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Die Nachfrage nach Qualität nutzen: Das Grünland-Kuh-Programm der VVG ist ein Thema, das bei der Informationsveranstaltung in Sachsenkam besprochen wird.

Interview mit Heinrich Schwabenbauer

Warum es Bauern-Versammlungen schwer haben - und trotzdem wichtig sind

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Die Landwirtschaft befindet sich im Umbruch. Das lässt sich an kleinen Details erkennen.

Am Donnerstag, 22. Februar, findet in Sachsenkam die Infoveranstaltung der Viehvermarktungsgenossenschaft (VVG) Oberbayern-Schwaben statt, die insgesamt knapp 15 000 Mitglieder zählt. Eingeladen sind die Mitglieder aus den Landkreisen Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen, München und Garmisch-Partenkirchen, doch für viele ist dies mittlerweile kein Pflichttermin mehr. Wir sprachen mit Heinrich Schwabenbauer, VVG-Aufsichtsrat aus Gmund, über die Gründe und Chancen, die Gespräche bieten.

Herr Schwabenbauer, insgesamt ist festzustellen, dass es immer schwerer wird, Mitglieder zum Versammlungsbesuch zu motivieren. Gilt dies auch für die VVG-Landwirte?

Das kommt aufs Thema an. Dreht es sich beim Bauernverband um Produktionstechniken, dann ist die Resonanz eher mäßig. Anders ist das bei Vorträgen rund um Steuern. Da ist der Saal dann in der Regel voll. Für uns zeigt das: Die Terminbekanntgaben erreichen die Leute, aber man wägt genau ab, ob man hingeht.

Mit wie vielen Gästen rechnen Sie am Donnerstag in Sachsenkam?

Ich schätze, dass 50, 60 Leute kommen. Früher war das anders. Da haben wir den Reutbergsaal vollgekriegt.

Woran liegt das?

Da kommen mehrere Gründe zusammen. Zum einen ist die Zahl der Landwirte einfach gesunken. Von den verbliebenen sind viele mittlerweile im Nebenerwerb tätig. Für die ist es natürlich schwierig, um 13 Uhr zur Versammlung zu gehen – also zu einer Zeit, zu der sie arbeiten müssen. Und bei denen, die noch im Vollerwerb sind, gibt es jede Menge Arbeit im Stall und drumherum. Nicht zu vergessen die Frage der Kinderbetreuung. Generell hat das Familienleben heute einen anderen, höheren Stellenwert.

Zumal man an relevante Informationen auch über Mails, Rundbriefe und Internet kommt, oder?

Ja. Früher ging man zu Versammlungen, um sich zu informieren. Heute geht das auch anders. Da findet ein Wandel statt. Und man muss zugeben, dass unsere Mentalität auch dazu beiträgt: „Nix gsagt is scho gredt gnua. Des macha de scho.“ Dabei geht es ja nicht nur um die Informationen als solche.

Sondern?

Es geht auch um den gemeinsamen Austausch. Welche Erfolge gibt es, welche Probleme? Wie geht man in anderen Landkreisen mit einem Problem um? Kommunikation ist wichtig – man darf sich nicht nur im eigenen Kosmos bewegen. Daher ist so ein Treffen eine gute Gelegenheit, um sich auszutauschen. Unsere VVG ist immerhin Deutschlands größter Lebendrindvermarkter – von konventioneller Haltung bis hin zu Bio. Der Markt verändert sich ständig, und darauf stellt sich die VVG ein.

Wohin geht denn der Trend für die Bauern?

Klar ist, dass es in Richtung Qualität und Regionalität geht. Die Nachfrage nach Bio-Produkten ist groß, aber wir können sie aktuell mit unserer eigenen Landwirtschaft, die überwiegend noch konventionell ausgerichtet ist, nicht decken. Das zu ändern, ist ein Ziel. In dieser Hinsicht können wir von Österreich lernen. Dort hat die Politik das Potenzial von Bio früh erkannt, Qualitätskriterien definiert und es zu regionalen Produkten aufgebaut. Auch bei uns hat sich in dieser Hinsicht einiges getan, aber es gibt noch viel Potenzial.

Viele konventionell produzierende Betriebe scheuen sich aber vor dem Schritt in Richtung Bio.

Deshalb hat die VVG ein neues Programm für Qualitätsfleisch geschaffen: die Grünland-Kuh. Mit bestimmten Kriterien soll es konventionellen Erzeugern helfen, sich aus der Masse abzuheben. Dazu gehören mindestens 40 Prozent Grünlandbeweidung, Herkunft aus Bayern oder Baden-Württemberg, keine Verwendung gentechnisch veränderter Organismen sowie eine Zertifizierung.

Rechnet sich das?

Schon. Es bringt einen garantierten Mehrerlös von 20 Cent je Kilo Schlachtgewicht. Das ist die Richtung, um konventionellen Erzeugern einen Ansatz zu mehr Qualitätsmerkmalen zu bieten und so auf die Nachfrage am Markt zu reagieren. Neu ist, dass es auch für Biokälber 20 Cent Zuschlag gibt. Vor zehn Jahren war damit nicht zu rechnen. Den Zuschlag für Biokühe gibt es schon länger. Der ist von 20 auf nun 70 Cent angewachsen.

ddy

Die Versammlung

der VVG findet am Donnerstag, 22. Februar, in Sachsenkam statt. Beginn ist um 13 Uhr im Altwirt. Auf dem Programm stehen neben Geschäftsbericht und Referaten die Entwicklung der Grünland-Kuh.

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