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Mit seinem Förderkonzept stieß (v.l. am Tisch) Landtagsabgeordneter Markus Rinderspacher auf große Zustimmung bei Zweitem Bürgermeister Paul Fertl und SPD-Bundestags-Direktkandidat Hannes Gräbner.

Wahlkampf in Miesbach

Wie Rinderspacher das Warmfreibad retten will

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Vor Wahlen begeben sich Politiker gerne mal auf Tour durchs Land. Der SPD-Landtagsabgeordnete Markus Rinderspacher besuchte das Miesbacher Warmfreibad und forderte er ein staatliches Förderprogramm.

Freibadbesichtigung im strömenden Regen – es war, als ob auch der Himmel mit Nachdruck darauf hinweisen wollte: In dieser Sache geht es wirklich nass rein. Dabei hatte der Gast aus dem Landtag, der sich die in die Jahre gekommene Anlage zeigen lassen wollte, so viel Theatralik gar nötig. Denn Freibäder zu retten ist fast schon eine Spezialmission für Markus Rinderspacher. „Miesbach ist ein Paradebeispiel“, stellte der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Kreis der Miesbacher Genossen im Stüberl des Bades fest. Es sei nicht das erste dieser Art, das er besucht. „So ergeht es vielen Kommunen im Freistaat mit ihren Bädern.“

Das Prinzip sei überall ähnlich: Über viele Jahre wurden Ertüchtigungen zurückgestellt, weil es Wichtigeres gab als das Bad. Irgendwann geht es nicht mehr, doch dann sind die Kosten der Sanierung so hoch, dass sie unerschwinglich wird. An die 50 Freibäder im Freistaat mussten in den vergangenen Jahren deshalb schließen, berichtete der 48-Jährige aus München; in Oberbayern seien es etwa 13 gewesen. 299 der 900 bayerischen Freibäder seien sanierungsbedürftig. Bis 1995 habe der Freistaat auch Freibäder noch gefördert – nun nur noch Hallenbäder mit Schulnutzung. Rinderspachers Fazit: „Der Investitionsstau ist auf diesem Gebiet riesig.“

Dabei gehe so manches Kleinod verloren, stellte Rinderspacher fest: „So ein Freibad ist Lebensqualität. Da steckt ganz viel kulturelle Identität drin.“ Dort lerne man das Schwimmen, begegne vielleicht seiner großen Liebe, und später geht man mit eigenen Kindern hin. Miesbachs Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) bestätigte das: „Auch unser Bad, das 1886 gegründet wurde, ist etwas Besonderes“ – nicht zuletzt wegen der mit 60 Metern ungewöhnlich langen Bahn. Heute sei es gerade für Familien ein beliebter Freizeittreff und biete den Bürgern für wenig Geld Erholung, obwohl es zuletzt 1972, also vor 45 Jahren, renoviert wurde. Den Betrieb lässt sich die Stadt einiges kosten: 2017 belief sich das jährliche Defizit auf etwa 240 000 Euro bei rund 25 000 Besuchern.

Um das Sterben der Freibäder zu verhindern, macht sich Rinderspacher dafür stark, dass der Freistaat ein Förderprogramm auflegt. Mit einem Volumen von 30 bis 60 Millionen Euro und einer Laufzeit von drei Jahren hätten Städte und Gemeinden die Chance, ihre Freibäder zu modernisieren. Über den Nachtragshaushalt sei es möglich, bereits im Januar 2018 zu starten – vorausgesetzt, der Landtag gibt grünes Licht. Das Geld sei kein Problem, stellte er mit Blick auf den Gesamthaushalt von 60 Milliarden Euro fest. Außerdem: „2018 ist Wahljahr. Da geht ein bisserl mehr.“

Bernhard Heidl, Vorsitzender des Fördervereins, war von diesem Vorschlag sehr angetan. Der Verein mit seinen 400 Mitgliedern habe ebenfalls beschlossen, aktiv zu werden und über Parteigrenzen hinweg einen Bäderdialog zu starten. Ziel sei ein Austausch, der bereits im September in Miesbach stattfinden soll. „Es geht uns um Kinder, Senioren, Sportler und alle, die keinen Pool haben“, sagte Heidl. „Für die wollen wir kämpfen.“

Dass die Zeit drängt, machte Fertl deutlich: „Wir müssen handeln. Keiner weiß, wie lange unser Bad noch funktioniert. Wenn wir aber vor so einem Programm anfangen mit der Sanierung, bekommen wir nichts.“ Dabei wären 30 bis 50 Prozent Förderung bei geschätzten 3,2 bis 3,6 Millionen Euro Kosten – ohne Schnickschnack – sehr hilfreich.

ddy

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