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Route ohne Anschluss: Der neue Radweg an der B 472 in Schwaig bei Irschenberg hängt derzeit in der Luft. Bei weitem nicht das einzige Beispiel im Landkreis, wie das Strukturgutachten ergeben hat. 

Strukturgutachten vorgestellt

Verkehrsengpässe im Landkreis: Das raten die Experten

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Vom Gefühl her ist die Sache klar: Der Landkreis Miesbach ächzt unter dem Verkehr – und es wird immer schlimmer. Doch lässt sich das auch mit Fakten belegen? Und gibt es Auswege?

Landkreis – 440 000 Menschen leben in der Planungsregion Oberland, zu der neben Miesbach auch die Kreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau gehören. In zehn Jahren werden es 24 000 mehr sein – mit den größten Zuwächsen in Miesbach und Tölz. Das geht aus dem Strukturgutachten hervor, das die Experten der MVV Consulting GmbH und der Schlothauer & Wauer Ingenieursgesellschaft für Straßenverkehr im Auftrag des Planungsverbands Oberland erstellt und nun im Kreisausschuss erstmals öffentlich vorgestellt haben. Die zentrale Fragestellung: Wie muss eine regionale Verkehrsentwicklung aussehen, damit der Landkreis nicht unter dem weiteren Wachstumsschub kollabiert?

Straßen

-So sieht es aus: Die notorischen Staufallen sind hinreichend bekannt. Vor allem im Berufs- und Ausflugsverkehr geht auf der A 8 und auf den Bundesstraßen 307 zwischen Miesbach und Schliersee sowie 318 von Holzkirchen bis ins Tegernseer Tal nichts mehr.

-Das wird passieren: Selbst wenn die im Bundesverkehrswegeplan aufgenommenen Ausbauprojekte verwirklicht werden und die A 8 vierstreifig wird, bedeutet das nicht automatisch eine Entlastung, erklärte Ulrich Glöckl vom Büro Schlothauer & Wauer. „Die Engpässe wandern.“ Heißt: Sollte beispielsweise eine Ortsumfahrung von Gmund gebaut werden, staut es sich dafür auf der Kreuzstraße oder in Bad Wiessee. Zumal ein Ausbau gar nicht überall möglich sei, wie etwa zwischen Miesbach und Schliersee. Hier rechnet Glöckl mit einer „dauerhaften Verschlechterung“ der Verkehrssituation.

-Das raten die Experten: Wo Laien an Ausweichrouten denken, empfehlen die Fachplaner genau das Gegenteil: „Schleichverkehr vermeiden und lieber in die Hauptachsen investieren“, sagte Glöckl. Für eine Entlastung könnten (E-)Carsharing-Angebote oder Pendlerparkplätze sorgen. Um die Anwohner besser zu schützen, könne man über mehr Tempo-Limits mit stationären Blitzern sowie über Gewichtsbeschränkungen nachdenken. Robert Wiechmann (Grüne) blieb skeptisch. „Die Gemeinden beißen da bei den Straßenbauämtern oft auf Granit.“

Auf jeden Fall wehren sollten sich die Gemeinden gegen Abstufungen von Bundes- zu Staatsstraßen, riet Glöckl. Dies würde vor der Maut flüchtende Lkw anziehen. Otterfings Bürgermeister Jakob Eglseder (CSU) war anderer Meinung: Seine Gemeinde habe die durch die Abstufung gewonnenen Freiheiten zur Verkehrsberuhigung im Ort genutzt. „Jetzt sind wir unattraktiver für Navigationssysteme.“

Schienen

-So sieht es aus: Das Gleisnetz im Landkreis ist auf den Nord-Süd-Verkehr ausgerichtet. Vor allem im südlichen Landkreis fehlen Begegnungsstellen und damit die Möglichkeiten für einen höheren Takt im Fahrplan. Mangels Stellplätzen für Autos und Fahrräder an den Bahnhöfen sei der Zug für viele Bürger nicht attraktiv, so Glöckl. Auch die Busanbindung reiche „auf der letzten Meile“ oft nicht aus.

