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Am Ziel angekommen: Tatjana Blaske aus Miesbach ist Staatlich geprüfte Farb- und Lacktechnikerin und führt seit sieben Jahren einen eigenen Betrieb.

„Man darf nicht locker lassen“

Vom Bau zum eigenen Betrieb: Malermeisterin im Interview

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Mit 15 die erste Baustelle, mit 21 Meisterin, mit 23 der eigene Betrieb: Tatjana Blaske lebt ihren Traum. Wie hart ihr Weg war, verrät die Farb- und Lacktechnikerin im Interview.

Landkreis – Mit 15 die erste Baustelle, mit 21 Meisterin, mit 23 der eigene Betrieb: Tatjana Blaske (30) aus Miesbach lebt ihren Traum. Heute ist die Staatlich geprüfte Farb- und Lacktechnikerin je nach Saison für bis zu 15 Mitarbeiter verantwortlich und bietet ihren Kunden auch ausgefallene Maltechniken an. Der Weg zu ihrem Wunschberuf war allerdings alles andere als leicht. Was sie dabei erlebt hat und warum sich der Kampf trotzdem gelohnt hat, verrät Blaske am Tag des Handwerks im Interview mit unserer Zeitung. Ein Gespräch über Rückschläge, Motivation – und die Zukunft des Malerberufs.

-Frau Blaske, wie fühlt man sich, wenn man als 15-jähriges Mädchen auf einer Baustelle arbeitet?

Blaske: Ein Zuckerschlecken war es auf jeden Fall nicht. Ich habe meine Ausbildung in einem großen Betrieb in München angefangen. Das war eine harte Zeit. Zuerst musste ich Eimer mit Kies oder anderes schweres Zeug herumschleppen. Mein Chef wollte herausfinden, ob ich als Mädchen überhaupt für so einen Job geeignet bin. Ein Jahr lang durfte ich keinen Pinsel in die Hand nehmen. Trotzdem habe ich nicht aufgegeben.

-Warum?

Blaske: Weil Malerin mein Traumberuf war, seit ich denken konnte. Deshalb hab ich auch nicht hingeschmissen, sondern die Initiative ergriffen. Auf einer Nebenbaustelle habe ich bei einem anderen Betrieb gefragt, ob ich da meine Ausbildung weitermachen kann. Hier habe ich zum ersten Mal gesehen, wie vielseitig die Arbeit eines Malers sein kann. Leider ist die Firma dann insolvent gegangen.

-Ein weiterer Rückschlag also.

Blaske: Klar. Aber da darf man einfach nicht locker lassen. Mit der Malerei Rupert Hafner in Reitham habe ich einen super Betrieb gefunden, wo ich meine Ausbildung fertigmachen konnte. Da habe ich viele alte Techniken kennengelernt und bin am Ende auch übernommen worden. Ich habe aber immer gespürt, dass ich noch weiter will.

-Sie wollten Meisterin werden.

Blaske: Genau. Mit 19 habe ich mich an der Meister- und Technikerschule angemeldet – als ehemalige Hauptschülerin. In nur zwei Jahren habe ich es so zur Staatlich geprüften Farb- und Lackiertechnikerin geschafft. Und zur Fachhochschulreife. Damit hätte ich sogar studieren können.

-War das nie ein Thema für Sie?

Blaske: Ganz ehrlich? Nein. Ich wollte arbeiten. Geld verdienen und irgendwann auch mein eigener Chef sein. Ein Großprojekt in Usbekistan, wo ich für fast 50 Leute verantwortlich war, hat den Ausschlag gegeben. Danach habe ich mich selbstständig gemacht.

-Da waren Sie gerade 23 Jahre alt. Hatten Sie nie Angst, dass Sie Schiffbruch erleiden könnten?

Blaske: Ich selbst habe nie an mir gezweifelt. Wenn man damit anfängt, beißen einen die Hunde. Schwierig war es aber, andere von meiner Idee zu überzeugen. Obwohl ich einen Businessplan vorgelegt hatte, wollten mir die Banken zuerst keinen Kredit für einen gebrauchten VW-Bus geben. Irgendwie hat es doch geklappt, sodass ich in einer Garage meinen Betrieb aufbauen konnte. Kurz darauf habe ich im Alleingang die ersten Fassaden gestrichen.

-Heute haben Sie je nach Saison fünf bis 15 Mitarbeiter. Was war Ihr Erfolgsrezept?

Blaske: Ich wollte schon immer etwas Besonderes bieten. Unser Handwerk kann so viel mehr sein als nur stinknormales Weißeln. Vor allem, wenn man althergebrachte Mittel wie Bierlasuren oder Ölfarben einsetzt. Damit lassen sich Oberflächen so lackieren, dass sie aussehen wie Holz oder Marmor. Die meisten Kunden wissen gar nichts davon. Deshalb lege ich großen Wert auf eine gute Beratung, bevor ich zum Pinsel greife. Nur so lässt sich das Image unserer Branche aufpolieren. Und nur so können wir mehr junge Leute für eine Ausbildung begeistern.

-Sie selbst suchen auch gerade einen Azubi.

Blaske: Ja, und das ist heute echt ein Problem. Viele Jugendliche sind nicht mehr bereit, sich richtig anzustrengen, um ihren Traum zu verwirklichen. Ich hatte auch keinen leichten Weg, aber alle Hürden haben mich persönlich weitergebracht. Mit Perfektion und Leidenschaft kann einen nichts aufhalten.

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