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Zähes Ringen: Der Bolzplatz Am Gschwendt soll erhalten bleiben – nur wo und wie? 

Fußballfeld wird zum Politikum

Wegen Streit um Bolzplatz: Stadt Miesbach plant Infoabend zum Wohnungsbau

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Bolzplatz oder Spielfläche – bevor die Entscheidung darüber in einen Bebauungsplan gegossen wird, soll es eine öffentliche Infoveranstaltung zum Bauvorhaben Am Gschwendt in Miesbach geben.

Die Einleitung, die Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) wählte, war recht nüchtern: „Ich muss Sie enttäuschen. Wir haben keinen Bolzplatz.“ Wie in der vorherigen Sitzung vom Stadtrat beauftragt, habe sie Kontakt mit einem Grundstückseigentümer aufgenommen, um ein Areal für den gewünschten Bolzplatz zu bekommen, doch das Gespräch sei ohne Erfolg geblieben.

Wegen Streit um Bolzplatz: Stadt Miesbach plant Infoabend zum Wohnungsbau

Wie berichtet, muss für den geplanten Wohnungsbau Am Gschwendt hinter dem Friedhof der Bolzplatz weichen. Zwar sieht die Planung einen Grünstreifen mit Spielplatz vor, jedoch nicht ausdrücklich einen Bolzplatz. Das Gremium hatte deshalb in der November-Sitzung die Bürgermeisterin nach hitziger Diskussion und mit knapper 13:11-Mehrheit beauftragt, eine Alternativfläche zu finden – ohne Erfolg.

Die ins Auge gefasste Fläche an der Tölzer/Ecke Ableitnerstraße steht also nicht zur Verfügung. Dies gilt auch für das Grundstück des Freistaats Bayern, auf dem zunächst einfache Wohnhäuser für anerkannte Asylbewerber und sozialbedürftige Miesbacher geplant waren, die jedoch wegen des unsicheren Untergrunds – bedingt durch einen Bergbaustollen – derzeit nicht verwirklicht werden. Jedoch, so berichtete die Bürgermeisterin, sei die Fläche weiterhin für Sozialen Wohnungsbau durch die Bayernheim GmbH reserviert.

Angst vor der Sportanlagenlärmschutzverordnung

Grundsätzlich – das war schon vorher klar – wäre auch der neue Grünstreifen hinter dem Friedhof zum Fußballspielen geeignet, aber nicht ausdrücklich als Bolzplatz, Grund ist die Sportanlagenlärmschutzverordnung, wie Bauamtsleiter Lutz Breitwieser erklärte. Demnach brauche es mindestens 30 Meter Abstand zwischen Bolzplatz und Wohnhaus. Auch feste Öffnungszeiten seien zu beachten. Fazit: Dies sei an dieser Stelle nicht umsetzbar.

Lesen Sie auch: So sehen die Baupläne Am Gschwendt aus

Dagegen sei auf der geplanten Grünfläche Fußballspielen möglich, jedoch dürfe man dieses Gelände nur allgemein als Spielfläche bezeichnen. Sonst greife die Verordnung. Breitwieser: „Ein Spielplatz mit Wiese mit Altersbegrenzung und Ruhezeiten, das könnte auch im Wohngebiet funktionieren.“

Markus Seemüller (FWG), der sich federführend für einen Bolzplatz stark macht, gab jedoch zu bedenken, dass am Friedhof auch Jugendliche kicken, die älter als 14 Jahre sind. „Was ist mit denen?“ Zugleich verwies er auf die Liste mit 230 Unterschriften. „Das Thema bewegt die Menschen, wir müssen aber auch Wohnraum schaffen.“ Daher regte Seemüller an, eine Infoveranstaltung vor dem Stadtratsbeschluss im Januar zu machen.

Infoabend auch ohne die Bürgermeisterin?

Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) sprach sich gegen eine vorschnelle Einigung pro Grünstreifen aus: „Wir sollten bei der Suche nach Alternativen nicht so schnell aufgeben.“ Da am Wohnungsbau kein Zweifel aufkommen soll, sei die öffentliche Versammlung eine gute Idee. Dagegen bezweifelte Dirk Thelemann (CSU) ob die Infoveranstaltung der geeignete Weg ist: „Wen es später betrifft, das steht ja jetzt noch nicht fest.“

Für Inge Jooß (SPD) schlug die Diskussion zu hohe Wellen: „Wir spielen Wohnungen gegen Bolzplatz aus. Da ziehen Leute mit Kindern hin – da erwarte ich Verständnis.“ Erhard Pohl (CSU) sah es pragmatisch: „Wenn es mit der Bolzplatz-Definition nicht geht, dann machen wir eine Fläche zum Ballspielen.“ Als Altersgrenze reiche es, 16 Jahre festzulegen. „Danach sind sie eh flügge.“ Auch Manfred Burger (Grüne) blickte auf das Ergebnis: „Am wichtigsten ist es, die Spielfläche so zu überplanen, dass sie nicht weggeklagt werden kann.“

Der Stadtrat sprach sich einstimmig für eine Infoversammlung aus, deren Termin die Bürgermeisterin festlegt (siehe Kasten). Dabei soll auch die Parkplatzsituation Thema sein. Erst im Anschluss beschließt der Stadtrat den Bebauungsplan.

Über Termine entscheidet die Chefin

Eine bemerkenswerte Diskussion gab es zur Frage, wann die Infoveranstaltung stattfinden soll. Seemüller hatte eingangs die dritte Kalenderwoche 2020 fix benannt, um der Stadtratssitzung am 23. Januar noch zuvorkommen zu können. Doch Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) trat auf die Bremse: „Da bin ich nicht da.“ Für ihren zweiten Stellvertreter Michael Lechner (FWG) war das kein Hinderungsgrund: „Dann macht’s der Zweite Bürgermeister, und der Dritte Bürgermeister hilft auch mit.“ Was die Rathauschefin nicht gerade lustig fand. Als Seemüller ebenfalls auf ihre beiden Stellvertreter verwies, stellte sie fest: „Ich lasse mir keinen Termin aufdrücken. Den werde ich festlegen.“ Auch lehnte sie es ab, das Wort Bolzplatz zu nennen – das Thema soll allgemein gehalten sein: Infos zum Bauvorhaben Am Gschwendt.

ddy

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