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Stammschwimmer muss warten: Christian Rittinger kann ab sofort erst um 10 Uhr ins Warmfreibad Miesbach. 

Kalte Dusche für die Frühschwimmer

Personalmangel: Warmfreibad Miesbach ändert Öffnungszeiten - Schwimmer sauer

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Bittere Nachricht für alle Frühschwimmer: Wegen Personalmangels öffnet das Warmfreibad Miesbach ab sofort erst um 10 Uhr. Die Stammgäste sind sauer.

Miesbach – Schaumstoffgürtel, Badehose – und natürlich ein großes Schwimmbecken: Mehr braucht Christian Rittinger für sein Rückentraining nicht. „Aquajogging“ lautet sein Geheimrezept gegen Schmerzen an der Wirbelsäule. Seit fünf Jahren geht er mehrmals pro Woche ins Miesbacher Warmfreibad. Bei jedem Wetter und immer schon um 8.30 Uhr. „Dann hat man nachher noch was vom Tag“, sagt der pensionierte Polizeibeamte. Doch seit diesem Samstag ist es mit dem Frühschwimmen erst mal vorbei. Das Bad öffnet ab sofort erst um 10 Uhr.

Rttinger und die zahlreichen anderen Stammschwimmer sind sauer. Als sie ihre Dauerkarten gekauft haben, war von der neuen Zeit noch nichts bekannt. Und jetzt, 14 Tage nach Saisonstart, plötzlich diese Einschränkung. „Wenn ich das vorher gewusst hätte, dann hätte ich auf den Kauf verzichtet“, sagt Rittinger. Wie vielen anderen bleibe ihm das tägliche Morgenschwimmen nun verwehrt.

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Eine unvermeidliche Angelegenheit, teilt Zweiter Bürgermeister Paul Fertl auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Zwei Bademeister seien überraschend krank geworden. Einfach so auffangen könne man die Fehlzeiten wegen der vorgeschriebenen Maximalarbeitszeit von zehn Stunden am Stück nicht. Kurzfristig Ersatz zu finden sei schwierig. „Wir suchen das ganze Jahr über, aber es gibt kaum verfügbares Fachpersonal“, sagt Fertl. Auch angedachte Kooperationen mit anderen Bädern hätten bislang keinen Erfolg gezeigt.

Von einem „Dilemma“ spricht gar Warmbadreferent und Stadtrat Erhard Pohl. Auch für ihn sei der Personalengpass völlig unerwartet gekommen. „Unsere Planung war in trockenen Tüchern“, sagt Pohl. Der Fachkräftemangel sei aber ein grundsätzliches Problem. Trotz deutschlandweiter Stellenausschreibungen melde sich kein Bewerber. Um sich keinem Haftungsrisiko auszusetzen, dürfe die Stadt nur noch Fachangestellte für Bäderbetriebe als Bademeister beschäftigen. Erfahrene Aufsichtspersonen, die das Bad wie ihre Westentasche kennen, würden durchs Raster fallen. „Nur weil ihnen der Schein fehlt“, sagt Pohl und schüttelt den Kopf. „Das ist schon frustrierend.“

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Die Folgen mindestens genauso: Die Stadt musste die Öffnungszeiten des Warmfreibads verkürzen. Letztlich habe man sich entschieden, die Zeit „vorne abzuzwacken“, erklärt Pohl. Da seien weniger Schwimmer im Bad, ergänzt Fertl. Gerade Rentner, findet Pohl, könnten sich ihren Tag ja flexibel einteilen. Von einer früheren Schließung am Abend wären hingegen viel mehr Badegäste betroffen – vor allem bei schönem Wetter. „Die können wir nicht einfach rausschmeißen und zusperren.“

Der Badreferent versteht den Ärger der Stammschwimmer, bittet aber um ihr Verständnis. „Wir werden sofort reagieren, wenn wir wieder mehr Leute haben“, verspricht er. Langfristig wolle man auch eine Azubi-Stelle anbieten. Sollte wirklich jemand wegen der späteren Öffnung seine Saisonkarte zurückgeben wollen, sei man gesprächsbereit. Auch Fertl kündigt an, dass man in Einzelfällen eine Rückgabe ermöglichen könne.

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Aus Prinzip sollte er dies auch tun, findet Rittinger. Noch dazu, wo er auch im Hallenbad eines Schlierseer Hotels seine Aquajogging-Einheiten absolvieren könne – und das schon ab 7 Uhr morgens. Dennoch wird der Miesbacher seine Karte wohl behalten. „Draußen ist es halt viel schöner“, sagt er. Und auch mit seinem Enkel gehe er gern ins Warmfreibad. Dann aber ganz entspannt am Nachmittag.

sg

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