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Unharmonische Harmonie-Diskussion: Darum hadert Miesbach mit den Fenstern des neuen Landratsamts

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Von: Dieter Dorby

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Viel Diskussionsstoff bescherten im Miesbacher Bauausschuss die Fensterreihen im ersten und zweiten Obergeschoß des Ersatzbaus. Sie sind bewusst versetzt, um die Ansicht aufzulockern.
Viel Diskussionsstoff bescherten im Miesbacher Bauausschuss die Fensterreihen im ersten und zweiten Obergeschoß des Ersatzbaus. Sie sind bewusst versetzt, um die Ansicht aufzulockern. © ddy/Karlundp

Im zweiten Anlauf hat es nun doch geklappt: Die Stadt Miesbach will dem Ersatzneubau des Landratsamts das gemeindliche Einvernehmen erteilen. Für die Kreisverwaltungsbehörde ist es ein wichtiger Schritt angesichts ihres ambitionierten Zeitplans. Doch einfach war der zustimmende Beschluss nicht zu bekommen.

Gerade weil die Zeit drängt – im März soll die Baugenehmigung vorliegen, im August der Rohbau starten –, war die ablehnende Haltung des Bauausschusses in der Oktobersitzung für das Landratsamt ein Problem. Deshalb schob die Stadt eine Sondersitzung ein, die direkt vor der jüngsten Stadtratssitzung stattfand.

Unharmonische Fensteranordnung

Inhaltlich war ein Wechsel bei den Kritikpunkten zu verzeichnen. Denn anders als in der Oktobersitzung war die aufgeständerte Photovoltaikanlage auf dem Flachdach des zurückgesetzten Gebäudes an der Riezlerstraße nun kein Thema mehr – und das sei es auch in der ersten Sitzung gar nicht gewesen, stellte man in den Fraktionen von CSU und FWG fest. Vielmehr sei der zentrale Kritikpunkt die Fensterreihen an der Westseite des Neubaus zur Münchner Straße hin gewesen. Wegen der fehlenden Darstellung wurde dieser Punkt aber nur kurz thematisiert und auf den nächsten Termin verschoben.

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Wie berichtet, hat das Münchner Planungsbüro Karlundp bei den Fenstern bewusst auf Asymmetrie gesetzt: Sie wurden vertikal versetzt angeordnet. „Damit soll die lange Fassade aufgelockert werden“, erklärte Planerin Kathrin Ametsbichler.

„Absolut ungenügend“

Doch dieses Vorgehen stieß auf Ablehnung im Gremium. So kritisierte Markus Baumgartner (CSU) auch die großen Glasflächen an den Konferenzräumen im Erdgeschoß als ungeeignet: „Diese Fassade ist absolut ungenügend. Das ist das Aushängeschild. In Miesbach ist sonst alles ruhig und harmonisch klar gegliedert.“ Diesem Anspruch werde die Planung entlang der Münchner Straße nicht gerecht.

„Zu starker Kontrast“

Auch Michael Lechner (FWG) war nicht zufrieden: „Das Problem bleibt: Es passt nicht, wie wir uns das vorstellen.“ Sein Fraktionskollege Florian Ruml bemängelte die Fassade ebenfalls als zu unruhig: „Das ist ein zu starker Kontrast zur umliegenden Bebauung mit dem alten Kloster und dem ehemaligen Finanzamt.“ Die Fassade sei „stark asymmetrisch“.

Kritik, die Astrid Güldner (Grüne), die den verhinderten Manfred Burger vertrat, nicht nachvollziehen konnte. „Ich habe keine großen Bauchschmerzen mit dieser Planung“, stellte die Zweite Bürgermeisterin fest, die Mitglied des Lenkungsausschusses des Landratsamts ist. „Es wird Zeit, grünes Licht zu geben. Ich finde die Pläne gelungen.“

„Stadt soll sich zur Energiewende bekennen“

Wenig konnte sie dagegen anfangen mit der vorangegangenen Diskussion zur Photovoltaikanlage. „Wir ändern unsere Ortsgestaltungssatzung, um PV-Anlagen zu erleichtern, und dann kommt so eine Diskussion.“ Die Stadt solle sich vielmehr klar zur Energiewende bekennen.

„Das müssen wir die nächsten 50 Jahre ansehen“

Für Stefan Griesbeck (CSU) bleib das Ergebnis unbefriedigend. Zur vorgelegten Planung stellte er resigniert fest: „Das wird kein superschönes Gebäude. Die Fassade gefällt mir nicht, aber wir müssen sie die nächsten 50 Jahre ansehen.“

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Die Idee von Drittem Bürgermeister Franz Mayer (CSU), die Symmetrie wieder herzustellen, erteilte Jessica Lauterbach, die zusammen mit Abteilungsleiterin Maria Rode das Landratsamt vertrat, eine Absage: „Die Fenster entsprechen dem Raumzuschnitt. Und die Räume im zweiten Stock sind total anders aufgebaut als die im ersten.“ Dann müsste man auch das Raumkonzept ändern.

„Der Bau ist genehmigungsfähig“

Paul Fertl (SPD), der wie Güldner zum Lenkungsausschuss gehört, sah die Planung gelassener: „Die Fenster sind unruhig, ja. Vielleicht kann man etwas nacharbeiten, aber der Bau ist genehmigungsfähig.“ Ähnlich sah es Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU): „Ich schließe mich an.“

Doch mit der Formulierung des Beschlusses, die den Bürgermeister zur Erteilung des Einvernehmens ermächtigt, tat sich das Gremium schwer. Braunmiller schlug vor, eine „weitgehend symmetrische Anordnung“ aufzunehmen, doch damit haderte Lauterbach: „Sie beschließen etwas, das Sie nicht gesehen haben.“

Gegen die Stimmen von Baumgartner, Mayer und Lechner fand der Beschluss denn eine 5:3-Mehrheit. Zuvor hatte Bauamtsleiter Lutz Breitwieser darauf hingewiesen, dass die Fassade durchaus klar gegliedert sei. Und Güldner stellte fest: „Man kann den Architekten auch mal glauben.“

ddy

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