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Ein idyllisches Plätzchen hat der Alpengeist im Fritz-Freund-Park in Miesbach gefunden.

Ursprünglich war sie für eine Schule geplant

Weil sie in Kreuth niemand wollte: Skulptur „Alpengeist“ steht nun in Miesbach

Dieses Kunstwerk hat eine regelrechte Odyssee hinter sich: Lange Zeit stieß der „Alpengeist“ auf Ablehnung. Im Fritz-Freund-Park in Miesbach hat er nun seine Heimat gefunden.

Miesbach Zwischen Bäumen versteckt, beugt sich ein Mann über einen Jungen und scheint ihm etwas zu erklären: Diese Szene zeigt ein bekanntes Standbild im Fritz-Freund-Park in Miesbach. Dabei handelt es sich um die Skulptur mit dem Namen Alpengeist. Sie besteht aus einer Steinfigur mit einem Mann samt Hirtenbub und Ziegen. Der damalige Bürgermeister Rudolf Pikola hat das Werk 1965 in die Kreisstadt geholt – nachdem es zuvor auf Ablehnung gestoßen war.

Die Geschichte

Anfang der 1960er-Jahre gab der Freistaat Bayern bei Andreas Rauch (* 1901 in Teisendorf/Österreich, † 1990 in München), einem Münchner Bildhauer, eine große Plastik für ein oberbayerisches Gymnasium in Auftrag. Der Künstler war in der Landeshauptstadt bereits bekannt. Zu seinen Werken zählt unter anderem der Karl-Valentin-Brunnen am Viktualienmarkt. Nach der Fertigstellung der Auftragskunst aus Muschelkalk weigerte sich der Direktor des besagten Gymnasiums aber, die Skulptur in den Schulgarten zu stellen. In der Festschrift „50 Jahre Stadt Miesbach“ wird dazu augenzwinkernd angemerkt, dass böse Zungen behaupten, der alte Mann im steinernen Ensemble habe zu viel Ähnlichkeiten mit dem Direktor gehabt und sei deswegen auf Ablehnung gestoßen.

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Mangels Alternativen ließ der Freistaat das Steinmonument an die jetzige B 307 am Stubenberg in Glashütte stellen. Die Einheimischen waren darüber weniger erfreut, und ein Sturm der Entrüstung entbrannte. Noch dazu, weil viele Kreuther behaupteten, es handle sich um ein Abbild des im schlesischen Erzgebirge beheimateten Rübezahl. Somit habe die Figur keinen Bezug zu der Gegend und sei ohnehin ein Schwarzbau. Das berichtet der Miesbacher Anzeiger im November 1964.

Um zum Ausdruck zu bringen, dass die Figur ein unerwünschter Zeitgenosse ist, wurde ihr eines Tages ein Wilderermantel umgehängt und ein Räuberhut aufgesetzt, berichtet die Festschrift. Das folgende mediale Interesse mündete schließlich in der Verhüllung der Skulptur. Ein Bretterverschlag deckte das Kunstwerk ab, um dieses aus dem Fokus der Öffentlichkeit zu rücken und vor weiteren Angriffen zu schützen.

Der Umzug

Durch die Presse erfuhr auch Rudolf Pikola von der unerwünschten Plastik und schaffte es schließlich, die Figur für den Fritz-Freund-Park zu bekommen. Am 18. Oktober wurde sie feierlich enthüllt. Um herauszufinden, was die Figur eigentlich darstellt, fragte Pikola beim Künstler nach. Dieser erklärte, dass es sich bei der steinernen Skulptur um eine Szene aus Schillers Ballade „Der Alpenjäger“ handle. Somit war auch der neue Name für das Werk gefunden: Alpengeist. Damit der Zusammenhang deutlich wurde, trugen Schüler bei der Einweihung im Beisein des Künstlers Andreas Rauch besagtes Gedicht von Friedrich Schiller vor.

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Schillers Ballade

In dem Werk geht ein Junge zum Jagen in die Berge. Auf seinem Weg folgt er einer Gazelle, die er erlegen will. Das Tier steigt dabei immer weiter die Bergwand hinauf, und der Alpenjäger folgt ihm – bis weit in die Felswand. Als er dann den Bogen zum Schießen ansetzen will, erscheint ein Alpengeist aus dem Gestein und mahnt, er solle das Tier in Ruhe lassen, schließlich wäre für alle Tiere genug Platz auf der Erde.

Zwischen den alten Rotbuchen hat der Alpengeist seit nun fast genau 50 Jahren seinen festen Platz gefunden. Ein würdiger, wie es in der Festschrift heißt: „Dort schaut er zufrieden in die Berge hinein, die nach der Meinung des Dichters ja ,sein Reich‘ sind.“

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Wie und durch wen gelangt Kunst in den öffentlichen Raum? Das ist die Frage, der wir in dieser Serie nachgehen. Wir stellen Kunstwerke, Künstler und die Anlässe vor, die dafür verantwortlich sind.

Von Amelie Knaus

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