untere Markt autofrei werden sollte, und wünschen sich mehr Dialog. Die Evaluation soll mit den Planern erörtert werden – im Stadtentwicklungsausschuss.

Die einen freuen sich, wenn Miesbachs Marktplatz autofrei werden soll – die anderen befürchten einen großen Fehler. Zu letzterer Gruppe gehören die Geschäftsleute, die immer wieder darauf hinweisen, dass der Handel auf Stellplätze für seine Kunden angewiesen ist. Umso mehr schüren die Aussagen von Stadtplaner Otto Kurz und Verkehrsplaner Reiner Neumann, die zur Autofreiheit raten, Ängste. Grund genug für den Gewerbeverband Gemeinschaftswerbung Miesbach (GWM), eine Handvoll Punkte klarzustellen.

So stört sich GWM-Vorsitzender Florian Brunner an der Aussage des Verkehrsplaners, wonach kein Laden zusperren müsse, wenn der Marktplatz autofrei werde: „Das stimmt so nicht. Es gibt bereits erste Fußgängerzonen, die wieder für Autos geöffnet werden.“ Denn um funktionieren zu können, brauche Miesbach eine Kundenfrequenz von 100 Menschen pro Stunde, gibt Harald Rudorf (Optik Bucher) zu bedenken – „und ohne Autos bekommen wir die nicht“.

„Autos spielen zentrale Rolle in unserer Gesellschaft“

Generell findet Rudorf, dass Autofreiheit nicht dem Trend der Zeit entspricht: „Das Auto spielt eine zentrale Rolle in unserer Gesellschaft. Keiner will seine Einkäufe 800 Meter zum Auto tragen.“

Am umgestalteten Marktplatz wird auch die neue Verkehrsführung kritisiert. „Sie verläuft gegen den Uhrzeigersinn und ist nicht logisch“, findet Rudorf. Und die stellvertretende GWM-Vorsitzende Uschi Liebhardt ergänzt: „Bei Schnee weiß niemand mehr, wie er fahren soll.“

„Schilderwald im ensemblegeschützten Bereich“

Doch es ist nicht allein der umgestaltete Marktplatz, der die Geschäftsleute ärgert, sondern eine Vielzahl kleiner Defizite, die in der Summe geeignet sind, die Stadt und ihre gute Stube in schlechterem Licht erscheinen zu lassen. So beklagt Christine Schreiner (Wäsche Grabmaier), dass die Innenstadt nicht wirklich gepflegt werde, und Rudorf verweist auf die Fülle von Baustellenschildern, die herumstehen – teils vergessen, teils im Dauereinsatz, um Parkverbote zum Grünen Markt auszuweisen. „Wir haben einen ensemblegeschützten Bereich“, stellt der Optiker fest, „den man vor lauter Schildern gar nicht mehr wahrnimmt.“

„Stopp mit der Strafzettel-Jagd auf Kunden“

Ein weiteres Ärgernis ist für viele die Verkehrsüberwachung, die Parksünder rigoros mit Strafzetteln ausstattet. „Da wird richtig Jagd auf unsere Kunden gemacht“, schimpft Rudorf. „Wenn Kunden deshalb nicht mehr kommen wollen, muss ich mir Gedanken machen.“ Das untergrabe auch das Bemühen um Aufenthaltsqualität. „Wenn ich als Kunde weiß, dass ich sofort aufgeschrieben werden, wenn ich ein paar Minuten überziehe, verweile ich nicht mehr.“ Auch deshalb sei auch der Grüne Markt nicht mehr so frequentiert wie früher.

Unabhängig von den einzelnen Punkten bleibt festzustellen, dass die Geschäftsleute sich abgehängt fühlen. „Als es noch den Stadtentwicklungsausschuss gab, in dem die GWM Rederecht hat, gab es mehr Dialog und Austausch“, stellt Liebhardt fest. „Damals gab es den Konsens, dass der Marktplatz verändert werden kann, wenn parallel dazu Parkplätze geschaffen werden.“ Dieser Austausch sei verloren gegangen, nachdem die Stadt keine Ausschüsse mehr einberufen habe.

„Wiederbelebung des Stadtentwicklungsausschusses“

Für die GWM ist es deshalb ein wünschenswerter Schritt, in Kürze wieder eine Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses anzusetzen, um dort gemeinsam mit den beiden Planern Möglichkeiten, Probleme und Hintergründe diskutieren zu können. Ein entsprechender Brief an das Rathaus soll folgen. Dem Rat der beiden Planer bei der Evaluation, erst mit neuem Stadtrat und Bürgermeister/in weiterzumachen, widersprach Rudorf: „Wir können nicht sieben Monate untätig sein.“

Trotz aller Kritik gibt es auch eine positive Nachricht für die GWM bei der Evaluation: „Ich finde es gut, dass die weitere Entwicklung professionell begleitet werden soll“, sagt Brunner. „Dann wäre es sinnvoll, auch einen Fachplaner für Einzelhandel hinzuziehen.“ Klar ist für alle Befragten eines: Ganz ohne Parkplätze wird nicht gehen. Zumindest Kurzzeitstellplätze müsse es auch in Zukunft für die Kunden geben.

ddy

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