Warmfreibad Miesbach
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Was wird aus dem Warmfreibad Miesbach? Die gewünschte Sanierung light ist nicht problemlos umsetzbar. Der neue Stadtrat soll deshalb entscheiden, ob er das 3,3-Millionen-Euro-Paket anpacken will. 

Billiglösung reicht nicht

Wegen Wasserqualität: Doch keine „Sanierung light“ im Warmbad Miesbach

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Weil das Geld fehlt, wollte die Stadt im Warmfreibad Miesbach auf eine „Sanierung light“ setzen. Doch mit der Billiglösung lässt sich die Wasserqualität nicht garantieren.

Miesbach – Sportlich betrachtet war es eine fast schon olympische Herausforderung, die im Stadtrat auf Erhard Pohl (CSU) wartete. Der Badreferent musste erklären, warum die Rolle rückwärts, die er im August 2019 noch als Wunschlösung gepriesen hatte, nun doch wieder zurückgedreht werden muss.

Wie berichtet, hatte man seitens der Stadt im Sommer ein Gespräch mit dem Landratsamt geführt. Als Durchbruch wurde damals verkündet, das Warmfreibad müsse nicht für über drei Millionen Euro umgebaut und runderneuert werden. Es reiche, die alte Folie und die in die Jahre gekommene Technik auszutauschen. Damit lägen die Kosten bei einer Million Euro. Pohl zeigte sich damals zufrieden: „Wir bekommen nun das, was wir wollen. Die Miesbacher wollen ihr Freibad so behalten, wie es ist.“ Jetzt gab er zu: „Wir haben damals aufgrund der Haushaltslage nach einem Strohhalm gegriffen.“

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Denn leider hatte man 2019 einen nicht unwesentlichen Halbsatz vergessen: Laut Landratsamt sei eine Sanierung light nur möglich, wenn die Wasserqualität dauerhaft den gesetzlichen Vorgaben entspreche. Dass dies kaum zu schaffen ist, teilten nun Planer Josef Krautloher aus Vilshofen und Dirk Hartisch, Geschäftsführer des Planungsbüros Möller und Meyer in Gotha, dem Stadtrat mit.

Fürs Gesundheitsamt zählt die Wasserqualität

Man habe intensiv die Sanierung light diskutiert, bestätigte Hartisch, „aber für das Gesundheitsamt zählt die Wasserqualität“. Die lasse sich mit der Billiglösung nicht garantieren. Wolle die Stadt dennoch die Light-Variante umsetzen, „müssten wir uns befreien lassen“. Das heißt: Die Planer lehnen jede Haftung ab. Noch schlimmer: Sperrt das Landratsamt das billig sanierte Bad zu, muss teuer nachsaniert werden.

Schon die Einströmung des frischen Wassers passe nicht. Die muss laut Hartisch gleichmäßig erfolgen, um einen ordentlichen Austausch zu gewährleisten. Auch brauche es Überlaufbehälter: Einer soll das ablaufende Überschwallwasser auffangen, einer diene zur Reinigung mit Filtern, und einer sei nötig, um den Filterbehälter zu reinigen. Bislang wird in Miesbach kein Wasser aufbereitet, sondern in den Kanal geleitet – ein großer Verlust an aufgewärmtem Wasser und Energie.

Krautlohers Plan sieht vor, das Becken von 60 Metern Länge auf 50 zu verkleinern. Zwei Bahnen sollen über die volle Wettkampfdistanz gehen, etwa acht sind 25 Meter lang und enden am eingezogenen Nichtschwimmerbereich. Statt mit Folie wird das Becken mit Edelstahl ausgekleidet – das verspricht 40 Jahre Haltbarkeit statt 20 bei einer neuen Folie.

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Sanierung soll 3,3 Millionen Euro brutto kosten

3,3 Millionen Euro brutto soll diese „herkömmliche Lösung“ kosten, die auch eine Verlegung des Technikgebäudes an die Badstraße vorsieht – bei mehr Fläche inklusive Wickelraum und behindertengerechtem WC. Denn: Barrierefreiheit ist ein Zuschusskriterium, erinnerte Krautloher und verwies darauf, dass für die Sanierung light keine Zuschüsse gebe. Aktuell bezuschusst das Förderprogramm des Freistaats, das die Stadt Miesbach bei der damaligen Bauministerin Ilse Aigner (CSU) maßgeblich eingefordert hatte, laut Krautloher Projekte im Schnitt mit 30 Prozent. Differenz: rund 1,5 Millionen Euro.

Doch Pongratz’ Plan, nun die weitere Planung der großen Lösung zu beauftragen, ging nicht auf. Markus Seemüller (FWG) hielt es für „nicht ideal“, so kurz vor der Wahl dem neuen Stadtrat nebst Stadtoberhaupt eine solche Haushaltsbürde mitzugeben. Die Freien Wähler beantragten deshalb eine Verschiebung des Themas um drei bis vier Monate nach der Wahl. CSU-Fraktionssprecher franz Mayer hielt dagegen: „Das ist eine Entmündigung des bestehenden Stadtrats.“ Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) zeigte Verständnis, dass angesichts der Kurzfristigkeit – viele Stadträte erfuhren davon erst vier, fünf Tage vor der Sitzung – „für Bauchgrimmen sorgt“. Er schlug ein Verschieben in die Februarsitzung vor, zog dann aber zurück. Auch monierte Seemüller, dass der im Juni 2018 angedachte „Arbeitskreis Bad“ kein einziges Mal einberufen worden sei. Was Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) zugab: „Den hatte ich nicht auf dem Schirm.“

Der Stadtrat beschloss mit 12:10 Stimmen, das Thema dem neuen Gremium zu überlassen. Damit fällt auch die erste Arbeitskreissitzung ins Wasser.

ddy

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