Sind heuer besonders stark gefordert: die beiden Schulamtsdirektoren Jürgen Heiß und Andrea Pelters.
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Sind heuer besonders stark gefordert: die beiden Schulamtsdirektoren Jürgen Heiß und Andrea Pelters.

Schwangere dürfen weiter nicht ins Klassenzimmer

Wenig Puffer beim Personal: Schulamt Miesbach sorgt sich um mobile Lehrer-Reserve

  • Sebastian Grauvogl
    VonSebastian Grauvogl
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Personalsorgen plagen das Miesbacher Schulamt: Weil schwangere Lehrerinnen weiterhin nicht in Präsenz arbeiten dürfen, ist die mobile Reserve heuer besonders knapp.

Landkreis – Sieben Mal binnen zwei Wochen durften Jürgen Heiß und Andrea Pelters kürzlich jungen Kolleginnen zur Schwangerschaft gratulieren. Das taten der Fachliche Leiter des für die Grund- und Mittelschulen im Landkreis zuständigen Miesbacher Schulamts und seine Stellvertreterin aus ganzem Herzen und voller Freude. Und doch wurden die dienstlichen Sorgenfalten der beiden Schulamtsdirektoren mit jedem Glückwunsch ein bisschen tiefer, denn: Mit Bekanntgabe der Schwangerschaft sind die Lehrerinnen quasi von heute auf morgen raus dem Klassenzimmer. „Das pandemiebedingte Beschäftigungsverbot in Präsenz gilt unverändert weiter“, erklärt Heiß.

Was sich im vergangenen Schuljahr noch verhältnismäßig gut verkraften ließ, zehrt nun stark an den personellen Reserven. Denn Distanzunterricht ist vorerst kein Thema mehr in den Planungen des Kultusministeriums. Genau dies wäre aber die einzige Möglichkeit, die derzeit elf schwangeren Lehrkräfte weiter in den Klassenbetrieb einzubinden, erklärt Heiß. Selbst wenn diese geimpft sind oder ausdrücklich den Gang ins Klassenzimmer wünschen würden, könne man hier derzeit keine Ausnahme machen.

Mobile Reserve knapp bemessen

Das ist auch der Grund, warum die beiden Schulamtsdirektoren heuer trotz der auf den ersten Blick mit 529 Stunden und 41 Lehrkräften gut ausgestatteten mobilen Reserve mit einem gewissen Bauchgrummeln ins neue Schuljahr starten. Obwohl sie – Stand heute – nicht von Unterrichtsausfällen sprechen wollen: Der Puffer ist nicht groß, zumal in den kommenden Monaten ja noch andere Ausfälle abzudecken sein könnten, etwa durch Quarantäne oder Krankheit. „Das treibt uns schon um“, betont Pelters.

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Einmal mehr habe sich hier aber das proaktive Handeln des Schulamts ausgezahlt, ergänzt Heiß. „Wir haben viel telefoniert, um noch gute Kräfte für die mobile Reserve zu finden.“ So kämen dafür neben Lehramtsstudenten nach dem ersten Staatsexamen auch sogenannte Team-Lehrkräfte in Frage. Letztere müssen lediglich ein abgeschlossenes Studium, aber nicht zwingend einen pädagogischen Hintergrund mitbringen. Dies auch deshalb, weil die Vorbereitung des Unterrichts sowie die Erstellung und Bewertung von Proben von ihren ausgebildeten Kollegen übernommen wird – idealerweise eben von der schwangeren Lehrerin daheim. Leicht sei es dennoch nicht, an Verstärkung zu kommen, berichten die Schulamtsdirektoren. Da andere Landkreise dieselben Engpässe hätten, „fischen wir alle im selben Teich“.

Besser gerüstet als im vergangenen Schuljahr sehen Heiß und Pelters die Grund- und Mittelschulen in Sachen Infektionsschutz. 54 Prozent der Räume seien bereits mit Lüftungsgeräten ausgestattet, wobei diese nur ein Mosaikstein des umfangreichen Rahmenhygieneplans (Maskenpflicht am Platz vorerst bis 1. Oktober, Selbsttests, Lüften,...) darstellen würden.

Pooltestungen an Grundschulen starten am 20. September

Viel versprechen sich die Schulamtsdirektoren von den ab 20. September startenden Pooltestungen an den Grundschulen. Die sogenannten Lolli-Tests seien nicht nur für Kinder leichter anzuwenden, sondern obendrein so zuverlässig wie PCR-Tests. Da die Ergebnisse bereits am selben Abend ausgewertet werden, könne man positiv getestete Schüler gleich am nächsten Morgen informieren – im Idealfall noch, bevor sie wieder im Klassenzimmer sitzen. Durch die neuen Quarantäneregeln könne das Gesundheitsamt dann in engem Austausch mit Schule und Lehrern die engen Kontaktpersonen ermitteln und möglicherweise weitere Tests anfordern.

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Zu begrüßen sei ferner die Ankündigung, dass auch der Impfbus des Landkreises nach Abstimmung die Schulen ansteuere. „Dass die Impfungen nicht in der Schule, sondern nur davor angeboten werden, macht nochmals deutlich, dass es sich um keine Pflicht handelt“, betont Heiß. Freiwillig bleibt auch weiterhin das Förderprogramm „gemeinsam Brücken bauen“, das Schülern bei der Schließung coronabedingter Lücken helfen soll. Da auch hier bereits Lehramtsstudenten zum Einsatz kommen können, werten die Schulamtsdirektoren – genau wie bei der mobilen Reserve – als positiv: „So können sie bereits früh praktische Erfahrungen sammeln.“ Und dabei ganz nebenbei die Personalsorgen von Heiß und Pelters zumindest etwas mildern.

sg

Zahlen zum neuen Schuljahr

Schüler: 3213 Grundschüler (plus 29 zum Vorjahr), 1156 Mittelschüler (minus 13), 841 Schulanfänger (plus 26). Klassen: 153 an Grundschulen (plus zwei), 59 an Mittelschulen (minus zwei). Durchschnittliche Schülerzahl: 21,0 an Grundschulen (Vorjahr 21,1), 19,6 an Mittelschulen (Vorjahr 19,2). Besondere Formate: 19 M-Zug-Klassen, zwei Vorbereitungsklassen, eine Praxisklasse, acht jahrgangskombinierte Klassen, davon vier „flexible Grundschulen“, 15 gebundene und fünf offene Ganztagsklassen, drei Kooperationsklassen, eine Deutschklasse, zwei Schulen mit Profil Inklusion. Lehrer: 14 aus Landkreis versetzt, 18 neu zugewiesen, 13 neue Anwärter.

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