-Das wird passieren: Wenn sich Status quo Quo nichts ändert, erst mal nicht viel. Sollten die Elektrifizierung der Bahnstrecken und der Halbstundentakt aber tatsächlich kommen, könnten Berufspendler leichter auf ihr Auto verzichten.

-Das raten die Experten: Neben einer Verbesserung genannter Mängel lohne es sich auch, über eine Verlängerung der Bahnsteige für größere Zuggarnituren nachzudenken, so Glöckl. Sollte es der Fahrplan erlauben, könnten zusätzliche Haltepunkte weitere Siedlungen anbinden.

Buslinien

-So sieht es aus: Gut für Urlauber und Schüler, mau für Berufspendler: Beim Busangebot im Landkreis sehen die Experten noch viel Luft nach oben. Vor allem die Ost-West-Verbindungen seien ausbaufähig, ebenso der Takt zu den klassischen Pendlerzeiten. Auch öffentliche Einrichtungen wie das Krankenhaus seien nur eingeschränkt per Bus erreichbar.

-Das wird passieren: Auch hier wird sich von alleine nicht viel tun. Positiv bewerten die Planer aber den politischen Willen zum sogenannten Alpenbus. In drei bis vier Jahren soll die Expressverbindung durch die Alpenlandkreise in Betrieb gehen (wir berichteten). Laut Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) ist ein Stundentakt von 6 bis 22 Uhr angedacht. „Damit hätten wir viel erreicht.“

-Das raten die Experten: Hier gibt es einen ganzen Katalog an Empfehlungen. Wichtig seien vor allem ein Ausbau der Hauptäste im Netz und eine bessere Verbindung der einzelnen Täler. Ferner raten die Planer zu einem einheitlichen Ticket- und Tarifsystem sowie zu einer Verbesserung des Online-Angebots.

Radwege

-So sieht es aus: Das Urteil klingt vernichtend. „Da passt vieles nicht zusammen“, sagte Glöckl über das Radwegenetz im Landkreis. Nicht selten würden Strecken ohne Anschluss an einer Gemeindegrenze enden oder seien nicht für Alltagsradler geeignet. „Da wurde viel aneinander vorbeigeplant“, kritisierte Glöckl.

-Das wird passieren: Die Pläne für ein gemeindeübergreifendes Radwegenetz stecken noch in den Kinderschuhen. Nicht alle Trassen lassen sich ohne Weiteres verwirklichen. Zumindest die bereits angestoßene, einheitliche Beschilderung dürfte das Radeln im Landkreis attraktiver machen.

-Das raten die Experten: Der Aufbau eines lückenlosen Streckennetzes für Alltagsradler sollte höchste Priorität genießen. Radschnellwege könnten vor allem Berufspendlern und E-Bikern entgegenkommen.

Baugebiete

-So sieht es aus: Das Luftbild zeigt es klar: Wohn- und Gewerbegebiete kleben im Landkreis fast ausschließlich an den großen Straßen. Mit der Folge, dass ein Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel meist vernachlässigt wurde.

-Das wird passieren: Der Siedlungsdruck wird durch den zu erwartenden Zuzug weiter wachsen. Eine Konzentration auf bestimmte Zentren sehen die Experten nicht, womit das Problem der Verkehrserschließung unverändert bestehen bleibt.

-Das raten die Experten: „Sie sollten für die Zukunft achtsam sein“, sagte Glöckl in Richtung der Kommunalpolitik. Die Innenentwicklung müsse Vorrang genießen, die Anbindung an Bus und Bahn bei der Ausweisung von Wohn- und vor allem von Gewerbegebieten berücksichtigt werden. Auch hier riet Glöckl zu einer gemeindeübergreifenden Planung. Auch die Firmen sollten ihren Mitarbeitern unter dem Schlagwort „betriebliches Mobilitätsmanagement“ Alternativen zum Auto aufzeigen.

Wie geht es weiter?

Einen bindenden Charakter für den Kreistag haben die Ergebnisse des Strukturgutachtens nicht. Es handle sich lediglich um eine Grundlage für den neuen Nahverkehrsplan sowie für die Fortschreibung des Regionalplans, erklärte Landrat Rzehak. Und Glöckl ergänzte in Richtung der Kreisräte: „Sie haben es in der Hand, was Sie umsetzen.“

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