Der „Doktor“ im Einsatz: Ratschiller-Mitarbeiter Stefan Bauer leitet eigentlich die Qualitätssicherung. Seit zwei Monaten testet er die Mitarbeiter auf Corona. Das brachte ihm einen Spitznamen – und viel Erfahrung.
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Der „Doktor“ im Einsatz: Ratschiller-Mitarbeiter Stefan Bauer leitet eigentlich die Qualitätssicherung. Seit zwei Monaten testet er die Mitarbeiter auf Corona. Das brachte ihm einen Spitznamen – und viel Erfahrung.

Organisation machbar, aber Kosten bereiten Sorgen

Unternehmen im Landkreis bereit für die Corona-Testpflicht

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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Die Unternehmen im Landkreis werden die Corona-Testpflicht wohl umsetzen können. Dass sie tatsächlich hilft, zeigt das Beispiel Ratschiller. Trotzdem bereiten die Kosten sorgen.

Landkreis – Die Testpflicht für Unternehmen, die ab Mitte kommender Woche gelten soll, kann Stefan Bauer kaum schocken. Der Mann, den viele bei der Holzkirchner Bäckerei Ratschiller „den Doktor“ nennen, testet seit zwei Monaten regelmäßig alle Angestellten des Unternehmens auf Corona. Die Anforderung der Bundesregierung erfüllt er im Alleingang.

Eigentlich leitet Bauer bei Ratschiller die Qualitätssicherung. Nachdem in der Produktion des Unternehmens Ende Februar mehr als 20 Mitarbeiter an Corona erkrankten (wir berichteten), setzte dieses aber ein striktes Testkonzept um. So wurde Bauer zum Meister der Abstriche. Seine Erfahrungen verraten viel darüber, was bald auf die Unternehmen im Landkreis zukommt.

Der Aufwand

Die erste Lehre aus Bauers Einsatz: Schnelltests sind machbar und helfen. Während und nach dem Corona-Ausbruch testete der Betrieb seine Mitarbeiter täglich. Das heißt sieben Tage die Woche – das Unternehmen backt und verkauft auch am Wochenende. Drei Wochen nach dem letzten positiven Abstrich reduzierte Geschäftsführer Bernhard Auracher das Programm auf zwei Test pro Woche: Immer Montag und Donnerstag sucht Bauer seitdem nach Infektionen. Wer an diesen Tagen nicht da ist, kommt Dienstag und Freitag dran.

Damit übererfüllt das Ratschiller-Konzept die Vorgaben der Bundesregierung sogar: Diese verlangt nur bei Mitarbeitern mit häufigem Kundenkontakt zwei wöchentliche Tests. Für alle anderen reicht einer. Trotzdem war der Aufwand machbar, findet Auracher. Auch erfolgreich sei das Konzept gewesen. Einzelne Mitarbeiter hätten sich im privaten Umfeld angesteckt. Dank Tests hätten sie das Virus aber nicht ins Unternehmen getragen.

Die Kostenfrage

Die zweite Lektion des Beispiels Ratschiller: Billig sind die Tests nicht. Auracher hat 1500 Schnelltests gekauft, dafür über 10 000 Euro bezahlt. Hinzu kommt: Bauer streicht pro Tag bis zu 80 Mitarbeiter ab. Das kostet Arbeitszeit und verzögert Abläufe. Auch das geht ins Geld.

Die Kosten sorgen auch Martin Weingärtner, Geschäftsführer des Autohauses Weingärtner in Waakirchen. Er hat 650 Tests bestellt und will am liebsten alle Angestellten zweimal wöchentlich abstreichen. Das würde 4000 Euro im Monat kosten. Bleibt Corona noch ein Jahr, kämen so fast 50 000 Euro zusammen. „Da wäre finanzielle Unterstützung wünschenswert“, sagt Weingärtner in Richtung Bundesregierung. Sein Autohaus falle unter keinen Rettungsschirm. Weniger zu testen sei aber kaum eine Option: „Gelegentliche freiwillige Tests halte ich für nicht zielführend.“

Das Homeoffice

Eine dritte Lektion unserer Nachfrage im Landkreis: Das Homeoffice kann die Belastung der Unternehmen reduzieren. Die Bäckereikette und Weingärtners Autohaus müssen ihre Mitarbeiter fast alle in den Betrieb bestellen, das macht die Tests so teuer; bei Hexal in Holzkirchen ist die Lage etwas entspannter. Laut einem Sprecher arbeiten so viele Angestellte wie möglich im Homeoffice. Für die anderen – ins Unternehmen kommen vor allem Labor- und Produktionsmitarbeiter – bietet Hexal seit einer Woche Selbsttests an. Außendienstmitarbeitern hat das Unternehmen die Schnelltests zugeschickt. Beide Gruppen seien in deren Anwendung geschult worden, sagt der Sprecher. Auch das entspricht den geplanten Vorgaben für Unternehmen ab kommender Woche.

Eine gute Nachricht hat Auracher für alle Unternehmer, die noch ein Testsystem aufbauen müssen: Probleme mit Schnelltests, die fälschlicherweise ein positives Ergebnis ausgaben, obwohl der Mitarbeiter negativ war, hatte er nie. Dafür hat Auracher aber die etwas teureren Tests gekauft. „Das genaue Ergebnis ist es wert.“

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