Autoscooter, Volksfest Miesbach
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Diese Gaudi fällt heuer aus: Gut besucht war der Autoscooter der Schaustellerfamilie Kollmann in den vergangenen Jahren auf dem Miesbacher Volksfest. Wegen des Coronavirus bleiben die Fahrzeuge 2020 im Winterlager.

„Autoscooter allein macht keinen Sinn“

Nach Volksfest-Absage: Schausteller-Chef denkt über Alternativen nach

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Kein „O‘zapft is“ schallt heuer über die Waitzinger Wiese in Miesbach: Das Volksfest ist wegen Corona abgesagt. Eine Katastrophe, findet der Schausteller-Chef.

Miesbach – Immer am letzten Juni-Wochenende heißt es in Miesbach: Auf geht’s aufs Volksfest. Doch heuer  hallt nicht das „O’zapft is“ des neuen Bürgermeisters Gerhard Braunmiller durchs Zelt auf der Waitzinger Wiese. Und statt Bierbänken, Fahrgeschäften und Schaustellerbuden stehen nur parkende Autos auf dem Platz. Schuld ist das Coronavirus, das auch den Miesbachern ihren jährlichen Rummel genommen hat.

Während Festwirt Anian Kurz zusammen mit den Haberern Mitte Juli immerhin kulinarischen Ersatz fürs Volksfest schaffen will (wir berichteten), bleiben Karussells und Co. der Kreisstadt gänzlich fern. Warum es keine Alternativen gibt und was das für die Schaustellerbranche im Ganzen bedeutet, haben wir den Organisator des Volksfest-Vergnügungsparks und Betreiber des Wiesn-Autoscooters, Bernhard Kollmann aus Heimstetten (Kreis München), im Interview gefragt.

Herr Kollmann, was machen Sie am Freitagabend?

Bernhard Kollmann: Wahrscheinlich helfe ich meiner Tochter, die die Gaststätte am Heimstettener See gepachtet hat. Aber ehrlich gesagt wäre ich schon lieber beim Volksfest-Auftakt in Miesbach. Die Schaustellerei ist bei uns eine echte Familientradition. Da ist die Absage schon ziemlich hart.

Zumal es ja nicht die einzige im Jahr 2020 ist.

Bernhard Kollmann: Genau. Die Saison ist für uns Schausteller eigentlich komplett durch. Zum letzten Mal was verdient habe ich auf den Weihnachtsmärkten. Seitdem herrscht absoluter Stillstand, und es ist nicht in Sicht, wann sich das wieder ändert.

In München und anderen großen Städten ist aber immerhin im Gespräch, ein Volksfest mit Fahrgeschäften an verschiedenen Plätzen auszurichten. Wäre das auch eine Option für Miesbach gewesen?

Bernhard Kollmann: Nein, dafür ist die Stadt zu klein, und es gibt zu wenig Laufkundschaft. Wenn ich da allein meinen Autoscooter aufbauen würde, müsste ich sehr viel Werbung machen, und das ist teuer. Und mal ehrlich: Mit nur einem Fahrgeschäft allein kommt doch keine Volksfeststimmung auf. Deshalb überlegt man in München, den Wiesn-Ersatz im Olympiapark durchzuführen. Da könnte man die Abstände einhalten und dennoch wäre genug Betrieb, damit genug Leute kommen.

Lesen Sie auch: Volksfest Miesbach 2019: Festwirt, Veranstalter und Polizei ziehen Bilanz

Sind Sie mit dabei?

Bernhard Kollmann: Die Gespräche laufen noch. Jeder Schausteller muss ein Hygienekonzept vorweisen.

Wie würde das bei Ihnen aussehen? Sind die im Autoscooter so beliebten Zusammenstöße nicht gleichzeitig auch Verstöße gegen die Abstandsregeln?

Bernhard Kollmann: (lacht) Nein, so nahe kommt man sich da dann auch wieder nicht. Aber wir müssen zum Beispiel darauf achten, dass die Leute beim Warten Abstand einhalten und die Lenkräder der Scooter nach jeder Fahrt desinfizieren.

Und wann dürfen die Miesbacher wieder am Steuer Platz nehmen?

Bernhard Kollmann: Ich hoffe, im kommenden Jahr! Noch eine Saison ohne Volksfest wäre eine Katastrophe, das würden viele Schausteller nicht überleben. Auch ich müsste mir wohl einen anderen Job suchen. Ich bleibe aber optimistisch. Spätestens im Dezember brauchen wir Gewissheit, denn dann beginnen die Planungen für die Volksfeste 2021.

Und wenn die Pandemie dann immer noch nicht vorbei ist?

Bernhard Kollmann: Dann müssen wir uns ernsthaft über Alternativen unterhalten. Beispielsweise ein Fest nur mit Biergarten, Buden und Fahrgeschäften. Wenn man das gut plant, sollte es eigentlich machbar sein. Aber natürlich wäre uns allen ein richtiges Volksfest lieber.

sg

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