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Jugendpfleger Jürgen Batek (r.) und Landwirt Georg Hahn berichten mit den Asylbewerbern (v.l.) Ahmed-Farid Furmui, Osas Omoregbe, Rashid Hussain Turi Mit Hussain und Blaise Mageland Katunda-Pika von den Erfahrungen der Flüchtlingsintegrationsmaßnahme (FIM) bei der Katholischen Jugendstelle Miesbach.

Nicht nur die Flüchtlinge sind traurig darüber

Unfassbar: Erfolgreiches Integrationsprojekt wird nicht fortgesetzt

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Die Flüchtlingsintegrationsmaßnahme bei der Katholischen Jugendstelle in Miesbach war für alle Beteiligten ein Erfolg. Eine Fortsetzung gibt es nicht. Das Bedauern ist groß.

Unter anderem mähten die Teilnehmer mit Sensen eine Wiese bei der Kapelle Maria im Schnee in Kreuth.

Landkreis – Es sind diese Schlüsselmomente, die kein Kurs ersetzen kann. Noch heute erzählt Blaise Mageland Katunda-Pika mit Begeisterung von seinem Erlebnis auf dem Wertstoffhof am Brenten in Hausham. Gemeinsam mit den anderen Asylbewerbern wollte er dort den Sperrmüll aus dem soeben entrümpelten, ehemaligen Jugendraum der Pfarrei Hausham abgeben. Die Ordnung, die er auf der Deponie vorfand, ließ ihn staunen. Und die Entsorgungsgebühr noch viel mehr. „Das ist Europa, das ist Deutschland“, sagt der Kongolese mit glänzenden Augen.

Erfahrungen wie diese haben die sechs Asylbewerber im Alter von 16 bis 31 Jahren bei der Flüchtlingsintegrationsmaßnahme (FIM) der Katholischen Jugendstelle Miesbach in den vergangenen sechs Monaten zuhauf gemacht. „Integration durch Interaktion“, nennt Jugendpfleger Jürgen Batek das Motto. 75 Flüchtlinge sind bei verschiedenen Trägern im Landkreis in den Genuss einer FIM gekommen (siehe unten). Ein Erfolgsmodell, meint Tanja Englhart, die die FIMs für das Landratsamt auf den Weg gebracht hat.

Für Georg Hahn liegt das in erster Linie am hohen Praxisanteil. „Bei uns haben die Asylbewerber eine sinnvolle Beschäftigung gefunden“, erklärt der Landwirt aus Großhartpenning. Immer wieder habe er gelangweilte Flüchtlinge auf Parkbänken gesehen, berichtet Hahn. Über die Arbeitsagentur in Bad Tölz habe er dann von den FIM im Landkreis Miesbach erfahren. Weil er selbst schon in ähnlichen Projekten gearbeitet hat, sprach er Batek als Erlebnispädagogen an.

Der musste nicht lange überlegen. „Wir sind Macher“, sagt Batek stolz. Damit meint er auch die sechs Flüchtlinge aus Kongo, Nigeria, Pakistan, Afghanistan und dem Iran, die ihm Englhart vermittelt hat. Hahn stand ihnen als landwirtschaftlicher Berater bei den Arbeitseinsätzen zur Seite. So halfen die Asylbewerber unter anderem beim Anlegen eines kleinen Gartens für das „Café Mitanand“ des Roten Kreuzes in Miesbach oder beim Aufbau eines Zeltlagers der Katholischen Jugendstelle. Hahn brachte sie auch mit altem Handwerk wie dem Sensenmähen in Kontakt. Mit viel Enthusiasmus stutzten sie so eine Wiese vor der Kapelle Maria im Schnee in Kreuth.

Eine kleine Krise gab es trotzdem, berichtet Hahn. Einer der Flüchtlinge habe erfahren, dass sein Bekannter in Köln einen Job bekommen hat, bei dem er zehn Euro pro Stunde verdient. Er habe sich sogar ein Moped kaufen können. Die 80 Cent pro Stunde, die die FIM-Teilnehmer als Aufwandsentschädigung erhalten, reichten nicht aus, um die Stimmung in der Truppe aufzuheitern. Doch Hahn und Batek schafften es mit anderen Argumenten. „Dieses Land bietet euch Sicherheit“, sagte Hahn. „Und auch das Miteinander ist etwas wert“, meinte Batek. So nahmen sich die Helfer auch mal Zeit für einen Besuch im Deutschen Museum oder für ein Weißwurstfrühstück.

Umso trauriger sind die sechs Asylbewerber nun, dass die sechs Monate vorbei sind. Chancen auf eine Verlängerung gibt es nicht, weiß Englhart. Ebenso wenig dürfen die FIM-Teilnehmer auf eine Ausbildung oder ein geregeltes Arbeitsverhältnis hoffen. „Die meisten haben einen Ablehnungsbescheid erhalten“, erklärt Englhart. Weil einige Klage eingereicht hätten, stünden ihnen Monate des Wartens und der Unsicherheit bevor. „Das ist eine desolate Zeit“, sagt Englhart.

Das sei schade, meint Hahn, da sich die Asylbewerber gerne weiter einbringen würden. Auch, um den Menschen im Landkreis etwas zurückzugeben. „Es wird auf jeden Fall etwas fehlen“, meint Batek. „Auf beiden Seiten.“

Das sind die FIMs

Eine Quote von 70 Arbeitsgelegenheiten für Asylbewerber musste der Landkreis mithilfe von externen Trägern im Rahmen der Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen (FIM) schaffen. 75 Stellen sind es geworden, berichtet Tanja Englhart, die das Projekt am Landratsamt Ende 2016 mitangestoßen hat. Maximal 30 Stunden pro Woche durften die volljährigen und nicht anderweitig erwerbstätigen Flüchtlinge von den Trägern für verschiedene Projekte eingesetzt werden.

Im Landkreis haben zum Beispiel das Rote Kreuz, das Kommunale Abfallunternehmen VIVO, die Werkstatt des Pakts für Integration und Arbeit (PIA) sowie mehrere Kitas und Schulen Plätze angeboten. Die entstandenen Kosten konnten die Träger mit der Bundesagentur für Arbeit abrechnen.

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