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Kurt König, Bäckermeister aus Miesbach, ist im Alter von 79 Jahren gestorben.

Seine Backwaren waren weit über Miesbach hinaus bekannt

Der Vollwert-Pionier: Ein Nachruf auf Bäckermeister Kurt König

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Kurt König backte schon mit Vollkorn, als das Geschäft mit Bio-Lebensmitteln noch in den Kinderschuhen steckte. Jetzt ist der Bäcker-Pionier aus Miesbach gestorben. Ein Nachruf.

Miesbach – Kurt König wollte immer alles ganz genau wissen. Eine „ehrliche und vernünftige Produktion“, das war dem Bäckermeister aus Miesbach ein Herzensanliegen. Der Inhalt seiner Backwaren war ihm wichtig, nicht die Verpackung. Unermüdlich untersuchte König die Qualität seiner Zutaten. Nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl habe er diese sogar extra in ein Labor geschickt, erzählt Königs Tochter Sabine Hofmann. Anfangs noch von manchen als „Spinner“ belächelt, wurde der Miesbacher später als Pionier der Vollwertbäckerei weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Umso größer ist nun auch die Betroffenheit, dass König im Alter von 79 Jahren gestorben ist.

Sein Handwerk lernte König im elterlichen Betrieb am Miesbacher Marktplatz. Mit dem Meisterbrief in der Tasche übernahm er 1968 das Geschäft seines Vaters. Schon früh habe er sich mit gesunder Ernährung, Umweltschutz und Homöopathie auseinandergesetzt, erzählt Hofmann. Als Bäcker setzte König sein Wissen und seine Philosophie dann in die Tat um. Statt auf Weißmehl und Zucker setzte König auf althergebrachte Getreidesorten, Trockenfrüchte, Nüsse und Honig. So schaffte er es, so manchem Allergiker wieder zum Brotgenuss zu verhelfen.

Doch der erfinderische Handwerksmeister begeisterte nicht nur die Kunden für seine Ideen, sondern auch viele Kollegen oder Lieferanten. „Er hat die Leute vernetzt“, sagt Hofmann. „Und er war immer für Überraschungen gut“, erzählt die Tochter. Ob als Rettungswagenfahrer, Wasserwachtler, Landesobmann bei den Freunden naturgemäßer Lebensweise oder leidenschaftlicher Kartler mit seiner Familie: Langeweile war dem Bäckermeister fremd.

Umso mehr überraschte es viele seiner Weggefährten, als sich König in den 1990er-Jahren aus seinem Betrieb und damit seinem bisherigen Leben verabschiedete. Als Rückzugsort wählte er ein Anwesen in Mösl bei Hausham, wo er mitten in der Natur seiner Leidenschaft für Tiere und Pflanzen frönte. Trotz mehrerer gesundheitlicher Rückschläge habe er sein fröhliches Wesen nie verloren, erzählt Hofmann.

Königs berufliches Lebenswerk bleibt ohnehin erhalten. Sohn Martin hat eine eigene Bäckerei eröffnet. Dort produziert er so, wie es sich für einen Bäcker König gehört. „Mein Vater hat nie eine Marke gebraucht“, sagt Hofmann und lacht. „Er selbst war die Marke.“

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