Auftritte wie das Herbstkonzert des Chor- und Orchestervereins Miesbach in der Aula des Gymnasiums ist heuer wegen Corona nicht möglich. Foto: Ralf Poeplau
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Auftritte wie das Herbstkonzert des Chor- und Orchestervereins Miesbach in der Aula des Gymnasiums ist heuer wegen Corona nicht möglich.

Kulturvision zum Corona-Lockdown

Verein schreibt offenen Brief an Ministerpräsident Söder: „Setzen Sie ein Zeichen für die Kultur!“

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Der Verein Kulturvision, der sich als Plattform des kulturellen Lebens im Landkreis Miesbach versteht, hat Ministerpräsident Markus Söder in einem offenen Brief aufgefordert, bei den Corona-Maßnahmen mehr Verantwortung auf lokaler Ebene zuzulassen.

Landkreis – Ziel müsse es sein, im Rahmen der allgemeinen Bedingungen „die Möglichkeit zu schaffen, individuell auf die konkreten Gegebenheiten Rücksicht zu nehmen und individuell auf der Gemeinde- oder Landkreisebene Entscheidungen treffen zu können“. Er solle ein Zeichen für die Kulturschaffenden setzen.

Als Folge von mehr lokaler Verantwortung sehen Vorsitzende Ines Wagner, ihre Stellvertreterin Rebecca Köhl, Kulturvision-Redaktionsleiterin Monika Ziegler, Beirat Michael Pelzer, Ingrid Huber (Geschäftsführerin Kultur im Oberbräu Holzkirchen) und Miesbachs Kulturamtsleiterin Isabella Krobisch, die den Brief unterzeichnet haben, mehr Akzeptanz. Die Prüfung vor Ort, ob eine Kultureinrichtung oder -veranstaltung aufgrund ihrer konkreten Bedingungen und Hygienekonzepten aus dem Verbot herausgenommen werden könne, würde zudem die Bereitschaft, sich kreativ an Vorsichtsmaßnahmen zu beteiligen, verstärken.

Zu viele individuelle Unterschiede

Die Unterzeichner, die zuvor ein Gespräch mit Landrat Olaf von Löwis geführt hatten, gehen zudem davon aus, dass Maßnahmen generell von möglichst vielen Menschen mitgetragen werden müssen, um Erfolg zeigen zu können. Dies sei gerade in der Kultur nicht der Fall, weil pauschale Regelungen die individuellen Unterschiede nicht regeln könnten.

„Herber Schlag für die gesamte Szene“

Aus Vereinssicht gebe es einige Ungleichbehandlungen: beispielsweise kein Abstand in Zügen und Flugzeugen, aber leere Theatersäle. Gaststätten, in denen alle Maßnahmen funktionieren, und andere, wo es aufgrund objektiver Gegebenheiten nicht klappt. Veranstaltungen, bei denen Risiken minimiert werden können, und andere, wo es nicht so gut geht. Zudem lasse sich die Kultur nicht komplett als Freizeitbereich deklarieren. Denn dies stimme nur für die Zuschauer und Zuhörer, nicht aber für die Akteure, die davon ihren Lebensunterhalt bestreiten müssten.

Die Unterzeichner betonen, dass zur Bildung nicht nur Wissensvermittlung gehöre, sondern auch Bewegung und Kultur. „Kultur trägt maßgebend zur Resilienz der Menschen in Krisenzeiten bei“, heißt es im Brief an Söder. Auch bedeute Gleichbehandlung, „Gleiches gleich und Ungleiches ungleich zu behandeln“. Die Kultur sei der Corona-Krise zum Opfer gefallen. Keine Auftritte, das sei „ein herber Schlag für die gesamte Szene“.

ddy

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