Voll bei der Sache sind die jungen Rotkreuzler, hier beim Üben der stabilen Seitenlage. „Mit mehr Betreuern hätten wir mehr Gruppen“, ist Gerlinde Besel überzeugt.
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Voll bei der Sache sind die jungen Rotkreuzler, hier beim Üben der stabilen Seitenlage. „Mit mehr Betreuern hätten wir mehr Gruppen“, ist Gerlinde Besel überzeugt.

Wie das Jugendrotkreuz soziale Kompetenz fördert

100 Jahre DRK: Jugendleiterin aus Waakirchen im Interview - „Viele trauen sich die Arbeit nicht zu“

Landkreis – Das Jugendrotkreuz des BRK-Kreisverbands Miesbach bringt schon jungen Menschen die Werte des Wohlfahrtsverbands nahe. Gerlinde Besel betreut die Jugendgruppe in Waakirchen und war ehrenamtlich Leiterin der Jugendorganisation im Landkreis. Die 63-Jährige erklärt, was die Arbeit mit den Kindern ausmacht und warum es schwierig ist, neue Jugendbetreuer zu finden.

Frau Besel, was sind die Aufgaben des Jugendrotkreuzes?

Die Kinder und Jugendlichen lernen zum einen natürlich viel über Erste Hilfe. Aber wir sprechen in unseren Gruppen auch über die Rot-Kreuz-Geschichte, Allgemeinwissen und versuchen dabei, den Kindern vor allem soziale Kompetenz beizubringen. Das ist oft eine große Aufgabe.

Wie fördert man soziale Kompetenzen?

Immer wieder drüber reden. Ab der 4. Klasse gibt es manchmal Kommentare wie „Der geht nur auf die Hauptschule“. Oder es wird gelacht, wenn jemand eine falsche Antwort gibt. Wir weisen immer wieder darauf hin und versuchen klar zu machen, dass jeder Mensch gleich ist, egal welche Ausbildung oder Kleidung er hat.

Treffen Sie sich nur für Theoriekurse oder auch in der Freizeit?

Wir fahren auch auf Wettbewerbe des Jugendrotkreuzes, das macht besonders Spaß. Dabei messen sich die Jugendlichen in Erster Hilfe und Sport. Auch die Rot-Kreuz-Geschichte, das Humanitäre Völkerrecht, unsere Grundsätze und Allgemeinwissen werden abgefragt. Dafür lernen die Kinder auch gern geschichtliche Daten. Es beginnt mit dem Bezirkswettbewerb. Mit etwas Glück darf man auch zum Landeswettbewerb fahren. Das haben wir schon ein paar Mal geschafft.

Wie viele Jugendliche sind im Landkreis dabei?

In meiner Gruppe in Waakirchen sind aktuell sechs Kinder. Corona hat unsere Gruppe etwas verkleinert. Davor waren es neun Jugendliche. In den zwei Gruppen in Bad Wiessee treffen sich um die zehn Kinder. Wir kommen jede Woche oder alle 14 Tage zusammen.

Gerlinde Besel betreut die Jugendgruppe in Waakirchen und war ehrenamtlich Leiterin der Jugendorganisation im Landkreis.

Wie geht das während der Pandemie?

Wir treffen uns digital. Das macht schon auch Spaß, aber bei Online-Treffen können die Erste-Hilfe-Übungen natürlich nicht gemacht werden. Es ist einfach nicht dasselbe. Online spielen wir Stadt-Land-Fluss oder malen über das Whiteboard zusammen ein Bild. Das funktioniert schon. Zuletzt haben wir über Video-Konferenz sogar zusammen Tassenkuchen gebacken. Besonders schwierig ist es aktuell, neue Kinder für die Gruppen zu gewinnen. Durch Sanitätskurse an Schulen kommen sonst einige Jugendliche zu uns. Aber das fällt während der Pandemie leider aus.

Wie alt sind die Kinder in Ihrer Gemeinschaft?

Die Jugendlichen in meiner Gruppe sind zwischen zwölf und 15. Ein Mindestalter gibt es nicht. Die Jüngsten sind aber meistens in der ersten Klasse. Bis zu einem Alter von 27 kann man im Jugendrotkreuz aktiv sein. Außer man ist Leiterin, so wie ich, dann kann man auch länger dabei bleiben (lacht).

Wie viele Gruppenleiter sind im Landkreis aktiv?

Sechs Betreuer haben wir momentan. Aber die zu finden, ist gerade das Schwierige. Wir hätten wesentlich mehr Gruppen, wenn sich mehr Menschen bereit erklären würden, mit den Jugendlichen zu arbeiten. Ich weiß nicht, warum sich viele Leute das nicht zutrauen. Es macht unheimlich Spaß, sich mit Kindern zu beschäftigen.

Wie wird man Gruppenleiter?

Die Jugendleiter machen eine spezielle Ausbildung beim Roten Kreuz. Die geht über vier Wochenenden. Man sollte natürlich auch in Erster Hilfe ausgebildet sein, aber das ist nicht die Hauptaufgabe. Vor allem das Soziale zu fördern, ist uns wichtig.

Das Gespräch führte Luisa Billmayer.

Zu dieser Serie

Das Deutsche Rote Kreuz feiert sein 100-jähriges Bestehen. Daher stellen wir die fünf ehrenamtlichen Gemeinschaften im BRK-Kreisverband vor: die Bereitschaften, die Wasserwacht, die Bergwacht, das Jugendrotkreuz sowie die Wohlfahrt- und Sozialarbeit.

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