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Glanzvoll: Elisabeth Kloss hält Gewänder in der Hand, die sie heuer für die lebende Krippe geschneidert hat; samt Königskrone.

Die Frau für die prunkvollen Gewänder

Seit 30 Jahren Kostüme für lebende Krippe

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Miesbach – Schon in Andechs, wo die lebende Krippe in Miesbach ihren Ursprung hat, spielte Elisabeth Kloss viele Jahre die Maria. Heute, rund 40 Jahre später, kümmert sich die 68-Jährige um die Gewänder der Kinder, die am Krippenspiel mitwirken.

Gemeinsam mit ihrer Mutter, dem Bruder und vor allem Schwester Veronika Pichler holt sie jedes Jahr Stoff, Nadel und Faden hervor, um die Kostüme zu ändern oder ein neues zu schneidern.

Stoff allein genügt da freilich nicht. Auf der silbernen Krone vom König zum Beispiel sind Steinchen angebracht, lilane, rote, blaue, grüne. Kloss sagt: „Die Kinder sollen ja prunkvoll aussehen.“ Kloss ist Schriftführerin und Inventarwart beim Miesbacher Trachtenverein, um die Gewänder kümmert sie sich seit 31 Jahren.

Samstag, 14. Dezember 1985. Bei der ersten lebenden Krippe kleidet Kloss die Teilnehmer schon ein. Die Idee holte sich der Trachtenverein vom Kloster Andechs, wo Frater Stefan, ein gebürtiger Haushamer, die lebende Krippe erschuf. „Einige Kleider haben wir aus Andechs mitgebracht“, sagt Kloss. Die sind aber längst aussortiert.

Zwar wird nicht jedes Jahr alles neu genäht. Die Kinder sind aber immer unterschiedlich groß. Heuer hat Kloss drei neue Kleider geschneidert und ein paar Kopfbedeckungen. Die Stoffe dafür holt sie sich aus aller Welt. Sie hält einen goldschimmernden, lila Schleier in der Hand. „Den habe ich aus Abu Dhabi mitgebracht.“ Einen anderen aus Ägypten.

Auch ein besticktes mintgrünes Kleid ist dabei, mit vielen Perlen darauf. Das hat Kloss von einer Bekannten, einer Opernsängerin aus der Schweiz. Daneben hängt ein Kostüm, das mit vielen Borden bestickt ist. „Das Nikolausgewand von meinem Neffen haben wir für den Mohr umfunktioniert“, sagt Kloss. Der Mohr kriegt außerdem einen ganz besonderen Kopfschmuck. Eine Krone. Mit ihren Pfaufedern und den Perlen erinnert sie ein wenig an brasilianische Tänzerinnen. „Die Federn zu finden, war gar nicht so einfach“, erinnert sich Kloss.

Die Krone macht einen schweren Eindruck. In Wirklichkeit wiegt sie aber nicht viel. Kloss ist immer darauf bedacht, es den Kindern angenehm zu machen. Deshalb sind die Gewänder auch ziemlich groß, größer, als man es für einen sechsjährigen Bub erwarten würde. „Das muss ja alles über den Anorak und die Schneehose“, sagt die Schneiderin. Die jungen Schauspieler sollen nicht frieren.

Im November holt Kloss alle Kleider, die sie nach dem Krippenspiel ordentlich und sauber verstaut hat, aus dem Schrank. Dann beginnt sie mit den Vorbereitungen. Bevor morgen im Park am Haberer Platz die lebende Krippe gezeigt wird, probieren die sechs Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren ihre Kostüme an. Kloss kennt ihre Vorlieben: „Die mögen es gerne bunt.“ Die Gewänder lassen keinen Wunsch offen.

„In Nacht und Dunkel liegt die Erd“ – unter dem Motto steht heuer das szenische Spiel. Um 16.30 Uhr zieht der Lichterzug vom Weihnachtsmarkt im Klostergelände hinüber zum Waitzingerpark. Und auch wenn es beim Spiel um 17 Uhr schon dunkel sein wird, die Gewänder von Kloss funkeln und glitzern. Prunkvoll eben.

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In unserer Serie „Mein Advent“ öffnen wir bis Heiligabend in jeder Ausgabe ein Türchen und stellen einen besonderen Menschen und sein Engagement für die Gemeinschaft und eine stimmungsvolle Adventszeit vor.

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