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Eberhard von Ammon an der Sternwarte des Gymnasiums Miesbach
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Sein ganzer Stolz: Eberhard von Ammon (†) an der Sternwarte des Gymnasiums Miesbach.

Trauer am Gymnasium Miesbach

Weitblick bis zu den Sternen: Ein Nachruf auf Eberhard von Ammon

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Ein Mathe-Lehrer, der auch in Latein und Astronomie bestens Bescheid weiß: So ein Multitalent war Eberhard von Ammon. Jetzt ist der beliebte Lehrer des Gymnasiums Miesbach gestorben.

Miesbach – Im Tal wabert dichter Nebel. Ausgerechnet in dieser Nacht, als am Himmel eine Mondfinsternis die Astronomen in Verzückung versetzt. Doch Eberhard von Ammon setzt sich mit seinem Kollegen Ferdinand Huber und zwei Schülern ins Auto. Sie fahren auf den Huberspitz. Und plötzlich reißt das dichte Grau auf und gibt den Blick auf das kosmische Schauspiel frei. Ammon und Huber stellen ein Fernrohr auf – und alle schauen begeistert auf den „Blutmond“.

Diese Szene, die Huber aus dem Leben seines am 5. Januar im Alter von 86 Jahren verstorbenen Freundes und Lehrerkollegen am Gymnasium Miesbach erzählt, macht ihn sichtlich gerührt. „Die Liebe zu den Sternen hat uns verbunden“, schwärmt Huber. Mitte der 1980er-Jahre habe Ammon sich für die Einführung des Wahlfachs Astronomie eingesetzt – und später dann auch für den Bau der Sternwarte des Gymnasiums.

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„Er war ein Mann mit Weitblick“, sagt Huber über seinen früheren Kollegen. Und das meint er nicht nur in Bezug auf die Leidenschaft Ammons für alles weit entfernte am Firmament. So habe Ammon als Leiter der Fachschaft Mathematik nicht nur Zahlen im Kopf gehabt, sondern sich auch für Geschichte, Literatur und Musik interessiert. „Ein echtes Multitalent“, sagt Huber. Und dennoch bodenständig, humorvoll und keineswegs vergeistigt; hoch geschätzt bei Kollegium und Schülerschaft.

Direkt nach seinem Mathematik- und Physikstudium kam Ammon 1959 ans Gymnasium Miesbach. Mit Ausnahme eines fünfjährigen Aufenthalts an der Deutschen Schule in Athen unterrichtete der gebürtige Memminger Generationen von Miesbacher Schülern.

Wenn es sein musste auch mit Hand und Fuß, wie der damalige Schulleiter Andreas Scherm im Jahresbericht von 1996 bei Ammons Verabschiedung in den Ruhestand schrieb: Bei der Demonstration der Drehung der drei Achsen des Koordinatensystems mit Daumen, Zeige- und Ringfinger habe der Lehrer eine „überdurchschnittliche Beweglichkeit von Armen, Schultergürtel und Oberkörper“ unter Beweis gestellt.

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Diese ist Ammon auch beim Sport zugute gekommen. So spielte er bis ins hohe Alter in einer Volleyball-Mannschaft. Skilaufen, Radfahren und Bergsteigen standen ebenfalls auf seinem privaten Stundenplan. Seine Stimmbänder trainierte Ammon mit Leidenschaft im evangelischen Kirchenchor.

Ein großer Teil seines Herzbluts floß auch in sein Engagement bei der Lebenshilfe Miesbach. Weil sein jüngster Sohn mit Down-Syndrom zur Welt gekommen war, lag Ammon die Arbeit mit Menschen mit Behinderung sehr nahe, erzählt seine Tochter Friederike von Koskull. In seinen neun Jahren als Lebenshilfe-Vorsitzender trieb der Lehrer unter anderem die Einrichtung der Tagesstätte in Hausham sowie des Haus Bambi in Neuhaus voran.

Mit einer positiven Lebenseinstellung, die ihm bis ins Alter erhalten geblieben ist, wie Scherm schreibt: „Längst arriviert im erlauchten Rat lebenserfahrener Weisheit, vor himmelsstürmerischen Tendenzen aber keineswegs gefeit.“

sg

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