Wasserschloss Reisach
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Sinnbild für die Münchner Trinkwasserversorgung: Im Wasserschloss Reisach im Mangfalltal werden vier Grundwasserströme in Richtung München gebündelt. Von dort bezieht die Landeshauptstadt laut der Stadtwerke „bestes Trinkwasser“. Dennoch fordert das Landesamt für Umwelt „dringendst“ noch mehr Schutz.

Ausweitung von Wasserschutzzone

Brandbrief an die Staatsregierung: 17 Bürgermeister begehren auf - weil München zu viel Wasser braucht

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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In einem Brandbrief richten sich die Bürgermeister des Landkreises Miesbach an Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler). Es geht um die die geplante Ausweitung der Wasserschutzzone.

Miesbach - Es ist Brief mit viel Symbolkraft: Alle Bürgermeister der 17 Städte und Gemeinden des Landkreises haben ein Schreiben an Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) verfasst. Darin wehren sie sich gemeinsam gegen das Beweidungs- und Düngeverbot, das das Landesamt für Umwelt (LfU) über die Regierung von Oberbayern vor Kurzem vom Landratsamt gefordert hat, und stellen sich geschlossen hinter Landrat Olaf von Löwis (CSU).

Zugleich fordern sie den Minister auf, „die Anweisung zurücknehmen zu lassen und damit dem Landratsamt Miesbach die Möglichkeit zur Durchführung eines rechtsstaatlich einwandfreien und von unserer Bevölkerung akzeptierten Verfahren zu geben“.

Wasserschutzzone im Landkreis Miesbach: Weideverbot für heimische Landwirte - wegen Münchner Stadtwerken

Wie berichtet, hatte das LfU Ende Januar via der Regierung Oberbayerns ein Dünge- und Beweidungsverbot im inneren Bereich des Wasserschutzgebiets Thalham-Reisach-Gotzing gefordert – und das „dringendst“. Dabei wird das Verfahren zur Neuausweisung der Wasserschutzzone gerade neu vom Landratsamt aufgesetzt. Für das Verbot soll die Behörde eine Anordnung erlassen – ohne Möglichkeit für Betroffene, Einwendungen vorzubringen. Selbst eine Klage hätte keine aufschiebende Wirkung. Der Streit um die Wasserschutzzone an sich, zieht sich bereits seit Jahren.

Landwirte dürften dann auf den Flächen in der engeren Schutzzone „IIa“ weder Gülle noch Mist ausbringen und auch kein Vieh auf die Weide treiben. Dem erteilte Landrat Löwis öffentlich eine Absage und forderte seinerseits die Stadtwerke München (SWM) auf, die bekanntlich einen Großteil ihres Trinkwassers aus dem Mangfalltal beziehen, zu erläutern, „wann und wie sich eine Gefährdung der Landeshauptstadt ergeben hat“.

Brandbrief an Staatsregierung: Bürgermeister im Landkreis Miesbach gegen Ausweitung von Weideverbot

„Wir wollen damit den Landrat stärken“, erklärt Miesbachs Rathauschef Gerhard Braunmiller (CSU), der als Bürgermeister der Kreisstadt gebeten worden war, als Sprecher zu fungieren. „Das ohne vorheriges Verfahren geforderte Beweidungs- und Düngeverbot hat uns alle sehr verwundert. Auch ist nicht ersichtlich, warum diese Anordnung ,dringendst‘ erforderlich sein soll.“

Die Anregung zum Brief kam laut Braunmiller von dessen Tegernseer Amtskollegen Johannes Hagn (CSU). Eine Umfrage unter allen Bürgermeistern habe die Bereitschaft gezeigt, den Landrat bei seiner bereits öffentlich dargelegten Vorgehensweise zu unterstützen. In der Folge habe man sich mit diesem – ganz coronakonform – per Mail abgestimmt.

Miesbachs Rathauschef Gerhard Braunmiller fungiert als Sprecher der Bürgermeister.

Angst vorm „ungebremstem Wachstum der Stadt München“ - Bürgermeister aus Miesbach schreiben Brandbrief

Dass nicht nur die von der Ausweitung der Wasserschutzzone betroffenen Kommunen Miesbach, Valley, Warngau und Weyarn den Landrat dabei unterstützen, sondern auch deren nicht betroffene Kollegen, liegt laut des Briefes an Glauber daran, dass auch alle anderen Kommunen die Befürchtung hätten, „dass durch das ungebremste Wachstum der Stadt München und der Umlandgemeinden diese Zonen in Zukunft erheblich ausgeweitet werden“. Das jetzt gewählte Vorgehen mit der Forderung nach einem Beweidungs- und Düngeverbot „schafft kein Vertrauen“.

Wie ernst es den Rathauschefs in dieser Sache ist, beweist laut Braunmiller der Umstand, dass es bislang eine solche breit dokumentierte Einigkeit nicht gegeben habe. „Es geht darum, Farbe zu bekennen.“ Die Angst sei groß, dass die Kommunen in ihren Entwicklungsmöglichkeiten beschnitten werden. Zumal es auch Sorge gebe, dass das Wasserschutzgebiet in späteren Schritten weiter in Richtung Tegernseer Tal vergrößert werden könnte. „Wir wollen ein gemeinsames, vernünftiges und ordnungsgemäßes Verfahren“, betont Braunmiller. „Und das wird auch von der Bevölkerung so gefordert.“

ddy

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