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Sorgen für Ärger: Geländeveränderungen wie hier am Gstatterberg will der Bauausschuss nicht dulden.

Gefährlicher Dominoeffekt am Gstatterberg

Weil es Nachbar vormacht: Bauherr verändert Hang - ohne Genehmigung

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Fassungslosigkeit im Schlierseer Bauausschuss: Ohne Genehmigung hat ein Hausbesitzer am Gstatterberg den natürlichen Hangverlauf verändert. Auslöser war eine Aktion seines Nachbarn.

Schliersee – Einer fängt an, der andere zieht nach: Und irgendwann sieht der Gstatterberg in Schliersee nicht mehr aus wie ein natürlicher Hang, sondern wie eine künstliche Terrassenlandschaft. Dass die Angst vor einem solchen Dominoeffekt nicht aus der Luft gegriffen ist, hat nun ein Antrag im Schlierseer Bauausschuss gezeigt.

Die Fotos von den beiden Grundstücken am Gstatterberg, die Bauamtsleiterin Birgit Kienast mit in den Sitzungssaal gebracht hatte, sorgten für reichlich Kopfschütteln am Ratstisch. Als „ziemlich übel“ bezeichnete Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) die – ohne Genehmigung – umgesetzten Baumaßnahmen. „Dreist“ nannte seine Stellvertreterin Johanna Wunderle (CSU) das Vorgehen. Und auch Wolfgang Schauer (PWG, Ausschussgemeinschaft) war entsetzt: „Das ist brutal in dieser sensiblen Lage.“

Den Stein ins Rollen gebracht hatte jedoch der Nachbar des Antragstellers, berichtete Kienast. Der habe durch Geländeaufschüttungen eine neue Terrasse gebaut und dadurch die natürliche Böschung verändert. Zur Hangsicherung habe der Antragsteller daraufhin eine zehn Meter lange Stahlbetonwand direkt auf der Grundstücksgrenze gebaut.

Offenbar inspiriert vom Werk seines Nachbarn, wurde er auf der Südseite seines Anwesens seinerseits kreativ. Hier habe er den gesamten Böschungsverlauf verändert und mit Wasserbausteinen gesichert, erklärte Kienast. Eine weitere Mauer sei an der östlichen Grenze entstanden, wo ein Stellplatz mit darunterliegendem Lagerraum geschaffen worden sei. Als wäre das noch nicht genug, habe der Antragsteller auch noch 15 statt – wie maximal erlaubt – acht Dachflächenfenster in sein Haus einbauen lassen.

All diese Maßnahmen würden der Gestaltungssatzung für Hanglagen widersprechen, sagte Kienast. „Wir wollen in diesen Bereichen keine Terrassierung.“ Die Entwicklung am Gstatterberg sei daher nicht zu begrüßen. Der Bauherr, der das Anwesen 2016 gekauft hatte, habe sich bereits entschuldigt, berichtete Kienast. Er habe trotz einheimischem Makler und Bauunternehmer angeblich nichts von der Gestaltungssatzung gewusst.

„Die müssen ihn doch drauf hinweisen“, schimpfte Schauer. Der Bürgermeister war sich da nicht so sicher. „Ich weiß nicht, ob jeder Handwerker danach fragt.“ Einigkeit bestand im Bauausschuss über das weitere Vorgehen. Wenn einer einen Fehler gemacht habe, dürfe man nicht selbst das gleiche tun, meinte Schauer. Umso wichtiger sei es, hier ein Exempel zu statuieren.

Einstimmig lehnte das Gremium die beantragten Maßnahmen ab. Mit dem Zusatz, dass die Untere Naturschutzbehörde eingeschaltet wird, um die Geländeveränderungen zu begutachten. Ferner seien die Außenanlagen auf dem Nachbargrundstück plankonform herzustellen, so der Beschluss. Die einzig richtige Vorgehensweise in so einem Fall, fand Schauer. „Sonst machen wir uns lächerlich.“

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