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Veranstaltungszentrum mitten in der Stadt: Rundgang durchs neue Pfarrheim Miesbach

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Von: Sebastian Grauvogl

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Neues Pfarrheim Miesbach
Vorfreude im (noch) leeren Saal: Kirchenpfleger Siegfried Rummel und Pastoralreferentin Kathrin Baumann können sich die neuen Räume schon gut vorstellen. © Thomas Plettenberg

Die Einweihung ist noch ein Dreivierteljahr entfernt. Doch bereits jetzt lässt sich auf der Baustelle des Miesbacher Pfarrheims gut erkennen, was hier entstehen soll. Ein Rundgang.

Miesbach – Kirchenpfleger Siegfried Rummel klatscht kräftig in die Hände. Es schnalzt – aber nur einmal. Das im leeren Treppenhaus erwartete Echo bleibt aus. Rummel zeigt nach oben zur von Löchern durchsiebten Gipsdecke. „Die schluckt den Schall.“ Entscheidend in einem Gebäude, das fast vollständig aus Beton gegossen wurde und bis zu acht Veranstaltungen gleichzeitig Raum bieten soll – ohne dass diese sich akustisch in die Quere kommen.

Aktuell hallen noch andere Töne durch das neue katholische Pfarrheim an der Kolpingstraße in Miesbach. Die Bauarbeiten sind in vollem Gange. Beim Rundgang, den Rummel und Pastoralreferentin Kathrin Baumann für unsere Zeitung unternehmen, spielt lärmtechnisch der Betonschneider am Eingang die erste Geige. „Der Ausschnitt in der Wand muss vergrößert werden, sonst passt die Tür nicht rein“, schreit Rummel gegen das (trotz löchriger Gipsdecke) ohrenbetäubende Gekreische an.

Baumann zeigt auf die Längsseite des vom dichten Staub eingehüllten Foyers. Hier soll später eine lange Sitzbank stehen. „Für ein angenehmes Ankommen.“ An selber Stelle, allerdings zwei Etagen oberhalb, ist eine kleine Lounge mit unverbautem Blick zur Gindelalm vorgesehen. Der Aufzug daneben sichert die Barrierefreiheit, soll laut Baumann aber nur von Rollstuhlfahrern oder anderen Menschen mit Mobilitätseinschränkungen genutzt werden. „Drum fährt er auch so langsam.“

Neues Pfarrheim Miesbach
Bald fertig: der Aufzug neben dem Eingangsportal im Erdgeschoss. © Thomas Plettenberg

Bis die ersten Besucher das Gebäude mit seinen gut 600 Quadratmetern Nutzfläche betreten, dauert es ohnehin noch. Anders als zum Beginn des Abrisses im März 2020 geplant, soll das neue Pfarrheim erst Anfang 2023 eingeweiht werden. Die Geduld bringt die Pfarrei gerne auf, schließlich ist ihr Neubau angesichts der jüngsten Preissteigerungen im Bausektor wohl bis auf Weiteres einer der letzten in dieser Dimension. Knapp sieben Millionen Euro investiert das Erzbischöfliche Ordinariat in Miesbach. Die Pfarrgemeinde musste nur einen vergleichsweise niedrigen Eigenanteil von 270 000 Euro leisten. Für Baumann ein Zeichen, dass die Kirchensteuereinnahmen durchaus in konkrete Projekte vor Ort fließen würden. Die dann nicht nur der Pfarrei, sondern auch anderen Nutzern offenstehen.

Architektur

Offenheit lautet auch das Motto der Architektur des Pfarrheims. „Es ist so wunderbar hell“, schwärmt Baumann. Und das schon jetzt, wo statt Lampen noch lange Kabel von der Decke baumeln und die Fensterscheiben mit milchigen Planen zugeklebt sind. Die Fensterrahmen bestehen – anders als die Parkettböden – nicht aus Eichen-, sondern aus (günstigerem) Fichtenholz. Schade, aber irgendwo habe man ja sparen müssen, meint Baumann. Dafür sind sämtliche Gänge mit Gestein aus Fränkischem Jura gefliest. Sogar vor den Fensterfronten der Westfassade haben die Arbeiter einige Platten angebracht. „Zur optischen Gliederung“, erklärt Baumann.

Räume und Saal

Funktional aufgeteilt sind derweil die Räume im neuen Pfarrheim, für die der Pfarrgemeinderat bereits passende Namen vergeben hat. Vorhänge aus rostrotem Filz sollen laut Baumann das in Weiß-, Grau- und Holztönen sonst eher neutral gehaltene Farbschema ein bisschen gemütlicher machen. Herzstück ist der 160 Quadratmeter große Saal im ersten Obergeschoss. Dank in Schienen an der Decke verankerter Schiebelemente lässt sich dieser in die zwei (ebenfalls akustisch komplett voneinander abgekoppelten) Bereiche Maria und Josef teilen. Mit einem ausfahrbaren Beamer, einem mit leinwandähnlicher Farbe gestrichener Projektionsbereich sowie (auf Wunsch der Jugendgruppen installierten) Metallschienen für Scheinwerfer ist für modernste Veranstaltungstechnik gesorgt. Durch die breiten Türen des Saals lasse sich bei Empfängen auch das Foyer einbinden, erklärt Baumann. Für die Verpflegung steht eine voll ausgestattete Küche zur Verfügung.

Über jeweils eine kleinere Küchenzeile verfügen auch das zweite Obergeschoss mit den drei Gruppenräumen Kolping, Franziskus und Laurentius samt Zugang zur begrünten Balkonterrasse sowie der Jugendraum Korbinian mit separatem Eingang im Erdgeschoss. Dort finden sich auch der Meditationsraum Magdalena (unter anderem nutzbar für Kleinkindgruppen) sowie der Probenraum Cäcilia für die Chöre der Pfarrgemeinde. Letzterer würde über keine schallstreuende Decke verfügen, sagt Rummel. Kirchenmusiker Michael Hamberger habe sich lieber für Stoffvorhänge entschieden, um die Akustik flexibler regeln zu können.

Technik und Garten

Das Raumklima regeln indes eine Lüftungsanlage und die im Technikraum im Erdgeschoss untergebrachte Pelletsheizung. Ausreichend Frischluft steht auf der großen Gartenterrasse zur Verfügung. Diese dürfen laut Baumann auch die Kinder des benachbarten Pfarrkindergartens zum Toben nutzen. Quasi exklusiv zur Verfügung steht ihnen der neue Bewegungsraum, der im Zuge der Arbeiten gleich mit errichtet wurde, aber baulich nicht ans Pfarrheim angebunden ist.

Neues Pfarrheim Miesbach
Noch eingerüstet: die Ostfassade des neuen Pfarrheims mit der weitläufigen Terrasse. © Thomas Plettenberg

Letzteres soll dafür voll ins gesellschaftliche Miteinander in der Kreisstadt eingebunden werden. So soll es nicht nur kirchlichen Gruppen, sondern auch für Kultur oder Feiern offenstehen. Ein besonderer Schwerpunkt soll laut Baumann – passend zu Kindergarten, Krippe und Hort in unmittelbarer Nachbarschaft – auf Familien liegen. Und so hofft auch Rummel, dass nach der Eröffnung möglichst viel Leben ins Pfarrheim einzieht: „Dafür wurde es gebaut.“

Johanna Siegl und Maren Grauvogl

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