Wegen Körperverletzung vor Gericht

Angeklagter über Motorradclub: „Da sollten mich welche umbringen“

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Ein wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagter Miesbacher (31) wurde kürzlich aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Vor Gericht erzählte er wahre Schauergeschichten von einem Motorradclub.

Miesbach – Morddrohungen, Drogendelikte und Bandenstruktur – was ein 31-jähriger Miesbacher jetzt im Amtsgericht über einen lokalen Motorradclub erzählte, klang nach Geschichten, wie man sie sonst im Zusammenhang mit Rockerbanden wie den Hells Angels hört. Der 31-Jährige war angeklagt wegen Körperverletzung – es soll dabei um seinen Austritt aus dem Crazy Devil’s Club (siehe Kasten) gegangen sein.

Breit gebaut, mit Kapuzenpulli, Brille und gegelten Haaren, so saß der Angeklagte neben seinem Verteidiger. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, im Juli 2016 vor der Schlossleitn Bar in Miesbach einem Mann (34) durch einen Faustschlag eine Platzwunde und eine zerbrochene Brille beschert zu haben. Der Angeklagte stritt ab und erzählte stattdessen, in welcher Verbindung er zu dem Mann gestanden haben will.

Motorradclub soll Schutz im Knast bieten

Der angeklagte Miesbacher ist mehrfach vorbestraft und musste schon einige Haftstrafen verbüßen. Vor der jüngsten Inhaftierung habe er den heute 34-Jährigen kennengelernt, der ihm den Motorradclub Crazy Devil’s vorstellte. „Er hat mir gesagt, die können mir im Gefängnis helfen“, sagte der Miesbacher. Auch nach der Haft war er Mitglied in dem Club, obwohl er gar kein Motorrad besaß, nicht einmal einen Führerschein.

Die Freundschaft habe bis zu seinem 30. Geburtstag gehalten. Das spätere Opfer soll an diesem Tag in der Wohnung des Angeklagten Kokain genommen haben, obwohl dessen zehnjähriger Patensohn danebenstand. „Da hatte ich keine Lust mehr auf den Club“, sagte der Angeklagte. Seinem Ausstieg sollen tätliche Übergriffe und Drohungen seitens der Club-Mitglieder gefolgt sein. „Da sollten mich welche umbringen.“ An besagtem Abend im Juli 2016 traf der Angeklagte in der Schlossleitn Bar auf seinen früheren Kumpel, und es kam zum Streit – das bestätigten Zeugen vor Gericht.

Was jedoch keiner sagen konnte: Warum blutete der 34-Jährige später über dem rechten Auge? Auch der erinnerte sich nicht mehr. „Ich war sehr betrunken“, sagte er als Zeuge in der Verhandlung aus. Vor Ort hatte er gegenüber der Polizei erwähnt, dass es der Angeklagte gewesen war, der ihm einen Schlag verpasst hatte. Jetzt, Monate später, erinnerte sich der Mann nicht einmal mehr daran, überhaupt mit der Polizei gesprochen zu haben. Auch weitere geladene Zeugen glänzten vor allem mit Gedächtnislücken.

Richter Walter Leitner: Freispruch fünfter Klasse

Über die Crazy Devil’s sagte der Geschädigte vor Gericht: „Das ist keine Rockergruppe, sondern einfach ein Motorradclub.“ Den Angeklagten habe man rausgeworfen, weil er immer so aggressiv gewesen sei. „Wir sind auch keine Hells Angels“, sagte der Zeuge weiter. „Wenn du da austrittst, ist das auch nichts anderes als beim TEV.“ Den Angeklagten fragte Amtsrichter Walter Leitner, warum er überhaupt beigetreten sei. „Ich habe mich von dem Drumherum blenden lassen“, lautete dessen Antwort. Nach seinem Austritt habe er aber sogar Angst um seine Freundin und deren Kind gehabt.

Die Angst vor dem Club nutzte die Verteidigung, um auf unschuldig zu plädieren. „Wie lebensmüde müsste der Angeklagte sein, dem anderen vor Publikum eine zu scheuern?“, fragte Rechtsanwalt Andreas Michel bei seinem Plädoyer. Sein Mandant hatte zuvor bereits gesagt, dass „die mich dann mit Sicherheit umgebracht hätten“. Der Staatsanwältin imponierte das wenig. Sie forderte eine fünfmonatige Haftstrafe – schließlich war der Angeklagte zur Tatzeit auf Bewährung auf freiem Fuß.

Im Zweifel für den Angeklagten – Leitner sprach den 31-Jährigen frei. Er nannte es allerdings einen Freispruch fünfter Klasse. „Meine innere Meinung ist eine andere als das, was jetzt herausgekommen ist“, sagte er noch. Der Angeklagte ist ihm kein Unbekannter. „Bei Ihnen geht das ruckzuck, dass sie sich provozieren lassen und die Nerven verlieren.“ Unfall unter Alkoholeinfluss oder doch ein Schlag – beweisen konnte das am Ende niemand.

Der Crazy Devil’s Motorradclub: polizeilich nicht auffällig

Bekannt sei ihnen der Motorradclub Crazy Devil’s zwar schon, sagt Stefan Sonntag, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd. „Aber Probleme gab es in jüngster Zeit keine.“ Der Club, der seinen Hauptsitz in Garmisch-Partenkirchen hat – unter den Bikern als Motherchapter bekannt – hatte lediglich im Sommer 2012 mal mit der Polizei zu tun. Im Clubhaus in Peißenberg und in der Unterkunft in Murnau hatte es Razzien gegeben, weil die Polizei gegen Mitglieder wegen Drogen- und Waffenmissbrauchs ermittelt hatte. Sonst ist der Club bisher nie polizeilich aufgefallen. „Es handelt sich wohl tatsächlich nur um einen Motorradclub“, sagt Sonntag. Sobald auch nur ein Anfangsverdacht bestünde, gehe die Polizei dem nach. Walter Leitner, Strafrichter am Amtsgericht Miesbach, hatte bis jetzt noch nie mit den Crazy Devil’s zu tun, noch nicht einmal von ihnen gehört. Der Club, der nach Angaben auf seiner Homepage seit den 1980er-Jahren existiert, hat auch Ortsgruppen in Miesbach und Hausham und ist mit seinen Chaptern, den Ortsgruppen, in ganz Oberbayern vertreten.

nip

Rubriklistenbild: © dpa

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