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Weil alles teurer wird: Jetzt steht der Freibad-Umbau in Miesbach auf der Kippe

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Von: Dieter Dorby

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Umbau, Betrieb oder Schließung: Wie es mit dem Miesbacher Freibad weitergehen soll, ist unklar.
Umbau, Betrieb oder Schließung: Wie es mit dem Miesbacher Freibad weitergehen soll, ist unklar. © Archiv tp

Irgendwie war es zu erwarten: Umbau und Modernisierung des Miesbacher Warmfreibads verteuern sich spürbar. Und das hat Folgen für die Badegäste. Denn nun droht die Saison 2023 ohne Bad. Im Stadtrat wurde das Thema kontrovers diskutiert.

Miesbach – Diese Verteuerung ist heftig: Lagen die berechneten Netto-Gesamtkosten für die Umgestaltung des Miesbacher Freibads im November 2021 noch bei 4,1 Millionen Euro, sind sie nun auf 4,8 Millionen gestiegen. Ein Plus von 712.000 Euro, das auch so manches Stadtratsmitglied sprachlos machte. Insgesamt bei zehn Gewerken seien Kostensteigerungen zu erwarten.

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Das Problem: Da seitens des Landratsamts noch keine Haushaltsfreigabe vorliegt, stockt das gesamte Bauvorhaben. Wie es derzeit aussieht, wird es erst 2023 mit dem Baubeginn klappen. Doch damit ist auch klar, dass das Bad nicht zum Saisonstart im nächsten Jahr fertig wird.

Mit Einsparungen gegen den Preisanstieg

Badplaner Josef Krautloher aus Vilshofen, der live per Video zugeschaltet war, regte angesichts der städtischen Haushaltslage an, über Einsparungen nachzudenken. Das Kinderbecken könnte mit Folie statt mit Edelstahl ausgekleidet werden, was 60 000 Euro sparen würde. Bei der Breitrutsche wären es 200.000 Euro, beim Terrassendach 150.000 Euro. Beide Maßnahmen könne man nachträglich vornehmen. So käme man auf 400.000 Euro zum Entlasten.

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Krautloher hatte auch gute Nachrichten von der Baubranche: Da beim Hoch- und Wohnungsbau einiges weggebrochen sei, seien nun Preissteigerungen rückläufig.

Laut Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) soll in der Planungsrunde das weitere Vorgehen besprochen werden. Die Verteuerung betreffe hauptsächlich das Atrium, das Edelstahlbecken und die Wassertechnik.

Inklusionsbad als Lösung?

Für Markus Seemüller (FWG) ist die Konsequenz dieser Entwicklung klar: „Die Stadt muss ehrlich sein, sonst wird Vertrauen zerstört – ähnlich wie bei der Riviera.“ Gleichzeitig verwies er auf ein Badprojekt im Landkreis Freyung-Grafenau, wo kürzlich ein Bad unter vergleichbaren Vorzeichen wie in Miesbach eröffnet wurde. Der Dreh: „Man hat ein Inklusionsbad gemacht. Der Fördersatz lag dabei bei 80 Prozent.“ Krautloher relativierte den Erfolg aber und verwies darauf, dass der ehemalige Bürgermeister nun im Landtag sei – „ein Wahlgeschenk“.

„Großer Beitrag für ganz Bayern“

Für Paul Fertl (SPD) wäre es kein Beinbruch, den Umbau um ein ganzes Jahr zu verschieben – „vielleicht sieht die Welt dann anders aus“. Zudem habe der Landkreis auch eine Abgeordnete, stellte er mit Blick auf Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) fest. Diesen Seitenhieb wies Badreferent Erhard Pohl (CSU) zurück. Aigner habe mit ihrem Förderprogramm als Bauministerin einen großen Beitrag für ganz Bayern geleistet, „und wir haben uns in die Reihe gestellt“. Zudem sei das Bad absolut transparent. „Corona und Krieg hat niemand bestellt. Das war keine Vetternwirtschaft.“ Ein Inklusionsbad werde man aber auf seine Möglichkeiten für Miesbach prüfen.

Antizyklisch handeln

Vielleicht sei aber ganz gut, sich antizyklisch zu bewegen, ergänzte Pohl mit Blick auf einen Bau im Sommer. Denn die meisten Bäder würden im Winter modernisiert. Was Krautloher indirekt bestätigte: „Viele Bäder haben aktuell Renovierungsbedarf, und es gibt nur wenige Spezialfirmen.“ Auch bedeute ein Sommer ohne Bad eine Saison ohne Verlust. Und der lag zuletzt bei rund 500.000 Euro. Auch positiv: In die bis 2024 laufende Förderung könnten Preissteigerungen noch aufgenommen werden.

Seemüllers Forderung, das Warmfreibad solle auf das Zuheizen mit Gas wegen des Ukraine-Kriegs verzichten, lehnte Pohl ab: „Dann ist es kein Warmbad mehr, und Senioren wie Kinder brauchen das. Schwimmen lernen bei 19 Grad geht nicht.“

Lechner kritisiert Heizen mit Gas

Michael Lechner (FWG) bewertete dies als „bedauerlich“. Die Bäderrundfahrt des Stadtrats 2015 habe gezeigt, dass andere Bäder ohne Gas auskämen. Er beantragte, heuer auf die Zusatzbeheizung durch Gas zu verzichten. Dieser Antrag wurde bei drei Stimmen abgelehnt. Für das Entscheiden über das weitere Vorgehen in einer späteren Sitzung und die Prüfung der Inklusionsmöglichkeiten wurde einhellig gestimmt.

ddy

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