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Wasserschutzzone: Regierung fährt Landrat in die Parade

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Quelle des Münchner Trinkwassers: das Wasserschloss Reisach. Die Erweiterung der Schutzzone trifft auf erheblichen Widerstand. Nun zoffen sich auch die Behörden.
Quelle des Münchner Trinkwassers: das Wasserschloss Reisach. Die Erweiterung der Schutzzone trifft auf erheblichen Widerstand. Nun zoffen sich auch die Behörden. © Thomas plettenberg

Miesbach/München – Hier flammt ein Behörden-Zoff auf. Die Regierung von Oberbayern hat am Freitagnachmittag das Landratsamt Miesbach erneut aufgefordert, in der Zone IIa des Wasserschutzgebiets Thalham-Reisach-Gotzing ein Dünge- und Beweidungsverbot zu erlassen.

Besonders heikel: Das Gutachten bezweifelt den Sinn der angeordneten Maßnahme. In Form und Inhalt ist der Schritt der übergeordneten Behörden, wozu auch das Landesamt für Umwelt (LfU) gehört, ein Affront gegenüber der Miesbacher Behörde mit Landrat Olaf von Löwis (CSU) an der Spitze. Der ist entsprechend „erschüttert“, wie er auf Anfrage sagt.

Regierung von Oberbayern: Erst keine Reaktion, dann plötzlich eine Anordnung

Wie berichtet, hatte die Regierung das Landratsamt heuer schon im Frühjahr aufgefordert, in der Schutzzone IIa ein Dünge- und Beweidungsverbot auszusprechen und eine sehr enge Frist gesetzt. Für Letzteres entschuldigte sich Umweltminister Thorsten Glauber (FW) dann persönlich, man vereinbarte, ein Gutachten erstellen zu lassen, wie die Verunreinigungen des Trinkwassers der Stadtwerke München zustande kamen, die an ein paar Tagen im Jahr 2020 festgestellt wurden. Das Gutachten wurde am 23. August an Regierung und LfU weitergeleitet mit der Bitte um Stellungnahme und dem Hinweis auf leichten Zeitdruck, weil Löwis der Öffentlichkeit Transparenz versprochen hatte. Letztere wollte das Landratsamt eben am Montag herstellen, wovon auch die übergeordneten Behörden in Kenntnis gesetzt wurden. Reaktion laut Landratsamt: keine. Bis eben Freitag kurz nach 15 Uhr die neuerliche Anordnung kam. Und wieder beinhaltet sie eine Frist: Bis 1. Dezember soll das Landratsamt das Dünge- und Beweidungsverbot aussprechen.

Übergeordnete Behörden widersprechen Auffassung von Hydrogeologie-Professor

Die Regierung von Oberbayern schreibt in einer entsprechenden Pressemitteilung, dass sie das Ergebnis des Berliner Hydrogeologie-Professors Uwe Tröger nicht teilt. Das Gutachten „ist aus Sicht der Regierung von Oberbayern nicht geeignet, die Besorgnis einer hygienischen Gefährdung durch Beweidung beziehungsweise Wirtschaftsdüngereinsatz auf Flächen der geplanten Zone IIa auszuräumen“, heißt es wörtlich. Auch das Landesamt für Umwelt halte an seiner bisherigen Auffassung fest. „Fachlich nicht hinreichend“, sagt die Regierung auf Anfrage über das Gutachten.

Gutachten sieht keine Notwendigkeit für Dünge- und Beweidungsverbot - LfU schon

Damit nehmen diese Behörden das Ergebnis der Expertise vorweg. Wie Löwis gegenüber unserer Zeitung bestätigt, sieht Tröger nämlich mitnichten in der Düngung und Beweidung Gründe für Verunreinigungen des Trinkwassers. Ein Verbot führe folglich gar nicht zum Ziel. Vielmehr führt er Hochwasser und Starkregen als Ursachen an. Wie berichtet, war schon das Landratsamt skeptisch geworden, weil die festgestellten mikrobiologischen Belastungen an drei Tagen im Februar und einem Tag im August aufgetreten seien. Und zumindest für den Februar scheiden Düngung und Beweidung als Ursachen aus. Belastet war das Trinkwasser in München übrigens zu keinem Zeitpunkt, weil der Zulauf früh abgeriegelt wurde.

Landrat von Löwis schwerst irritiert

Das Gebaren von Regierung und LfU nennt Löwis zurückhaltend „überraschend“. Faktisch torpediert es das Bemühen des Landrats, ein offenes und transparentes Ausweisungsverfahren durchzuführen. Bekanntlich soll die Wasserschutzzone rund um das Wasserschloss Reisach deutlich erweitert werden, was zu erheblichen Widerständen der Betroffenen – unter anderem auch der Stadt Miesbach – führt. Behörden, die gutachterliche Erkenntnisse negieren, wirken auf die Skeptiker nicht gerade vertrauensbildend. Es entsteht der Eindruck der Vorfestlegung.

Warum Regierung und LfU ihre Bedenken nicht vor einer neuerlichen Anordnung formuliert haben, fragt sich auch Löwis. „Man kann das fachlich diskutieren. Ich bin ja gesprächsbereit.“ Wie es nun weitergeht, ist nicht ganz klar. Löwis hält das Tröger-Gutachten für „fachlich plausibel“. Lehnt er ein Dünge- und Beweidungsverbot ab, bliebe der Regierung von Oberbayern wohl nur eine Ersatzvornahme. Aktuell will sich ein Sprecher dazu nicht äußern. „Das müssen wir entscheiden, wenn es soweit ist.“

Weitere Berichte zum Thema: Wasserschutzzone: Verein hofft auf Informationen zu Verunreinigungs-Gutachten und Altrechten

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