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35 Prozent davon gehen auf die Miesbacher Grundschule: Kind mit Migrationshintergrund. 

Bisher gab‘s das nur an Mittelschulen

Viele Migranten: Erste Grundschule bekommt Jugendsozialarbeiter

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35 Prozent – so hoch ist der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund an der Miesbacher Grundschule. Jetzt soll dort eine Stelle für Jugendsozialarbeit geschaffen werden.

Landkreis – Die Stelle soll kommen - sofern Ende April auch der Kreistag zustimmt, wird der Landkreis diesen Posten mit knapp 8200 Euro mitfinanzieren. „Praxiserfahrungen zeigen, dass Jugendsozialarbeit an Schulen dazu beitragen kann, Aggressionen und Gewalt an Schulen abzubauen, auf die Bewältigung von Problemen der Schüler in schwierigen Lebens- und Konfliktsituationen hinzuwirken und bei Schulversagen und Schulverweigerung tätig zu werden“, heißt es in der vom Jugendamt erstellten Sitzungsvorlage für den Kreisausschuss. An der Notwendigkeit von Jugendsozialarbeit hatten die Kreisräte in der Sitzung keinen Zweifel. Sehr wohl tauchte aber von mehreren Seiten die Frage auf, warum der Landkreis eine Maßnahme an einer Grundschule bezuschussen sollte. Bekanntermaßen liegt die Trägerschaft bei der jeweiligen Kommune.

„Auch wenn es eigentlich eine staatliche Aufgabe ist, liegt die Gesamtverantwortung für diesen Bereich doch beim Jugendamt“, sagte Anna Lösch, Abteilungsleiterin für Soziales und Gesundheit am Landratsamt. Das Programm Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) sei die intensivste Form der Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule unter Federführung des Jugendamts. Die Förderung greife dann, wenn der Migrantenanteil an einer Schule bei über 20 Prozent liegt. An fünf Mittelschulen im Landkreis gibt es die Jugendsozialarbeit bereits, Miesbach wäre die erste Grundschule.

„Mir fehlt da die unterstützende Funktion des Sachaufwandsträgers“, kritisierte Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner (CSU). Dann aber stellte sich heraus, dass sich die Stadt Miesbach durchaus an der Finanzierung der Stelle beteiligt. Sie umfasst 20 Wochenstunden, die Gesamtkosten betragen rund 34.000 Euro. Je 8200 Euro entfallen auf Freistaat und Landkreis, 2700 Euro auf den Träger – in diesem Fall die Diakonie – und die restlichen rund 15.000 Euro auf die Kommune. „Bei einem so hohen Migrationsanteil ist diese Stelle dringend notwendig“, bat Miesbachs Vizebürgermeister Paul Fertl (SPD) um Unterstützung.

Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) merkte an, dass sich der Landkreis gar nicht aus der Verantwortung stehlen könne. Wird ein Migrantenanteil von über 20 Prozent und damit der Bedarf an Jugendsozialarbeit festgestellt, sei er zur Zahlung verpflichtet. Das aktuelle Programm läuft laut Lösch vorerst bis 2019. Die Befürchtung Lechners, dass auf unbegrenzte Zeit eine Stelle finanziert wird, die man eines Tages möglicherweise gar nicht mehr benötige, teilte die Verwaltung nicht. „Wenn der Bedarf fehlt und der Staat nicht mehr mitzahlt, sind auch wir raus“, stellte Kreiskämmerer Gerhard de Biasio klar.

Elisabeth Janner (Grüne) bat darum, das Thema Migration von mehreren Seiten anzugehen. Jugendsozialarbeit sei nur ein Aspekt. „Man sollte darauf achten“, sagte sie, „dass gerade in Klassen mit hohem Migrationsanteil nicht zu viele Kinder sitzen.“

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