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Wegen Gaskrise: Warmbad von Miesbach heizt weniger

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Von: Dieter Dorby

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26,1 Grad am Freitagnachmittag: Noch ist es warm im Miesbacher Freibad – dank der Solaranlage. Wenn es aber kühler wird, soll zwar weiterhin mit Gas zugeheizt werden, aber mit 20 Grad weniger als bisher.
26,1 Grad am Freitagnachmittag: Noch ist es warm im Miesbacher Freibad – dank der Solaranlage. Wenn es aber kühler wird, soll zwar weiterhin mit Gas zugeheizt werden, aber mit 20 Grad weniger als bisher. © Thomas Plettenberg

Das Heizen mit Gas komplett einstellen oder lediglich die Badetemperatur im Miesbacher Warmfreibad zumutbar absenken – eine heikle Abwägung, die der Stadtrat in seiner aktuellen Sitzung zu klären hatte. Die zuletzt verhinderte Diskussion wurde nun nachgeholt. Eine Debatte über Krise und Opferbereitschaft.

Miesbach – Der Kanzler spricht von Zeitenwende, der Wirtschaftsminister von einer Gasversorgungskrise. Keine Frage: Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hat das Leben in Deutschland verändert. Die Frage ist nur: wie sehr und für wie lange? Die Experten sind sich aber einig, dass der nächste Winter hart wird. Schon jetzt ist sparen angesagt.

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Geht es nach Markus Seemüller (FWG), ist klar, dass die Lage längst extrem ernst ist. „Die Wirtschaft hat Existenzängste“, warnte er am Donnerstagabend mit Nachdruck im Stadtrat. „Es geht um die Versorgungssicherheit und den Erhalt unseres Wohlstands.“ Angesichts dieser Situation sei es für ihn alternativlos, beim Betrieb des Warmfreibads auf ein Beheizen mit Gas zu verzichten.

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Ein Schritt, den Seemüller bereits seit Mai immer wieder angesprochen und in der Sitzung im Juni dann gefordert hatte. Doch zur Abstimmung war es nicht gekommen, weil das Thema beim Tagesordnungspunkt „Unvorhergesehenes, Wünsche, Anträge“ aufgekommen war und die Vetostimmen von Verena Schlier (CSU) und Florian Hupfauer (FDP, fehlte diesmal) eine spontane Abstimmung verhindert hatten (wir berichteten). Der umgehende Antrag Seemüllers machte die Gasfrage nun offiziell zum Thema.

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Dabei wiederholte er die Notwendigkeit, konsequent Gas zu sparen und verwies auf Kommunen wie Nürnberg und Augsburg, die Hallenbäder geschlossen und die nächtliche Beleuchtung gedimmt haben. Sein Vorschlag: auf das Zuheizen mit Gas verzichten und nur auf die Solaranlage des Bads setzen.

„Den Ernst der Lage erkennen“

Dem schloss sich Fraktionskollege Michael Lechner an: „Es gibt keine Alternative zum Abschalten. Im Winter geht uns das Gas aus. Wir müssen uns jetzt anstrengen und den Ernst der Lage erkennen.“

Auch Warmbaderin stimmt zu

Zustimmung bekam Seemüller auch von Kick van Walbeek (Grüne), die ihn als bekennende Warmbaderin unterstützte: „Wir müssen ein Zeichen setzen, auch wenn es wehtut.“ Allerdings sollte Seemüllers Beschlussvorschlag nicht dauerhaft, sondern nur für 2022 wirken. „Vielleicht“, so ihre Hoffnung, „ist der Krieg dann ja vorbei.“

CSU reichen vier Grad weniger

Moderater zeigte sich die CSU, die einen Alternativ-Vorschlag eingereicht hatte. Darin soll das Heizen nicht mehr bis 23 oder 24 Grad erfolgen, sondern nur bis 20 Grad. Dies sei aber unumgänglich, wie Badreferent Erhard Pohl (CSU) betonte: „Es steht groß Warmbad drauf. Dafür braucht es eine bestimmte Stütztemperatur.“ Gerade jetzt in den Ferien habe das Bad große Bedeutung, „weil sich viele Familien mit Kindern nicht vier Wochen Adria leisten können. Die brauchen das Bad. Sonst fahren sie nach Fischbachau – das ist nicht ökologischer.“

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Der Verzicht auf drei, vier Grad sei „ein guter Beitrag“, fand Pohl. Zum Vergleich: Der Förderverein des Warmbads hatte in einem Brief ans Rathaus maximal ein Absenken auf 21 Grad zugelassen.

Ähnlich sah es Bauhofleiter Jürgen Fischer. Seit 14. Juli brauche das Bad kein Gas, aber ab Mitte August werde es problematisch. „Zwei, drei Tage mit 18 Grad schafft die Solaranlage, aber nicht bei 16 oder 17 Grad.“ Sonst müsste das Bad schließen, aber das sei in den Ferien schwierig. „2021 war zum Ferienende hin noch viel los.“

„Das reicht als Zeichen“

Schlier erklärte, warum sie gegen die Abstimmung gestimmt hatte: „Es sollte nicht hopplahopp gehen. Wir reden hier über ein bissl Gas, das wir verheizen.“ Kälteres Wasser sei mit kleinen Kindern nicht möglich. Manfred Burger (Grüne) hielt wie Florian Perkmann, Inge Jooß und Hedwig Schmid (alle SPD) sowie Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) den Alternativbeschluss für ausreichend: „Damit setzen wir ja ein Zeichen. Ganz ohne Heizen wird es aber schwierig.“ Naherholung habe eine soziale Komponente, ergänzte Familienreferentin Malin Friese (Grüne).

Seemüllers Antrag, den Mai-Beschluss aufzuheben, wurde bei fünf Ja-Stimmen abgelehnt. Der CSU-Vorschlag ging bei vier Gegenstimmen durch.

ddy

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