+
Rund 850 Essen liefert die Frischeküche pro Tag aus – zu wenig für einen kostendeckenden Betrieb.

Im Kreistag

SPD wärmt Kritik an Frischeküche auf

  • schließen

Landkreis - Das Krankenhaus hat Verlust gemacht, weil es weniger Skiunfälle gegeben hat. Die Frischeküche wiederum kämpft mit Startschwierigkeiten. Im Kreistag fiel mit Blick auf Letztere der Begriff „Sorgenkind“. Doch die Befürworter warnten davor, das Projekt schlechtzureden.

Ein sehr milder Winter sei es gewesen, Anfang 2014. „Es gab weniger Skiunfälle“, berichtete Claudia Winterberg im Kreistag. Was die Kreisrechnungsprüferin damit zu tun hat? Nun, sie legte den Jahresabschluss 2014 für die privatrechtlichen Unternehmen des Landkreises vor, und da taucht das Krankenhaus Agatharied erstmals seit Jahren wieder mit einem Fehlbetrag auf. Grund seien die rückläufigen Patientenzahlen wegen des zaghaften Skibetriebs gewesen, aber auch die Aufstockung des Personals und Leistungsabschläge bei der Abrechnung mit den Krankenkassen. Rund eine Million Euro weniger stand unterm Strich.

Auf einem guten Weg sei laut Winterberg hingegen die Standortmarketing-Gesellschaft. Der Fehlbetrag belaufe sich zwar immer noch auf 8000 Euro, die Überschüsse aber steigen. Ganz anders das „Sorgenkind Frischeküche Holzkirchen“. Sie bescherte dem Landkreis im Jahr 2014 einen Verlust von 367 000 Euro. Fürs laufende Jahr rechnet Winterberg mit einem ähnlichen Betrag. Gleichwohl hätten in den Anfangsjahren auch das Krankenhaus und das Seniorenheim Schwaighof große Verluste geschrieben: „Das hat sich später relativiert. Man muss es abwarten.“

Erst Anfang Oktober hatte sich der Kreisausschuss mit der Frischeküche befasst. Damals ging es um eine Satzungsänderung, die dem Unternehmen eine neue strategische Ausrichtung ermöglicht. Erklärtes Ziel: das gewaltige Defizit rasch abzubauen (wir berichteten). Martin Walch (SPD) nutzte die Steilvorlage im Kreistag dennoch, um die Verluste anzuprangern. „Ich sehe die schwarze Null in weiter Ferne“, sagte er. „Die Frischeküche muss die Kosten senken oder die Erlöse erhöhen.“ Fraktionskollege Paul Fertl stimmte ihm zu: „Die Frischeküche muss auf finanziell vernünftigen Beinen stehen.“

Olaf von Löwis (CSU) erzählte er damit nichts Neues. Der Holzkirchner Bürgermeister und Verwaltungsratsvorsitzende wiederholte seine Rede vom Oktober und verwies darauf, dass man ernsthafte und zukunftsversprechende Maßnahmen ergriffen habe, um das Unternehmen nach vorne zu bringen. Es sei bedauerlich, dass die Frischeküche – ein Gemeinschaftsunternehmen von Marktgemeinde und Landkreis – ständig im Fokus stehe, wo sich doch aktuell am Sachverhalt nichts geändert habe.

„Wir sind von 1200 bis 2000 Essen pro Tag ausgegangen“, berichtete Löwis. „Derzeit werden nur 850 ausgeliefert, weil die Küche am Anschlag ist.“ Man müsse jetzt die technische Konzeption so optimieren, dass sie diese Mengen künftig auch wirklich bewältigen kann. In diesem Zusammenhang gelte es auch zu prüfen, ob Fehler bei der Kalkulation gemacht wurden und unter Umständen Schadenersatzansprüche gegenüber dem Planer möglich sind.

Der Holzkirchner Bürgermeister appellierte an den Landkreis, seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Derzeit stelle nur die Gemeinde Mittel für die laufenden Kosten zur Verfügung, es komme auf dem Konto zu „relativ hohen Überziehungen“. Gleichzeitig richtete er die Bitte in die Runde, die Frischeküche nach Kräften zu unterstützen. „Sie darf satzungsgemäß auch Schulkioske betreiben“, sagte er. „Das ist sehr lukrativ und würde dem Unternehmen weiterhelfen.“

Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner (CSU) zeigte sich vom Defizit nicht überrascht. Das sei von Anfang an klar gewesen. Erklärtermaßen wolle man mit der Frischeküche auch gesunde Ernährung und die Verwendung regionaler Produkte fördern. Das koste nun mal Geld. „Lasst uns diese gute Idee nicht kaputtreden“, bat Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne). „Habt auch Vertrauen in den Verwaltungsrat.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Das Tiroler Stüberl wird ein Basislager für Bergenthusiasten
Das Tiroler Stüberl am Sudelfeld wird komplett umgebaut. Daraus entsteht der Mountain Club Bayrischzell mit innovativem Konzept. Johannes Rabl von der Firma Latona hat …
Das Tiroler Stüberl wird ein Basislager für Bergenthusiasten
Pünktlich zum Sommer: Neues im Strandbad
Das Schlierseer Strandbad ist gerüstet. Seit Christi Himmelfahrt hat die bei Bade- und Feierabend-Gästen beliebte Einrichtung geöffnet, und so haben die ersten schon die …
Pünktlich zum Sommer: Neues im Strandbad
Bürgerauto in Schliersee: Vorhaben kommt voran
In Schliersee soll es ab Sommer ein Bürgerauto geben. Das können dann die Bürger, aber auch Urlauber nutzen, um kleine Fahrten zu erledigen. Mitorganisator Philippe …
Bürgerauto in Schliersee: Vorhaben kommt voran
Der Tourismus spart sich zurück in die 1990er-Jahre
Statt unsere herrliche Landschaft und Kultur mit Leidenschaft touristisch zu vermarkten, schauen wir zu, wie uns andere überholen – selbst wenn sie nur einen Hügel und …
Der Tourismus spart sich zurück in die 1990er-Jahre

Kommentare