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Figuren und Bewegungen im fließenden Wechsel – die fünf Frauen und drei Männer von Catapult Entertainment brauchen keine Worte, um menschliche Gefühle lebendig werden zu lassen.

Schattentheater

Verwandlungskünstler in Schwarz-Weiß

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Miesbach - Schattenspiele kennt jedes Kind. Doch das, was die Akrobaten von Amazing Shadows jetzt im Waitzinger Keller in Miesbach auf die Leinwand gezaubert haben, war eine perfekt choreografierte Show in Schwarz und Weiß.

Auch der Klassiker aller Schattenspiele ist dabei. Eine menschliche Hand formt einen Vogelschnabel. Ein Kinderspiel. Einfach, aber immer wieder schön. Doch dafür gleich Szenenapplaus im vollbesetzten Waitzinger Keller in Miesbach? Oh ja.

Denn die schwarzen Körper, die jetzt als Strauße auf der von hinten beleuchteten Leinwand herumstolzieren, waren Sekunden vorher noch in einem riesigen Baum vereint – mit Blättern aus Händen. Nur, um sich danach in zwei große Teddybären zu verwandeln, die ins Publikum winken. Oder in einen Büffel im Wilden Westen. Oder in die Kuppeln einer Moschee.

Es ist dieser fließende Wechsel aus Bildern, Bewegungen und Figuren, der das Schattentheater der acht Akrobaten der US-amerikanischen Gruppe Catapult Entertainment so faszinierend macht. Wie in einem Diorama klappen die Kulissen auf und zu. Eine Hausfrau, die eben noch in der Küche ihren Ehemann bekocht, bricht kurz darauf in ihrem Doppelleben als Geheimagentin mit Seil und Enterhaken aus einem Gefängnis aus. Da braucht es keine epische Handlung wie in Kinofilmen, keine Spezialeffekte und keine Stunts.

Ja, nicht mal Farben oder die dritte Dimension. All das entsteht im Auge und mit der Fantasie des Betrachters – unterstützt von der dazu passenden Musik aus den Lautsprechern und den Tricks der drei Männer und fünf Frauen hinter der mit szenischen Projektionen angestrahlten Leinwand.

So wachsen die hänselnden Mitschüler aus der Sicht eines kleinen Mädchens zu einem gigantischen Drachen heran, und die Plakate und Fahnen der Demonstranten vor der Berliner Mauer lassen die bewaffneten Soldaten wie eine Spielzeugarmee aussehen. Eine faszinierende und durchaus berührende Art und Weise, ernste und bisweilen tragische Ereignisse zu veranschaulichen.

Auch an den Amoklauf an einer Schule in den USA wagt sich das Ensemble heran. Anstatt die sinnlose Gewalt in einem Scherenschnitt zu verewigen, schenkt Amazing Shadows den gestorbenen Kindern ihr verpasstes Leben zurück. Da formen die Darsteller nur mit ihren Körpern eine Sandburg, ein Fahrrad, ein Auto und eine Kirche, in der sich ein junges Paar das Ja-Wort gibt. Und schließlich verwandelt sich das Wuschel-Haar der Frau in die Krone eines Laubbaums, an der das gemeinsame Kind schaukelt.

Die Schaukel ist eine der wenigen Requisiten von Amazing Shadows. Im Mittelpunkt steht die Verwandlungskunst der Darsteller – beziehungsweise ihrer Schatten. Unweigerlich tauchen beim Zuschauen Fragen auf: Wie machen die das nur? Ist das nicht doch alles nur ein Film? Da ist es fast beruhigend, dass man in den vorderen Reihen bisweilen das Trappeln der hin und her laufenden Akrobaten hört.

Die Gesichter zu den Schritten zeigen sich erst am Schluss vor der Leinwand. Acht junge, durchtrainierte Künstler, nur mit Unterwäsche bekleidet. Die Verbeugung übernehmen dann erneut ihre Schatten. Und schon stehen sie wieder da, die stolzen Strauße. Mit einer Hand als Federbausch und einer als Schnabel. Faszinierend.

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