Landrat Olaf von Löwis, UVM-Vorsitzender Anton Stetter, Christiane Götz-Weimer und UVM-Vize-Vorsitzender Matthias Brandl beim ersten digitalen Unternehmertalk des Unternehmerverbands Miesbach (UVM).
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Angeregte Diskussion: Landrat Olaf von Löwis, UVM-Vorsitzender Anton Stetter, Christiane Götz-Weimer und UVM-Vize-Vorsitzender Matthias Brandl beim ersten digitalen Unternehmertalk des Unternehmerverbands Miesbach (UVM).

Digitaler Talk mit dem Landrat

Unternehmer im Kreis Miesbach: „Debatte nicht weiter aufheizen“

Der Unternehmerverband Landkreis MIesbach wählt einen anderen Weg als der zuletzt in die Kritik geratene Zusammenschluss, der sich beim Dinzler in Irschenberg traf. Der Verband hat seinen Mitgliedern den direkten Austausch mit Landrat Olaf von Löwis ermöglicht. Das hat Verständnis auf beiden Seiten geweckt.

Miesbach/Landkreis – Immer wieder wird Anton Stetter auf die Unternehmerversammlung Ende Februar in der Kaffeerösterei Dinzler in Irschenberg angesprochen. Kein Wunder, mündete das Treffen doch in einem Schlagabtausch mit Landrat Olaf von Löwis, der unter anderem die teilweise Nichteinhaltung der Maskenpflicht bei dem Treffen kritisierte. Der Schlierseer Stetter, Vorsitzender des Unternehmerverbands Miesbach (UVM), will sich dazu nicht öffentlich äußern. „Ich war nicht dabei und auch nicht eingeladen“, sagt er auf Nachfrage unserer Zeitung. Eine klare Abgrenzung von dem beim UVM-Mitgliedsbetrieb Dinzler entstandenen „Zusammenschluss freier mittelständischer Unternehmen“ ist dem UVM-Chef aber wichtig.

Stetter hält sich mit Kritik an Dinzler-Veranstaltung zurück

Tatsächlich nämlich hat der etablierte Unternehmerverband einen anderen Weg eingeschlagen, um die Sorgen und Nöte seiner Mitglieder durch die coronabedingten Beschränkungen an die Politik zu adressieren: den ersten digitalen Unternehmertalk. Eine Online-Diskussion, bei der die UVM-Mitglieder ihre Fragen und Kritik direkt mit Landrat Löwis und dem Leiter des Gesundheitsamtes, Severin Eichenseher, besprechen konnten.

UVM-Vorsitzender „Debatte nicht zusätzlich aufheizen“

Ziel des parteipolitisch neutralen UVM sei es, Verantwortung zu übernehmen und sich für den Wirtschaftsstandort Landkreis Miesbach einzusetzen, erklärt Stetter. „Unsere unternehmerische Verantwortung liegt dementsprechend nicht darin, eine ohnehin schon schwierige Debatte zusätzlich aufzuheizen und Stimmung zu machen, sondern innerhalb des schmalen Streifens des überhaupt Möglichen zu agieren.“ Die Moderation der Diskussion über das Online-Konferenz-Programm Zoom übernahm Vorstandsmitglied und Verlegerin Christiane Goetz-Weimer. „Wir haben die Bühne zum direkten Austausch geschaffen, damit nicht immer nur über-, sondern miteinander geredet wird.“.

An Themen mangelte es wahrlich nicht, berichtet Stetter. Zwar hätten die Unternehmer nach wie vor Verständnis für die Notwendigkeit des Infektionsschutzes, die daraus je nach Branche oft stark unterschiedlichen Regeln könnten aber einige nicht mehr nachvollziehen. Beispielsweise, warum Ferienwohnungen nicht Gäste aus einem Hausstand empfangen dürften. Oder warum die Tegernsee Arkaden öffnen dürfen, der Modeladen gegenüber aber nicht. „Und Aldi verkauft dafür Kleidung und Schuhe“, sagt Stetter.

Krankenhaus von der Pandemie gleich doppelt betroffen

Der Landrat habe den Unternehmern deutlich gemacht, dass auch er nicht mit allen Punkten einverstanden sei. Dennoch sei die Behörde verpflichtet, die Maßnahmen vor Ort umzusetzen. Löwis habe aber auch berichtet, dass sich rund die Hälfte der Bürger sogar noch strengere Regeln wünschen würden. Das Krankenhaus Agatharied sei sogar doppelt von der Pandemie betroffen, schilderte der kaufmännische Direktor der Klinik, Michael Guggemoos. Einerseits müsse man das Virus bekämpfen, andererseits leide man wirtschaftlich an den wegen der strengen Hygienevorgaben reduzierten Bettenzahl.

Die Regel mögen einem nicht passen, einhalten muss man sie trotzdem

Diese Berichte hätten den Unternehmern geholfen, ein besseres Bild der Lage zu bekommen, resümiert Stetter. „Allein das tut in der aktuellen Situation schon sehr gut.“ Eins ist ihm besonders wichtig: Man dürfe die Sinnhaftigkeit von Regeln kritisieren. Einhalten müsse man sie trotzdem. „Dazu sind wir gegenüber unseren Mitarbeitern und Kunden verpflichtet“, betont der UVM-Vorsitzende. Man habe der Politik aber auch die Warnung mitgegeben, dass sich der Wind langsam drehe. „Das Murren wird größer.“

Unternehmer hoffen auf Schnelltests als Perspektive für Gastronomie und Tourismus

Als Wunsch gaben die Unternehmer Löwis mit, sich noch stärker für eine baldige Verfügbarkeit von Schnelltests einzusetzen. Gerade diese könnten helfen, Gastronomie und Tourismus eine Öffnungsperspektive zu geben. Ferner sei es wichtig, dass sich die Politiker nicht nur von Virologen, sondern auch von Wirtschafts- und Marketingexperten beraten lassen. „Oft scheitert es schon an der Kommunikation“, ist Stetter überzeugt.

Der Landrat versprach, sich für die Wünsche der Unternehmer einzusetzen. „Ich trage Ihre Anliegen bis ins Kanzleramt.“ In dessen Umfeld will auch der UVM-Vorsitzende anklopfen. Er plant bereits den nächsten digitalen Unternehmertalk, diesmal mit dem CSU-Bundestagsabgeordneten Alexander Radwan.

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