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Der „Pferdedoktor“ bei der Arbeit: Schlosser Hans Hagn bereitet den Pegasus des Miesbacher Gymnasiums in seiner Werkstatt auf seine Rückkehr an die Schule vor.

Wappentier des Gymnasiums wird restauriert

Werkstattbesuch: So wird der Pegasus wieder fit gemacht

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Die Frischzellenkur des Pegasus hat begonnen. Der Miesbacher Schlosser und Schmied Hans Hagn bereitet das stark beschädigte Wappentier des Gymnasiums für seine Rückkehr an die Schule vor. 

Miesbach – Trotz seiner Verletzungen wollte das geflügelte Pferd erst gezähmt werden. Mit schwerem Gerät rückte Hans Hagn dem Pegasus des Miesbacher Gymnasiums an den geschundenen Leib. „Sein Stahlrahmen war total verzogen“, sagt der Schlosser und Kunstschmied aus Miesbach. Erst dem Druck eines Wagenhebers beugte sich das einst so stolze Wappentier. „Jetzt schaut er wenigstens wieder einigermaßen gerade“, sagt Hagn und lacht.

Seit dem Frühjahr steht die Aluminiumskulptur in seiner Werkstatt im Gewerbegebiet Nord. Wie berichtet, hatte ein Spaziergänger die lange verschollen geglaubte Figur, die von 1996 bis 2011 auf dem Vordach der Schule thronte, im Dezember auf dem Waldboden hinter einer Streusalz-Lagerhalle bei Thalham gefunden. Das Gymnasium reagierte sofort und holte das von Wind und Wetter in Mitleidenschaft gezogene Fabelwesen zurück an die Schule.

Hier soll sie nun nach langer Abstinenz einen Ehrenplatz bekommen. Weil das Vordach durch die Modernisierung weggefallen ist, soll der Pegasus auf einer Säule montiert werden. Laut dem stellvertretenden Schulleiter Markus Gamperling ist eine Enthüllung beim Campus-Fest am 26. Juli angedacht. „Wenn ich bis dahin fertig bin“, meint Hagn schmunzelnd. Zu seinem extravaganten Auftrag ist er über seine langjährige Zusammenarbeit mit den Schulen des Landkreises gekommen. Selbstredend, dass ihn Direktor Rainer Dlugosch bat, sich auch des Pegasus anzunehmen.

„Ich hab’ ihn mir dann erst mal angeschaut“, erzählt Hagn. Wie viel Arbeit tatsächlich auf ihn zukommen würde, erkannte er erst, als er die 100 Kilogramm schwere Skulptur in seiner Werkstatt aufbockte. Die filigranen Schwingen zerfleddert, die Hinterläufe krumm, der Hals verbogen: Der Pegasus bot wahrlich einen traurigen Anblick. „Aber wenn ich einmal Ja gesagt habe, dann ziehe ich das auch durch“, sagt Hagn. Nicht zuletzt, weil er als Fachmann die hochwertige Arbeit von Kunstlehrer Christoph Müller und seinen Schülern zu schätzen weiß. „Das ist alles sehr gut gemacht“, lobt der Schlosser das einstige Kunstprojekt.

Entsprechend behutsam setzte er Hammer und Schraubzwingen an. Zuerst bohrte er ein paar Nieten am Hinterteil des geflügelten Pferds auf und entfernte die Alu-Platten, um an sein Innenleben zu gelangen. Hier richtete er dann das Skelett aus Stahlstreben wieder gerade aus. Auch die Flügel und die Beine bog Hagn zurück in Position. Die Hufe fixierte er dann mit zwölf dicken Schrauben auf einer eigens angefertigten Stahlplatte. Das Fundament für die Montage vor der Schule.

Wie viele Stunden er schon für den Pegasus geopfert hat, kann Hagn nicht sagen. „Ich mache das nebenbei“, sagt er. Wohl auch, weil ihm die künstlerische Arbeit viel bedeutet. „Das ist genau mein Wetter“, sagt der Schmied. So hatte er einst auch das neue Gipfelkreuz für die Bodenschneid oder eine Skulptur für das Krankenhaus Agatharied angefertigt, die heute vor der Miesbacher Stadtbücherei steht.

Mit Farbe angestrichen hat Hagn keines seiner Werke. Sie sollen verrosten dürfen. Auch die Patina des Pegasus wird er nicht anrühren. Sie gehört zur abenteuerlichen Geschichte des Wappentiers dazu.

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