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Sabrina Cecco-Stark
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Will anpacken: Sabrina Cecco-Stark will die Personalarbeit am Landratsamt modernisieren.

„Bei uns kann jeder alles machen“

Von Bergzeit ans Landratsamt: Neue Personalleiterin erklärt ihre Mission

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Aus der freien Wirtschaft in eine Behörde: Diesen Karriereschritt hat Sabrina Cecco-Stark gemacht. Wir haben die neue Personalleiterin am Landratsamt gefragt, warum.

Landkreis – Von der freien Wirtschaft in die Verwaltung: ein Schritt, der für Karrieremenschen meist nicht die erste Wahl ist. Sabrina Cecco-Stark (36) hatte ebenfalls nicht vor, einen Behördenjob in ihren Lebenslauf zu schreiben. Doch dann kam alles anders. Seit drei Monaten ist die gebürtige Oberstdorferin, die in Schaftlach wohnt, neue Personalleiterin am Landratsamt Miesbach. Sogar ihren einstigen Traumjob bei Bergzeit ließ die gelernte Steuerfachangestellte und studierte Betriebswirtin für Management im Gesundheitswesen dafür hinter sich. Wie groß der Kulturschock war und warum Verwaltung gar nicht so trocken ist wie man vermutet, erklärt Cecco-Stark im Interview.

Frau Cecco-Stark, wie lautet Ihre vollständige Stellenbezeichnung am Landratsamt?

Sabrina Cecco-Stark: Puh, da muss ich selbst immer wieder nachschauen. Warten Sie mal, ich will nichts Falsches sagen (schaut auf ihr Laptop und sucht das Organigramm des Landratsamts). Ah, jetzt hab ich’s: Ich bin Leiterin des Fachbereichs 11, Interner Service. Klingt kompliziert, gell? Und ist nicht wirklich gut zu merken. Also stelle ich mich meistens einfach als Personalleiterin vor.

Wäre es nicht einfacher, das dann auch so auf Ihre Visitenkarte zu schreiben?

Sabrina Cecco-Stark: Klar. Aber es gibt eben bestimmte Strukturen, die man nicht einfach von heute auf morgen ändern kann. Das musste ich auch erst lernen, als ich hier angefangen habe. Eine Behörde kann man nicht mit einem privatwirtschaftlichen Unternehmen vergleichen.

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Sie waren vorher bei Bergzeit. Einem Unternehmen, das für Innovation und schnelles Wachstum bekannt ist. Klingt nach einem ziemlichen Kulturschock...

Sabrina Cecco-Stark: Das dachte ich anfangs auch. Als Bürger hat man ja nicht oft mit dem Landratsamt zu tun. Deshalb verbindet man meistens starre Strukturen, spröde Begriffe und langwierige Prozesse damit. Das war bei mir nicht anders.

Und warum genau haben Sie sich dann auf diese Stelle beworben?

Sabrina Cecco-Stark: (lacht) Weil ich ein unerwartetes Schlüsselerlebnis hatte. Ich wollte nach meiner Eheschließung meinen Führerschein umschreiben lassen. Da hatte ich zum ersten Mal Kontakt mit dem Landratsamt. Mit Begeisterung habe ich festgestellt: Ich kann online einen Termin in der Führerscheinstelle buchen. Tatsächlich hat alles ganz wunderbar funktioniert, ich wurde sehr nett und kundenfreundlich beraten. Da war mein Interesse geweckt und ich habe mir mal auf der Homepage angeschaut, was die Behörde eigentlich so alles macht. Die Vielfalt hat mich echt umgehauen. Als ich dann ein paar Monate später im Internet gesehen habe, dass das Landratsamt eine Personalleiterin wie mich sucht, habe ich mich einfach mal beworben.

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Die sperrige Stellenbezeichnung hat Sie nicht abgeschreckt?

Sabrina Cecco-Stark: Nein, denn diese Stelle war tatsächlich als Personalleitung ausgeschrieben. Trotzdem ist das eines der ersten Dinge, die ich hier etwas moderner gestalten möchte. Gerade Leute ohne Verwaltungserfahrung haben oft schlicht keine Ahnung, welche Mitarbeiter da eigentlich genau gesucht werden. Oder wissen Sie, was die Qualifikation für die Laufbahngruppe der 3. QE ist? Das ist schade, weil man so vielleicht geeignete Bewerber von vorneherein ausschließt. Vor allem, weil Leute aus der freien Wirtschaft durchaus frischen Wind in eine Behörde bringen können.

Das Landratsamt ist wirklich so verstaubt?

Sabrina Cecco-Stark: Ganz und gar nicht. Ich bin immer noch beeindruckt, welch kompetente, motivierte und teamfähige Leute hier arbeiten. Auch die Atmosphäre in der Belegschaft ist außerordentlich gut. Aber auch wir spüren den Fachkräftemangel, gerade im Azubi-Bereich. Da müssen wir uns viel besser darstellen. Mit Videos bei Facebook, Kontakte über Xing und LinkedIn, aber auch bei Ausbildungsmessen. Und da bitte ohne die altmodischen Kaffeetassen mit Goldrand, die wir sonst immer dabei haben.

Marketing ist das eine. Aber wie wollen Sie Karrieremenschen einen Job im Öffentlichen Dienst schmackhaft machen?

Sabrina Cecco-Stark: Zum einen mache ich die Erfahrung: Ein Tarifvertrag kann auch für Stabilität unter den Kollegen sorgen. Niemand muss um sein Gehalt verhandeln, dadurch kommt es auch nicht zu Neid oder unnötigem Konkurrenzdenken. Zum anderen stelle ich fest, dass das Geld allein heute nicht mehr ausschlaggebend ist. Vor allem die jungen Arbeitnehmer wünschen sich einen Job, der sie auf möglichst vielen Ebenen erfüllt und ihnen Abwechslung bietet. Darin liegt die große Stärke der Verwaltungslaufbahn. Bei uns kann jeder so gut wie alles machen – vielfältige Aufstiegsmöglichkeiten inklusive.

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Beenden wir mal den Werbeblock. Was muss sich in Sachen Personalarbeit am Landratsamt ändern?

Sabrina Cecco-Stark: Neben den genannten Dingen müssen wir unbedingt die digitale Personalakte einführen. Was die Flexibilität anbelangt, sollten wir vorhandene Angebote noch leichter zugänglich machen. Wer heute bei uns Home Office machen will, kann frühestens nach einem Jahr Betriebszugehörigkeit einen Antrag stellen. Das muss einfacher werden. Auch die dafür flächendeckend nötigen Dienstlaptops müssen wir noch einführen. Ach ja, der Begriff fürs Home Office ist mir ebenfalls deutlich zu sperrig: Telearbeit. Klingt irgendwie so nach den 1980er-Jahren.

Sie haben also einiges vor. Wie schnell wollen Sie das alles schaffen? Zur Erinnerung: Sie arbeiten in einer Behörde, nicht mehr bei Bergzeit.

Sabrina Cecco-Stark: Mir ist klar. Man muss in anderen Dimensionen denken. Würde ich in der freien Wirtschaft ein Jahr ansetzen, sind es hier mindestens zwei. Eins habe ich aber auch gelernt: Es ist nicht immer schlecht, wenn man sich auch mal mehr Zeit lässt und alles genau prüft. Man macht einfach weniger Fehler. Im Zweifel ist das ein sehr großer Vorteil.

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