1. Startseite
  2. Lokales
  3. Miesbach
  4. Miesbach

Unwetter durch Starkregen: Noch keine Entwarnung für Landkreis Miesbach

Erstellt:

Von: Sebastian Grauvogl

Kommentare

Wetterumschwung in Wilparting
Ruhe vor dem Regenschwall? Dunkle Wolken ziehen über die Kirche von Wilparting vor der Kulisse des Mangfallgebirges. Trotz Starkregenwarnung blieb es im Landkreis Miesbach bis Freitagabend weitgehend trocken. © Uwe Lein

Die Warnungen der Wetterdienste lassen Schlimmes befürchten. Doch bis Freitagabend blieb der Landkreis vom Starkregen verschont. Für Entwarnung ist es aber noch zu früh.

Update Freitag, 19. August, 17.30 Uhr:

Im Auge von Unwettertief Karin befand sich der Landkreis Miesbach am Freitag. Was zunächst dramatisch klingt, bedeutete aber (ähnlich wie bei einem Hurrikane) genau das Gegenteil: Ruhe. Während es an der Westseite des Tiefs (Allgäu, Bodensee,...) wie aus Eimern schüttete und an der Ostseite (Berchtesgadener Land,...) im Laufe des Tages vermehrt heftige Gewitter entstanden, blieb es im Zentrum bis auf wenige Tropfen bei einem munteren Wechsel aus Sonne und Wolken. Endgültige Entwarnung wollten die Experten bis Redaktionsschluss am Freitagabend allerdings noch nicht geben.

Das Landratsamt jedenfalls rief am Nachmittag noch die Bürger dazu auf, „vorsorglich geeignete Maßnahmen zur Sicherung von Gebäuden (zum Beispiel Keller) und Gärten vorzunehmen und sich bei einem Unwetter nicht in Gefahr zu begeben“. Außerdem bitte die untere Katastrophenschutzbehörde immer darum, auf ältere, alleinstehende oder unterstützungsbedürftige Personen in der Umgebung zu achten und diese bei einer möglichen Sicherung unterstützen.

DWD reduziert Regenmengen leicht

Ein erstes Signal, dass der Landkreis Miesbach von größerem Starkregen samt Hochwasser und Sturzfluten verschont bleiben könnte, gab der Deutsche Wetterdienst (DWD). Er stufte die am Donnerstagabend ausgegebene Warnung vor „extrem ergiebigem Dauerregen“ mit 80 bis 140 Liter pro Quadratmeter auf 40 bis 70 Liter zurück. Auch der Hochwassernachrichtendienst (HND) Bayern beließ es vorerst bei einer Vorwarnung für den Landkreis Miesbach. „Aktuelle Berechnungen ergeben im Mangfalleinzugsgebiet keine Überschreitungen von Meldestufen.“ Sollte es doch noch lokal zu extremen Niederschlagsintensitäten kommen, seien „insbesondere an den Wildbächen sturzflutartige Ereignisse nicht ausgeschlossen“.

Zumindest einst ließ sich am Freitag relativ sicher aus den Wettermodellen ableiten: Ab Samstagmittag soll die Unwetterlage enden und nach letzten Regenfällen das zurückkehren, was den Landkreis seit Wochen im Griff hält: trockene Sommerwärme.

Erstmeldung Donnerstag, 18. August, 18 Uhr:

Landkreis – Der Hochwassernachrichtendienst Bayern hat am Donnerstag bereits Warnungen für den Nachbarlandkreis Bad Tölz-Wolfratshausen herausgegeben. Der Landkreis Miesbach könnte im Lauf des Freitags folgen, teilte Andreas Holderer, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamts in Rosenheim, gestern auf Nachfrage mit. Ob dies die Trockenheit nachhaltig entschärft, bezweifle er aber.

Historische Ausmaße hat die Dürreperiode im Landkreis Miesbach derweil noch nicht angenommen, erklärt Holderer. Noch sei die Lage mit den Jahren 2018, 2015 und 2003 vergleichbar. Die Auswirkungen seien je nach Ort unterschiedlich stark zu spüren. Während die Mangfall noch ausreichend vom Reservoir des Tegernsee gespeist werde, seien die Pegel anderer Flüsse und vor allem Bäche schon sehr niedrig.

Der Deutsche Wetterdienst warnt für den gesamten Landkreis Miesbach vor extremen Unwettern durch Dauerregen
Der Deutsche Wetterdienst warnt für den gesamten Landkreis Miesbach vor extremen Unwettern durch Dauerregen (Farbe Violett). © Screenshot DWD.de

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s auch in unserem regelmäßigen Miesbach-Newsletter.

Dürre im Landkreis Miesbach: Noch keine Erklärung für schwankenden Schlierachpegel

Als Beispiel nennt Holderer die Schlierach in Miesbach, wobei hier in den vergangenen Tagen ein (noch) unerklärbares Phänomen zu beobachten war. Nachts stieg die Abflussmenge fast schon sprunghaft an, bevor sie tagsüber wieder stark zurückging. Eine natürliche Ursache scheidet laut Holderer aus: „Es hat ja nicht geregnet.“ Technische Anlagen, die einen (ohnehin nicht zulässigen) Schwallbetrieb erzeugen, seien ihm ebenfalls nicht bekannt. Eher sehe es danach aus, als ob jemand tagsüber Wasser aus dem Fluss pumpe, um damit seinen Garten zu bewässern oder sein privates Schwimmbecken zu befüllen, vermutet Holderer.

Rauf und runter bewegte sich die Abflussmenge der Schlierach in Miesbach in den vergangenen Tagen. Und das, obwohl es nicht geregnet hat. Das Wasserwirtschaftsamt sucht noch nach einer Erklärung.
Rauf und runter bewegte sich die Abflussmenge der Schlierach in Miesbach in den vergangenen Tagen. Und das, obwohl es nicht geregnet hat. Das Wasserwirtschaftsamt sucht noch nach einer Erklärung. Grafik: HND BAYERN © HND BAYERN

Der Vize-Chef des Wasserwirtschaftsamts bittet in diesem Zusammenhang eindringlich alle Bürger, den natürlichen Gewässern während der Trockenperiode kein Wasser zu entziehen. Da sich die Flüsse und Bäche dadurch noch stärker aufheizen könnten, sinke der Sauerstoffgehalt, wodurch Fische noch schneller verenden würden. „Forellen kochen dann fast“, warnt Holderer.

Landkreis Miesbach: DWD warnt vor extrem ergiebigem Dauerregen

Abkühlung in Form von Regen ist aber in Sicht. So hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Donnerstag eine Unwetterwarnung vor „extrem ergiebigem Dauerregen“ herausgegeben. Für den Landkreis Miesbach werden bis Samstagfrüh zwischen 80 und 140 Liter pro Quadratmeter erwartet. Müssen sich die Menschen also auf eine Katastrophe wie 2013 einstellen?

Nein, meint Holderer. Wegen der wochenlangen Trockenheit liege die Gefahr diesmal nicht in den Flusspegeln, sondern vielmehr in punktuellen Sturzfluten. Diese könnten entstehen, weil die Böden örtlich hart wie Beton seien und deshalb kaum Wasser aufnehmen könnten. Vor allem nicht derart große Mengen in so kurzer Zeit.

Mit einer nachhaltigen Entspannung der Trockenheit rechnet Holderer daher nicht. Dafür bräuchte es wohl vier Wochen mäßigen Dauerregen mit einem langsamen Aufbau des Grundwasserspiegels. sg

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Miesbach und der Tegernsee-Region finden Sie auf Merkur.de/Miesbach.

Auch interessant

Kommentare