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Betreten verboten: Mit diesem Flatterband ließ die Immobilienverwaltung des Freistaats am Freitagmittag ein Drittel des Gärtnereigeländes, das Manfred Unützer betreibt, sperren.

Nach Flöz-Untersuchung

Wegen Einsturzgefahr: Freistaat sperrt Gärtnereigelände

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Die Immobilienverwaltung des Freistaats Bayern hat Teile der Gärtnerei Unützer in Miesbach sperren lassen. Es soll die Gefahr bestehen, dass der Boden wegen darunter liegender Bergbaustollen einbricht. Im Familienbetrieb ist man fassungslos.

Es war gewissermaßen kurz vor Dienstschluss. Am Freitagvormittag rückten Vertreter von Immobilien Bayern, der Immobilienverwaltung des Freistaats, Am Gschwendt in Miesbach an und begannen, Teile der Gärtnerei Unützer mit Flatterband abzusperren. Just auf jenem Gelände, das der Betrieb vom Freistaat gepachtet hat. Angekündigt hatte man sich einen Tag vorher per E-Mail – auf ein persönliches Gespräch hatte man verzichtet. Aber man hatte klare Forderungen gestellt: Unützer sollte das Areal räumen, weil es fortan niemand mehr betreten dürfe. Der Grund: Einsturzgefahr.

Für Unützer eine Geschichte wie in einer Komödie. „Seit 70 Jahren hat unsere Familie am Friedhof die Gärtnerei, und noch nie hat sich in dieser Zeit der Boden gesenkt“, sagt der Gärtner. Und jetzt auf einmal soll Gefahr drohen? Für seinen Betrieb hat die Anordnung katastrophalen Folgen. „Wir brauchen das Gelände und das Foliengewächshaus. Im Oktober sollen dort 15 000 Pflanzen hinein. Wie soll das gehen, wenn keiner mehr hinein darf?“ Zwar wurde ihm versichert, dass der Freistaat für durch die Sperrung entstandene Schäden aufkomme, aber das ist für Unützer keine Lösung: „Ich kann doch nicht einfach so Aufträge ignorieren und meine Kunden hängen lassen. Die vertrauen mir doch.“

Ebenso überrascht wie die Unützers wurde auch Miesbachs Bürgermeisterin Ingrid Pongratz. Sie erfuhr am Freitagmittag von den Vorgängen und machte sich umgehend mit dem städtischen Tiefbautechniker Jürgen Brückner vor Ort ein Bild von der Situation. „Das kommt sehr überraschend“, sagt die Rathaus-Chefin, die den Vorgang als „Hauruck-Aktion“ einstuft. Dass die Angelegenheit im Vorfeld nicht mit der Stadt besprochen und nach einer maßvollen Lösung gesucht worden sei, versteht sie nicht. Zumal sich in unmittelbarer Nachbarschaft auch das Seniorenheim befindet. Dies ließ sie mittlerweile auch die Präsidentin der Regierung von Oberbayern, Brigitta Brunner, wissen, zu deren Behörde das zuständige Bergamt Süd gehört.

Zur Erinnerung: Das Bergamt wurde im Zuge des geplanten Wohnungsbaus für anerkannte Asylbewerber und sozialschwache Miesbacher Am Gschwendt vom ausführenden Staatlichen Bauamt Rosenheim beauftragt, im Zuge des früheren Bergbaus den Untergrund zu untersuchen. Dabei traten offenbar Erkenntnisse zutage, die die Immobilien Bayern zur Sperrung veranlassten.

Pongratz will sich dafür einsetzen, dass eine für die Gärtnerei moderate Lösung gefunden wird – etwa Betreten und Nutzen auf eigene Gefahr, bis genaue Erkenntnisse vorliegen. Das kann dauern, denn die zuständige Sachbearbeiterin ist seit gestern im Urlaub. Wobei Pongratz die Sperrung auch nachvollziehen kann: „Wenn tatsächlich etwas passiert, wird gefragt, warum man nicht umgehend reagiert hat.“

Von Immobilien Bayern war gestern keine Stellungnahme zu erhalten. Auch Bürgermeisterin Pongratz wartet noch auf Antwort auf ihre E-Mail. die sie am Freitag nach München geschickt hat.

ddy

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