Wasser marsch: Betriebsleiter Rainer List von den Stadtwerken München im Wasserschloss in Reisach, wo das Wasser aus dem Mangfalltal zur Weiterleitung in die Landeshauptstadt gesammelt wird.
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Wasser marsch: Betriebsleiter Rainer List von den Stadtwerken München im Wasserschloss in Reisach, wo das Wasser aus dem Mangfalltal zur Weiterleitung in die Landeshauptstadt gesammelt wird.

Gutachter soll zu Fragen Stellung beziehen

Wasserschutzzone: Ergebnisoffen ins Verfahren gehen

  • Stephen Hank
    vonStephen Hank
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Landrat Olaf von Löwis will ergebnisoffen in das Verfahren zur Neuausweisung der Wasserschutzzone gehen. An diesem Vorgehen soll auch der Fragenkatalog nichts ändern, der zur Beantwortung bei den Stadtwerken liegt.

Landkreis – Wo und wann ist es 2020 zu einer Verunreinigung des Münchner Trinkwassers gekommen, sodass der Landkreis sich gezwungen sehen könnte, umgehend ein Dünge- und Weideverbot im inneren Bereich der Wasserschutzzone zu erlassen? Diese und weitere Fragen liegen derzeit zur Beantwortung bei den Stadtwerken München. „Wir rechnen im Laufe des März mit der Rücksendung des Fragenkatalogs“, sagte Jurist Sebastian Schuh vom Landratsamt jetzt in der Sitzung des Kreisentwicklungsausschusses. Bekanntermaßen hatte das Landesamt für Umwelt (LfU) über die Regierung von Oberbayern „dringendst“ und mit Fristsetzung zum 31. März das Verbot gefordert – obwohl das Landratsamt gerade am Neustart des Verfahrens zur Neuausweisung der Wasserschutzzone Thalham-Reisach-Gotzing arbeitet.

Die Fristsetzung war rasch abgeräumt. Schon kurze Zeit, nachdem das Landratsamt mit dem Vorgang an die Öffentlichkeit gegangen war, habe ihn Umweltminister Thorsten Glauber (FW) angerufen und eine Fristverlängerung in Aussicht gestellt, berichtete Landrat Olaf von Löwis (CSU) im Ausschuss. Rückendeckung kam von den Bürgermeistern. Das Landratsamt hat jetzt bis Ende August Zeit. Bei den Fragen an die Stadtwerke handelt es sich für Löwis um „wesentliche Knackpunkte“, die ins Verfahren gehören. „Wenn wir die großen Probleme bereits vorher lösen, wäre das Verfahren nur noch Formsache“, erklärte er. Ihm gehe es aber darum, ergebnisoffen an die Sache heranzugehen und alle Betroffenen einzubinden: „Ich will, dass das Verfahren kommt und nicht in Verlegenheit geraten, vorher ein Verbot aussprechen zu müssen.“

Man werde die Antworten nun zunächst abwarten und dann hinterfragen und diskutieren. „Ich habe die Hoffnung, dass wir auch einen Gutachter finden, der dazu Stellung nehmen kann“, sagte Löwis. Sollte dies bis Ende August nicht abgeschlossen sein, werde man eine neuerliche Fristverlängerung beantragen.

„Damoklesschwert Schutzzone über dem gesamten Landkreis“

Obwohl nur ein Bruchteil der Landkreisbevölkerung im betroffenen Schutzgebiet lebt, ist das Thema mittlerweile von erheblichem öffentlichen Interesse. Trinkwasser geht schließlich alle an. Befürchtungen aus der Runde, dass die Wasserschutzzone über das geplante Maß hinaus erweitert werden könnte, teilte Jurist Schuh nicht. Ein neuer Schutzbedarf entstehe nur dann, wenn neue Quellen erschlossen würden. Dennoch sieht Waakirchens Bürgermeister Norbert Kerkel (FWG) das „Damoklesschwert Schutzzone“ über dem gesamten Landkreis schweben.

Was das juristisch komplexe Thema Altrechte – also das Gewohnheitsrecht der Stadtwerke, Wasser im Mangfalltal fördern zu dürfen – betrifft, so liest sich der Landrat derzeit in die umfangreichen Unterlagen ein. Schließlich werde er von den Bürgern immer wieder darauf angesprochen und um seine Meinung gebeten. „Das Thema Altrechte ist in den Köpfen der Leute“, sagte Löwis. „Ich möchte es deshalb wissen und verstehen.“

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