+
Die Sorge ist groß: Ein Teil der Bäume am unteren Hang unterhalb des Fritz-Freund-Parks an der Bayrischzeller Straße liegt in der 100-Meter-Fällzone.

Widerstand gegen zu viel Widerstand

Streit um ALB im Bauausschuss Miesbach

  • schließen

Der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) hat enorme zersetzende Kraft – nicht nur durch seine Larven, die sich in die Stämme von Laubbäumen bohren, dort Saftwege kappen und so dem Gehölz den Garaus machen, sondern auch politisch.

Nach der Infoveranstaltung vergangene Woche zum ALB und den anstehenden Zwangsfällungen (wir berichteten) hat sich die Interessengemeinschaft Fritz-Freund-Park mit Brandbriefen an die Stadtratsfraktionen gewandt, die Thema am Dienstag im Bauausschuss waren.

Dabei betonte Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU), dass der Park als solcher nicht innerhalb der 100-Meter-Fällzone liegt, sondern nur Teile des darunter liegenden Hangs des Harzbergs. Dennoch sei es das Ziel, „aus diesem Wald möglichst große Teile zu erhalten“. Dazu stehe man im Kontakt mit dem Forstamt (AELF) in Holzkirchen. Dieses ist zuständig für ALB-betroffene Waldflächen, während die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) das offene und bebaute Land betreue.

Widerstand gegen zu viel Widerstand: Streit um ALB im Bauausschuss Miesbach

Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FWG) wies in seiner Eigenschaft als Baumreferent darauf hin, dass man auf jeden Fall versuchen solle, die Eichen dort trotz der Fällarbeiten zu schützen und zu erhalten. „Das ist machbar“, bestätigte Pongratz, auch wenn es mehr koste. „Das sollten uns die Bäume aber wert sein.“

Während Manfred Burger (Grüne) in der Kooperation mit der LfL keine „keine Übererfüllung von Vorschriften“ sah, wiederholte Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) seine Forderung, wirklich alles zu versuchen, um Fällungen möglichst zu vermeiden. „Was Ihr hier macht, ist kleinreden“, stellte er fest und hatte auch noch einen Seitenhieb für Burger als Kreisvorsitzenden des Bund Naturschutz parat: „Vielleicht ist das nicht mehr der Verein, bei dem ich dabei sein sollte.“

Bemühen um Sachlichkeit

Pongratz bemühte sich um Sachlichkeit. Die LfL prüfe die Möglichkeit von Ausnahmen im Waitzinger Park, auch das generell fachlich eingebundene Julius-Kühn-Institut sei in Miesbach eingeschaltet. „Echte Wirtspflanzen werden wir nicht retten können“, stellte die Rathauschefin klar. Ihr sei aber wichtig, dass nur Bäume als solche gewertet werden, „bei denen belegbar ist, dass der Käfer da reingeht“. Dies sehe sie bei Linden nicht. „Da gab es nur einen einzigen Fall.“ In Frankreich.

Dass die Schweiz andere Wege beschreiten könne, liege daran, „dass sie nicht dem Durchführungsbeschluss der EU unterliegt“. Zudem betonte Pongratz, dass die Bäume am Harzberg zwar für das LfL-Kataster nummeriert wurden, das aber nicht bedeute, dass all diese auch gefällt werden sollen.

Absage von der Bürgermeisterin

Doch auch an der europaweiten Ausschreibung der Fällarbeiten störte sich Fertl. Da dies erst Ende Februar abgeschlossen sei, werde bei Tauwetter gefällt, was größere Schäden verursache – von dann brütenden Vögeln ganz zu schweigen. Seinen Vorstoß, mit einem niedrigeren Wert national auszuschreiben, um Zeit zu gewinnen, erteilte Pongratz eine Absage: „Wir bekommen Fördermittel von der EU und vom Freistaat. Die werden zurückgefordert, wenn wir nicht ordentlich ausschreiben.“

Während Lechner darauf hinwies, dass am Harzberg-Hang frei werdende Bäume aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht gefällt werden könnten, warnte Stefan Griesbeck (CSU) davor, zu viel zu riskieren: „Übersehen wir Käfer, werden die Zonen größer. Jeder verlorene Baum tut weh, wir müssen aber auch Vertrauen haben.“

Am heutigen Donnerstag soll die ALB-Situation im Stadtrat (17 Uhr) thematisiert werden. Fortsetzung folgt.

ddy

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Treibt in Fischbachau ein Feuerteufel sein Unwesen?
Zum zweiten Mal binnen 48 Stunden ist im Ortsbereich Hundham ein Schuppen in Flammen aufgegangen. Die Kripo ermittelt – und hat diesmal auch Luftbilder geschossen.
Treibt in Fischbachau ein Feuerteufel sein Unwesen?
Neue Chance für die Bäume am Harzberg?
Alles versuchen. Das fordern die Anwohner am Harzberg in Miesbach und die Mitglieder der Interessengemeinschaft Fritz-Freund-Park, um möglichst viele Bäume erhalten zu …
Neue Chance für die Bäume am Harzberg?
Der Landkreis Miesbach bei der Grünen Woche in Berlin
Seit gestern läuft die Grüne Woche in Berlin, und der Landkreis ist mit einem viel beachteten Stand in der Bayernhalle wieder mittendrin.
Der Landkreis Miesbach bei der Grünen Woche in Berlin
Schliersee: Jugendliche randalieren in Vitaltherme und legen Feuer
Schock in der Vitaltherme Schliersee: Ein Mitarbeiter entdeckte starken Rauch, der aus einem Kellerraum drang. Die Feuerwehr evakuierte das Gebäude.  
Schliersee: Jugendliche randalieren in Vitaltherme und legen Feuer

Kommentare