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Weniger ist mehr: Wer im Herbst die Blätter im Garten behält, unterstützt die heimische Tierwelt.

Und was auf gar keinen Fall

Biologe klärt auf: Was Igel & Co. im Winter wirklich brauchen

Was passiert mit den wilden Tieren im Garten, wenn die Nächte wieder kälter werden? Was sollte man tun und was lieber lassen, um die Artenvielfalt zu schützen? Ein Experte klärt auf:

Landkreis „Milch? Auf keinen Fall.“ Eine Aussage, die bei dem ein oder anderen für große Augen sorgen dürfte. Denn wer hat noch nicht mit seinen Kindern vor dem Fenster gewartet, bis ein kleiner, runder, stachliger Besucher vorbeigetrippelt kommt und seine rosa Zunge in die weiße Leckerei taucht?

Warngauer Biologe Henning Fromm.

Der Warngauer Biologe Henning Fromm weiß es besser: „Igel sind Insektenfresser. Die bekommen Bauchweh und Durchfall von der Milch. Wenn schon füttern, dann etwa mit Hackfleisch oder rohem Ei.“ Für die Wohnungssuche ist nicht unbedingt ein Holz- oder Laubhaufen nötig. Es reicht ein windgeschütztes, trockenes Eck, das nicht akribisch aufgeräumt ist, sodass der Igel einen Rückzugsort hat. Die Blätter für sein Häufchen sammelt er zur Not auch selbst. Einmal drin im Haufen, schläft die Stachelkugel meist bis April. Und dabei sollte man ihn auch nicht stören. „Einmal eingeigelt, sollte man ihm auch nicht die Decke vom Kopf ziehen“, sagt Fromm. Vorsicht also beim verbrennen und entfernen der Laubhaufen.

Doch oft kommen die Igel erst gar nicht in den Garten. Viele Grundstücksbesitzer riegeln ihren Garten regelrecht hermetisch ab. Die Zäune reichen teilweise bis zum Boden und hinein, da kommt selbst das kleinste Tierchen nicht mehr durch. Aber auch ein Igel will nicht auf der Straße leben. Ebenso wenig wie die Kröten, die sich in Laub und Strauch auf ihre Winterstarre vorbereiten.

Ein breit diskutiertes Thema ist die Fütterung der Vögel. Der eine sagt man sollte sie gar nicht füttern, der Andere meint, nur im Winter, der Dritte füttert sie das ganze Jahr. Für Fromm steht fest: „Die Vögel im Winter zu füttern ist eine hilfreiche Unterstützung – über den Rest lässt sich streiten.“ Worüber sich nicht nur Vögel, sondern auch Igel, Mäuse und Insekten freuen, sind Reste an Obstbäumen und Beerensträuchern. Die gefiederten Besucher sind dankbar für die letzten Zuckerreserven, und was auf den Boden fällt, verwertet der Rest der Bagage.

Wer ein Herz für Insekten hat, kann zum Beispiel Hummelnistkästen erwerben. Allerdings reicht es auch hier völlig aus, den Boden nicht „zu geschleckt“ aufzuräumen. Die kleinen Brummer überwintern in Mauselöchern oder unter dem Moos – und wer das entfernt, nimmt den Hummeln und vielen anderen Insekten mit ihren Eiern und Larven das Zuhause.

Für emsige Bienen ist die Freude an den ersten Blüten, die sich im Frühjahr durch die Schneedecke kämpfen, mindestens genauso groß wie für Dorfkinder das erste Gänseblümchen. Es lohnt es sich also, bereits im Herbst möglichst viele Blumenzwiebeln wie etwa Krokusse einzusetzen.

Was für die Einen gut, das für die Anderen schlecht. Die Rede ist vom Rindenmulch. Zwar freuen sich Regenwürmer über Material zum zersetzen, allerdings legt sich der Mulch wie Filz über den Boden und erstickt somit das Insektenreich.

Einen wertvollen Beitrag für Tier- und Umwelt leistet also derjenige Garten, der naturnah ist. Das heißt: voller Blumen, Sträucher und Obstbäume und frei von Gift und Gärtnern, die im Herbst jedes Blatt und Moosstückchen penibel entfernen.

von Leah Stefan

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