Mountainbiker fahren den Taubenberg hinauf.
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Im Webinar „Bergwald, Bike und Biotop“ von Hans Urban ging es um Möglichkeiten der Entzerrung und des Respekts im sensiblen Alpenraum (Symbolbild).

„BERGWALD, BIKE UND BIOTOP“

Webinar von Hans Urban: Natur ist nicht nur Lifestyle-Kulisse - „Müssen jetzt anfangen, etwas zu tun“

  • vonHeidi Siefert
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Im Webinar „Bergwald, Bike und Biotop“, zu dem Grünen-Abgeordneter Hans Urban geladen hatte, forderten Experten klare Spielregeln und Aufklärung.

Landkreis – „Für manchen Berg ist es fünf nach zwölf“, konstatierte Bergfotograf Bernd Ritschel anlässlich des dritten und vorläufig letzten Webinars zum Thema „Bergwald, Bike und Biotop“. Dazu hatte Hans Urban, forst- und jagdpolitischer Sprecher der Grünen im Bayerischen Landtag, eine abermals illustre Expertenrunde eingeladen. Einmal mehr ging es um Möglichkeiten der Entzerrung und des Respekts im sensiblen Alpenraum, der einem unverminderten Freizeitdruck ausgesetzt ist.

„Es ist ein Thema, das mich persönlich sehr berührt“, schickte der 58-Jährige voraus. In Wolfratshausen geboren, in Kochel zuhause, mache er seit 45 Jahren nichts anderes, als hier unterwegs zu sein. Dabei habe sich „wahnsinnig viel verändert“. Beispielhaft nannte Urban frühmorgendliche Fototouren auf den Jochberg. Über Jahrzehnte sei er dabei völlig allein gewesen – heute treffe er dort Dutzende an, die auf den Sonnenaufgang warteten. Zur benachbarten Sonnenspitze habe es einen etwa 50 Zentimeter breiten Pfad gegeben, den an stark frequentierten Tagen bis zu 50 Wanderer nutzten. Aktuell sei der Weg teilweise zehn Meter breit, weil ihn bis zu 800 Personen täglich gingen.

Webinar von Hans Urban: Alpine Landschaften kein Spielraum - Situation soll entzerrt werden

Zur Belastung der Böden komme dabei auch der Druck auf die Tierwelt. „Ich war immer freiheitsliebend und vermeide Verbote, wo es geht, aber um ein paar wird man angesichts der explodierenden Zahlen nicht herum kommen“, sagte der leidenschaftliche Alpinist und plädierte für klare Spielregeln. „Wir müssen jetzt anfangen, etwas zu tun. Kommissionen allein reichen nicht.“

Alpine Landschaften sind kein Spielraum, sondern Naturraum, betonte Friedl Krönauer, Sprecher des Bunds Naturschutz Bad Tölz-Wolfratshausen, der – selbst auch Mountainbiker – den einst vorhandenen Ethos unter Trailfahrern vermisste, keine Spuren auf dem Waldboden zu hinterlassen. Für Erosionsspuren seien freilich nicht nur Radler verantwortlich, sondern ebenso Fußgänger auf Abkürzern jenseits des Wegeverlaufs. Es sei entscheidend, das Empfinden dafür zu schärfen, dass die Natur nicht nur Kulisse für einen Lifestyle ist.

Hier sah die Runde insbesondere auch Anbieter von Outdoor-Plattformen in der Pflicht. „Uns geht es darum, Leuten das Rausgehen so einfach wie möglich zu machen“, erklärte Markus Hallermann, Mitbegründer des Portals Komot, das zwölf Millionen Deutsche und 19 Millionen weltweit nutzen. Der gebürtige Kleinwalsertaler reklamierte für die App, die Situation zu entzerren, weil sie die große Chance biete, Menschen „in der Breite in die Natur zu bringen“, also dem Städter Alternativen in der Nähe seiner Heimat aufzuzeigen.

Urban will sich selbst ein Bild über die Aufklärung durch Ranger machen

Hallermanns Erklärung, gesperrte Wege nicht ins Tourenportal aufzunehmen, verwunderte Grünen-Kreisrat und Förster Robert Wiechmann: Da Forst- und Naturrecht grundsätzlich klar regelten, auf welchen Wegen Radler fahren dürften, gebe es keine ausgewiesenen Verbote. Insofern könne eine entsprechende Selektion nicht funktionieren.

Auf eine wissenschaftliche Basis stellte Volker Audorff, Sportökologe an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth, die Thematik. Angesichts der rasend schnellen Entwicklung könne man aus seiner Sicht nicht mehr nur auf Eigenverantwortung und Respekt setzen. Zumal den Sportlern zunehmend der natürliche Filter für den Umgang mit der Natur fehle. Hätte man früher in einem sozialen Umfeld von erfahrenen Alpinisten das Verhalten draußen gelernt, sei dies heute kaum mehr der Fall. Dabei seien die Menschen durchaus aufgeschlossen.

Allerdings reichten bloße Verbote nicht aus, die Hintergründe dafür müssten schlüssig kommuniziert werden. Die im Oberland zunehmend eingesetzten Ranger, die nicht strafen, sondern sensibilisieren sollten, haben dabei eine wichtige Rolle. Über den Sommer will Urban nach draußen gehen, sich direkt in den Bergen ein Bild davon machen, wie und ob Kommunikation gelingt. Eine Fortsetzung des Webinar-Formats mit Fachleuten und viel Raum für Diskussionen soll es im Winter geben. (sie)

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