„Lieber bairisch sterb’n, als wie kaiserlich verderb’n“: Die Gotzinger Trommel, die Kurator Alexander Langheiter hier zeigt, steht für deutliche Aussagen. Auch die Gebirgsschützenkompanie hat klare Vorstellungen, was mit dem Exponat der Gemeinde Weyarn geschehen soll, wenn es in Miesbach nicht ausgestellt werden kann.
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„Lieber bairisch sterb’n, als wie kaiserlich verderb’n“: Die Gotzinger Trommel, die Kurator Alexander Langheiter hier zeigt, steht für deutliche Aussagen. Auch die Gebirgsschützenkompanie hat klare Vorstellungen, was mit dem Exponat der Gemeinde Weyarn geschehen soll, wenn es in Miesbach nicht ausgestellt werden kann.

Historisches Relikt soll zu sehen sein

Weil es kein Museum gibt: Weyarns Gebirgsschützen wollen Gotzinger Trommel von Miesbach zurück

  • Dieter Dorby
    VonDieter Dorby
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Die Gotzinger Trommel ist eines der renommiertesten historischen Stücke, die es im Landkreis gibt. Verwahrt wird sie in Miesbach, jedoch gehört sie der Gemeinde Weyarn. Und die soll sie jetzt wieder zurückfordern, wenn es nach der Gebirgsschützenkompanie Gotzinger Trommel geht. Der Grund sind die schlechten Chancen auf ein Museum in der Kreisstadt.

Miesbach/Weyarn – Der Brief, den die Gemeinde Weyarn vor wenigen Tagen an die Kreisstadt Miesbach geschickt hat, birgt einiges an Brisanz. Darin berichtet Bürgermeister Leonhard Wöhr, dass sich die Gebirgsschützenkompanie Gotzinger Trommel an ihn gewandt habe mit der Bitte, sich bei Miesbach zu erkundigen, wie es mit der historischen Gotzinger Trommel weitergehen soll. Denn das Artefakt, das 1705 beim Bauernaufstand dabei war, die als Sendlinger Mordweihnacht den weg in die Geschichtsbücher gefunden hat, gehört der Gemeinde Weyarn, befindet sich aber als Dauerleihgabe im Museumsfundus der Kreisstadt.

Das Problem dabei: Die Stadt hat immer noch kein Museum , das lange dafür vorgesehene Kloster wird derzeit in ein Kinderhaus umgebaut, und damit keine Möglichkeit, das geschichtsträchtige Relikt auszustellen. Das aber wünschen sich viele Mitglieder der Gebirgsschützenkompanie Gotzinger Trommel, wie deren Kommandant Karl Steininger jun. erklärt: „Immer wieder wird der Wunsch geäußert, dass man die echte Trommel sehen kann. Sie ist immer noch unser Stolz.“ Nur unsichtbar verwahrt zu sein werde der Trommel nicht gerecht.

Replik der Trommel hat die Kompanie

Wie Wöhr in seinem Brief ausführt, kam die Trommel in der Gründungszeit der Gebirgsschützenkompanie Gotzinger Trommel vor rund 60 Jahren noch zum Einsatz. Um sie zu schonen, wurde sie dann jedoch dem Heimatmuseum Miesbach übergeben, wo sie dann regelmäßig vor dem Ausrücken abgeholt wurde. Nach einiger Zeit ließ die damals noch selbstständige Gemeinde Gotzing unter ihrem Bürgermeister Andreas Bernecker – Wöhrs Schwiegervater – eine Replik der Trommel anfertigen, die der Kompanie übertragen wurde. Seitdem haben die Gemeinde Gotzing und die Gemeinde Weyarn als deren spätere Rechtsnachfolgerin die originale Dauerleihgabe nicht mehr aus Miesbach abberufen.

Bad Tölz, Schliersee oder Tegernsee als Alternative?

Dass nun über eine Rückholung nachgedacht wird, liegt an der Entwicklung, dass in Miesbach – nachdem das Museum im Kloster gescheitert ist – auch in Zukunft keine konkreten Museumspläne bestehen. „Es scheint da keine Perspektive zu geben“, erklärt Wöhr auf Nachfrage unserer Zeitung. Zwar sei das Original bei verschiedenen Landesausstellungen zu sehen gewesen, „aber gerade die Gebirgsschützen wünschen sich, dass man die Trommel, nach der sie benannt sind, auch im Original sehen kann.“ Die Überlegung sei nun, die Gotzinger Trommel an ein bestehendes Museum zu geben – genannt werden Bad Tölz, Schliersee und Tegernsee –, bis es in Miesbach eine adäquate Ausstellungsmöglichkeit gebe.

Wöhr geht es nun um einen Austausch mit Miesbach, wie man in der Sache weiter vorgehen soll. Sein Bürgermeisterkollege Gerhard Braunmiller wollte dazu auf Nachfrage unserer Zeitung noch keine Aussage machen: „Die Sache befindet sich derzeit in der Prüfung.“

Dialog mit Miesbach soll Lösung zeigen

Für Wöhr ist es ein heikles Thema. Denn einerseits will er Miesbach keinen Druck in deren Angelegenheiten machen, was ein Museum wäre, jedoch hat er als Gotzinger selbst Verständnis dafür, dass die Gebirgsschützen sich dafür einsetzen, dass die Trommel zu sehen sein soll. „Sogar König Ludwig wollte diese Trommel schon haben, die etwa seit 1910 in Miesbach verwahrt wird, aber bekommen hat er sie nicht. Damals soll er dann gesagt haben: Dann passt’s wenigstens gut drauf auf.“ Das wird offenbar noch heute als Aufforderung verstanden. Ein Bürgermeistergespräch soll laut Wöhr und Braunmiller in nächster Zeit Lösungsmöglichkeiten ausloten. Das ist auch im Sinne Steiningers: „Man muss miteinander reden. Wir brauchen eine gute Einigung – zumindest bis es in Miesbach eine Ausstellungsmöglichkeit gibt. So ist es jedenfalls aus Sicht unserer Mitglieder nicht befriedigend.“

ddy

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