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Vom Corona-Team zurück in die NATO-Mission: Bundeswehr verlässt Landratsamt Miesbach

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Von: Sebastian Grauvogl

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Dank vor dem Wegtreten: Landrat Olaf von Löwis mit den Mitgliedern des Informationstechnikbataillons 293 Murnau, die den Landkreis bei der Corona-Datenerfassung unterstützt haben. Mit für die Koordination zuständig war neben Major Michael Pietsch (vorne r.) auch der Leiter des Kreisverbindungskommandos, Oberstleutnant der Reserve Thomas Weiss (vorne l.).
Dank vor dem Wegtreten: Landrat Olaf von Löwis mit den Mitgliedern des Informationstechnikbataillons 293 Murnau, die den Landkreis bei der Corona-Datenerfassung unterstützt haben. Mit für die Koordination zuständig war neben Major Michael Pietsch (vorne r.) auch der Leiter des Kreisverbindungskommandos, Oberstleutnant der Reserve Thomas Weiss (vorne l.). © Stefan Schweihofer

Vier Monate lang haben Soldaten der Bundeswehr das Landratsamt bei der Erfassung der Corona-Fälle unterstützt. Jetzt kehren sie zurück in die Nato-Mission. Zum Bedauern des Landrats.

Landkreis – Sieben Vollzeitstellen im Bereich IT gibt man nur widerwillig her. So machte auch Landrat Olaf von Löwis aus seinem Bedauern über den Abzug der Bundeswehr-Soldaten aus dem Corona-Team des Landratsamtes kein Geheimnis. „Ohne Sie hätten wir das alles nicht bewältigt“, dankte Löwis den Mitgliedern des Informationstechnikbataillon 293 Murnau.

Vier Monate lang hätten diese „geräuschlos und professionell“ gearbeitet. Umso mehr schmerze es, ab sofort auf diese Unterstützung verzichten zu müssen, zumal die Pandemie noch nicht vorbei sei – im Gegenteil. „Die Leute werden sorgloser – und das macht mir Sorgen“, sagte ein spürbar nachdenklicher Landrat. Dass die Behörde nun zusätzlich Personal aus dem Contact Tracing Team abziehen muss, um die Unterbringung der Geflüchteten aus der Ukraine organisieren zu können (wir berichteten), mache es nicht leichter. Letztlich müsse man sich um zwei Krisensituationen parallel kümmern, seufzte der Landrat.

Soldaten behalten Miesbach in guter Erinnerung

Die Soldaten werden Miesbach in guter Erinnerung behalten, versicherte Major Michael Pietsch als Chef der 1. Kompanie des IT-Bataillons. Man habe sich gebraucht gefühlt und gern geholfen. Auch auf zwischenmenschlicher Ebene seien Verbindungen entstanden, sagte Pietsch. Letztlich sei es aber allen Beteiligten bewusst gewesen, dass der Einsatz im Corona-Team des Landkreises nur temporär möglich ist. Gemäß des Subsidiaritätsprinzips werde die Bundeswehr nur auf Antrag auf Länder- beziehungsweise Landkreisebene tätig. „Wir sind quasi die Feuerwehr, die löscht, wenn es wo brennt“, sagte Pietsch.

Nun werden er und seine Leute wieder in ihrem ursprünglichen Bereich gebraucht: als IT-Experten zur Verstärkung der NATO-Flanke in Litauen. Eine Aufgabe, die durch den Ukraine-Krieg eine noch größere Bedeutung erlangt hat. „Dem gehen wir jetzt entgegen“, sagte Pietsch. Mit dem guten Gefühl, in Miesbach auch dauerhaft etwas bewirkt zu haben. So hätten die Soldaten mit ihrem Fachwissen dazu beigetragen, das System der Datenerfassung von Corona-Fällen zu verbessern und damit die Bearbeitungszeiten zu verkürzen.

Auch interessant: Landratsamt richtet Krisenstab Ukraine ein

Zehn Fälle habe jeder Soldat pro Tag geschafft, berichtet Pietsch. Was auf den ersten Blick nach einer ziemlich mauen Quote aussieht, ist tatsächlich ein ziemlich straffes Pensum, erklärte der Major. So müsse man jeden Laborbericht händisch in eine mehrseitige Datenmaske der Sormas-Software übertragen. Eine Arbeit, die auch nach der sukzessiven Reduktion der Kontaktnachverfolgung nicht weniger wird, denn: Jede Neuinfektion muss registriert werden. Nur so würden die Betroffenen beispielsweise die für ihren Arbeitgeber notwendige Bescheinigung erhalten, betonte Pietsch.

Corona: Landrat hofft auf Eigenverantwortung der Bürger

Der Landrat hofft derweil auf Mithilfe der Bevölkerung. Und zwar, indem diese trotz gelockerter Regeln eigenverantwortlich für Infektionsvermeidung sorge. Denn selbst wenn die aktuell vorherrschende Omikron-Variante des Coronavirus mildere Krankheitsverläufe verursache: Die Personalausfälle durch Quarantäne und Erkrankung würden das Krankenhaus und die Arztpraxen schwer belasten – und damit auch indirekt die Versorgung von nicht an Corona erkrankten Patienten gefährden.

Dass die Zeit der Krisen nicht vorbei ist, zeigte auch das Abschiedsgeschenk, das Löwis dem Bundeswehr-Bataillon überreichte. Es enthielt unter anderem einige Produkte, die in der Pandemie eine gewisse Berühmtheit erlangt haben: Klopapier und Nudeln.

sg

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