Was mich bewegt

Shitstorm im Stadtrat für den Besserwisser

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In unserer Rubrik „Was mich bewegt“ verraten Redaktionsmitglieder, worüber sie sich Gedanken machen. Für Miesbach-Berichterstatter Dieter Dorby war es die Standpauke im Stadtrat für seinen Schnee-Kommentar.

Für einen Shitstorm muss ich nicht bei Facebook sein. Diese Woche reichte mein Schnee-Kommentar, um im Miesbacher Stadtrat so ziemlich alle auf die Barrikaden zu bringen. So einig und sich sogar gegenseitig applaudierend habe ich sie noch nie erlebt. Wenn auch gegen mich...

Ich will nicht jammern. Wer austeilt, muss auch einstecken können. Was ich aber bedauere, ist der Umstand, dass die Adressaten der Kritik sich leider nicht angesprochen fühlten. Denn es ging NICHT um die Bauhofmitarbeiter, sondern um die Verantwortlichen im Rathaus, die vorgeben, was es zu beachten gilt.

Dass in so einem extremen Fall wie zuletzt improvisiert werden muss, ist ja klar. Aber das, was auch meine Redaktionskollegen kritisieren, ist nicht dem K-Fall geschuldet – es passiert ja jeden Winter aufs Neue: Sobald es richtig zu schneien beginnt, wird der Schnee in der Innenstadt zur Seite geschoben – auf die Parkplätze und Behindertenparkplätze. Hauptsache mal weg. Und da bleibt er dann liegen. Wäre also nicht schlecht, wenn es Pläne gäbe, die definieren, was zuerst geräumt wird und wohin der Schnee gebracht werden kann. Planung statt jedes Mal aufs Neue zu improvisieren.

Den Schwarzen Peter haben bislang die Autofahrer. Die, die ihre Kiste irgendwo abstellen müssen. Die zur Arbeit wollen, zum Zug, zum Arzt oder ins Amt. Natürlich habe auch ich auf der Waitzinger Wiese mein Glück versucht – egal ob gesperrt oder nicht. Not kennt kein Gebot.

Besonders chaotisch war es am Marktdonnerstag – woran ich ironisch betrachtet nicht unschuldig bin. Wenn die Einsatzzentrale im Rathaus erst am Mittwochvormittag durch meinen Anruf erinnert wird, dass morgen Markt ist, was man „gar nicht auf dem Schirm“ gehabt habe, muss man improvisieren – und der Bauhof nachts räumen. Aber auch ich lerne und gebe künftig früher Bescheid.

Im Ernst. Das Ärgerliche sind nicht fehlende Parkplätze, sondern das, was dahinter steht: deren untergeordnete Priorität. Die Kreisstadt hätte ja verkünden können: „Liebe Leute, kommt bitte nicht nach Miesbach. Verschiebt Arzt- und Behördentermine, Einkäufe und unseren beworbenen Culinaria-Mittagstisch, weil wir noch nicht Herr der Lage sind.“ Aber nein: Miesbach will Einkaufs- und Behördenstadt sein, mag Kunden reinlotsen – aber Probleme gerne wegschieben, wie Schnee. Nur: Die weiße Pracht schmilzt weg, die ungelösten Probleme kommen wieder. Im nächsten Winter.

ddy

Rubriklistenbild: © Thomas Plettenberg

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