Mann schlägt und droht Frau.
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Die angebliche Körperverletzung war wohl tatsächlich ein Treppensturz, stellte sich vor Gericht heraus (Symbolfoto).

Verhandlung am Amtsgericht

„Ich bin sehr eifersüchtig“: Fischbachauerin (25) gesteht falsche Beschuldigung gegen Verlobten

Wegen gefährlicher Körperverletzung hatte eine Fischbachauerin (25) ihren Verlobten (30) angezeigt. Vor Gericht ruderte sie zurück. Tatsächlich sei sie die Treppe heruntergestürzt.

Miesbach/Fischbachau – Gut drei Monate ist der erste Verhandlungstag im Prozess gegen einen 30-Jährigen aus Fischbachau wegen gefährlicher Körperverletzung nun schon her. Wie berichtet, soll dieser im April 2020 seine Verlobte (25) geschlagen und getreten haben, weil sie ihn auf Beziehungen mit anderen Frauen angesprochen hatte. Damals, im November, konnte jedoch kein Urteil gefällt werden. Wie auch? Es sagte niemand aus. So wurde der Prozess noch mal komplett neu aufgerollt. Und diesmal redete der Fischbachauer.

Eine Sache stellte er gleich zu Beginn klar: „Wir sind nach wie vor ein glückliches Paar. Heute sagen wir zu dem Vorfall: Scheiße passiert.“ Ja, seine Verlobte habe ihn damals gefragt, „mit wem ich da schreibe“, erzählte der 30-Jährige. Es sei eine Frau, eine Bekannte eben, gewesen. „Dann ist sie brutal ausgerastet und hat sofort auf mich eingeschlagen“, schilderte der Fischbachauer die Auseinandersetzung im Schlafzimmer. Er habe sich leicht gewehrt, sie von sich weggeschoben. „An ihren Hals habe ich nicht gefasst, auch geschlagen und getreten habe ich sie nicht“, stellte der Angeklagte aber klar.

Paar hat Staatsanwaltschaft um Einstellung der Strafverfolgung gebeten

Genau dieses Schlagen, Treten und Würgen bis zur Ohnmacht machte ihm die Staatsanwaltschaft jedoch zum Vorwurf. Die Situation im Gerichtssaal brachte den Fischbachauer derart auf die Palme, dass er sich wieder und wieder in Rage redete. Er sei das Opfer, nicht der Täter. „Doch warum sitzen wir überhaupt hier?“, fragte er. „Wir haben uns am Tag danach ausgesprochen und zusammen einen Brief geschrieben, dass die Strafverfolgung aufgehoben werden soll.“

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Was zunächst klang wie der Versuch, einer Strafe zu entgehen, stellte sich später als etwas völlig anderes heraus. In Wahrheit war es nämlich der Versuch, seine Verlobte vor einer Strafe zu schützen. Die sagte als Zeugin aus, machte diesmal also nicht von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Und was sie sagte, kam überraschend: „Ich habe bei der Polizei gesagt, dass er mich geschlagen und getreten hat – das stimmt aber nicht.“ Ihr Zukünftiger habe ihr nicht ein Haar gekrümmt, klärte die 25-Jährige auf. „Wir hatten Streit, ich bin durchgedreht“, gestand die Fischbachauerin. „Ich sehr eifersüchtig, deshalb bin ich so ausgerastet.“

Geschädigte: Verletzungen sind bei Treppensturz entstanden

Sichtbare Verletzungen hatte die 25-Jährige dennoch am Tatabend erlitten. Die seien entstanden, als der 30-Jährige nach dem Streit das gemeinsame Haus verlassen wollte. „Ich wollte ihn aufhalten, bin ihm hinterhergerannt und dabei bin die Treppe runtergestürzt“, beschrieb die Zeugin. Dass sie ihren Verlobten bei der Polizei anzeigte, sei eine Kurzschlussreaktion gewesen. „Weil ich sauer auf ihn war.“

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Auch der sonst so besonnene Richter Walter Leitner war sauer. Nachdem die Staatsanwaltschaft und Verteidiger Christoph Michel wenig überraschend auf Freispruch für den Fischbachauer plädierten, sprach Leitner nach seinem Urteil nach dem Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“ erzürnt von einem „Freispruch 25. Klasse“. Dafür müsse die 25-Jährige möglicherweise wegen falscher Verdächtigung ihrerseits mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Vielleicht sieht sich das Paar also bald wieder vor Gericht – dann aber in vertauschten Rollen.

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Von Philip Hamm

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